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Flusskreuzfahrt

Donauwellen ohne Ende

23.06.2010 | 14:33 Uhr
Donauwellen ohne Ende

Dramatische Landschaften: Eine Flusskreuzfahrt von Passau durch die Karpaten bis zum „Kilometer 0” am Schwarzen Mee

Sechs Uhr früh: Irgendwo hinter Moldowa Veche dämmert der Morgen blaugrau über der Donau herauf. Noch etwas fröstelnd sammeln sich die Frühaufsteher unter den Kreuzfahrern auf dem Sonnendeck der „Dnjepr”. Denn hier, wo sich Serbien und Rumänien den großen Strom teilen, beginnt mit der Kataraktenstrecke sein spektakulärster Abschnitt auf dem 2850 Kilometer langen Lauf von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung ins Schwarze Meer. Auf über 100 Kilometern sucht sich die Donau in vielen Windungen ihren Weg durch das Balkan- und Karpatengebirge, vorbei an bis zu 700 Metern aufragenden Felswänden.

In gar nicht so fernen Zeiten versetzten die Katarakte mit ihren Strudeln und Stromschnellen die Schiffer in Angst und Schrecken, und so manches Schiff zerschellte an steiler Felswand oder tückischen Unterwasserriffs. Später sprengte man Fahrrinnen in die Felsbarrieren, und an den gefährlichsten Stellen zogen Treidelloks die Lastkähne die Steilufer entlang flussaufwärts. Auch wenn der reißende Strom 1972 durch den Bau eines Kraftwerks gestaut und „entschärft” wurde, legt die Donau an den Engstellen noch immer ein flottes Tempo vor.

Bald füllt sich das Oberdeck mit Seh-Leuten, Kameras klicken im Sekundentakt. Dramatische Schluchten wechseln mit Buchten und breiteren Flusspassagen. Fast 40 Meter unter dem heutigen Wasserspiegel liegen 17 Ortschaften und viele Zeugen aus römischer Zeit. Versunken auch die großartige, in den Felsen gehauene Straße mitsamt der für ihre Zeit einmaligen Brücke, die vor fast 2000 Jahren unter Kaiser Tiberius begonnen und unter Kaiser Trajan beendet wurde.

An der Enge von Kazan, dem „Eisernen Tor”, zeigt sich die Schluchtenstrecke noch einmal von ihrer spannendsten Seite: Hier drängen die Felsen so dicht zusammen, dass die Schiffe auch heute noch nur einzeln durchfahren dürfen. Signalstationen warnten einst an gefahrvollen Biegungen die Schiffer. Mit silbernen Zwiebeltürmen geschmückt, dient eines dieser Häuschen nun orthodoxen Mönchen als Mini-Kloster. Nicht weniger fotogen blickt bald darauf das in Stein gehauene monumentale Antlitz des letzten Drakerkönigs Decebal grimmig auf die Kreuzfahrer.

Am Kraftwerk Djerap I bändigt die Staumauer den Fluss, dessen Durchbruch noch immer als eine der beeindruckendsten Flusslandschaften Europas gilt. Serbien und Rumänien haben hier jeweils die gesamte Uferregion zu Natur- bzw. Nationalparks ernannt. Mit den gewaltigen Schleusen Djerab I und Djerab II sind die letzten Schleusen der Donau passiert und nichts hemmt nun bis zum Schwarzen Meer ihren Lauf.

Donau-Metropole Budapest: Haben Flusskreuzfahrtgäste die ungarische Hauptstadt passiert, erschließt sich ihnen eine bislang kaum bekannte Kulturlandschaft.

Während die viel besuchten Sehenswürdigkeiten von Passau über Kloster Melk, der Wachau und Wien bis Bratislava und Budapest zum „Standard” jeder Donaukreuzfahrt gehören, erschließt die Strecke ab Budapest den weniger bekannten Teil der Donau. Noch oberhalb der Kataraktenstrecke steht zum Beispiel ein Ausflug ins ungarische Pecs auf dem Programm. Das ehemals donauschwäbische Fünfkirchen strahlt mit seiner prächtig restaurierten Altstadt, den Kirchen, Palästen und Moscheen aus türkischer Zeit heiter-südliches Flair aus. Kein Wunder, dass Pecs 2010 den Zuschlag zur Kulturhauptstadt Europas bekam.

Oder die geradezu ansteckend swingende City von Belgrad – die auffallend junge serbische Hauptstadt kann es bei der Shopping- und Gastroszene locker mit westlichen Metropolen aufnehmen.

Und wer von den Kreuzfahrt-Passagieren hatte wohl vor der Fahrt nach Pleven schon einmal von diesem gepflegten bulgarischen Landstädtchen gehört? Bei allen Ausflügen ins Landesinnere gibt es Einblicke ins Dorfleben und Ausblicke auf die abwechslungsreichen Landschaften der Donaustaaten gratis dazu.

Einzig Rumänien – obwohl EU-Land – wirkt durch brach liegende Felder und fast verlassene Dörfer Welten von Europa entfernt. Als Kontrast dann die Zwei-Millionenstadt Bukarest mit ihrem Verkehrschaos und den vielen stillen Parks, den Glaspalästen neben bröckelnden Hausfassaden und den wahnwitzigen Prachtbauten aus der Ceausescu-Ära.

Die eigentliche Hauptrolle bei einer „Seh-Reise” spielt jedoch der Fluss, denn anders als bei Hochsee-Kreuzfahrten gibt es ständig was zu gucken. Landschaftskino vom Sonnendeck: Häufig läuft der Strom nun mehr als einen Kilometer auseinander. Bewaldete Inseln und Sandbänke zwingen die „Dnjepr” in einen Zickzackkurs. Silberpappeln und Erlen säumen die Ufer, Reiher staken im seichten Wasser, auf Baumstümpfen trocknen Kormorane ihr Gefieder. Über weite Strecken erscheint die Flusslandschaft noch paradiesisch unberührt. Und von der offenen Heckbar lässt es sich dann wunderbar beim Sundowner in den Abend träumen.

Ganz wichtig bei einer Flusskreuzfahrt ist aber der „Wohlfühlfaktor” an Bord, denn schließlich wird das schwimmende Hotel für zwei Wochen zum Zuhause. Die „Dnjepr” ist zwar kein glitzerndes Traumschiff, vielmehr eine sympathisch überschaubare Pension mit familiärer Atmosphäre. Doch die Crew bemüht sich ausgesprochen herzlich um die Gäste. Übrigens stammen alle – vom Kapitän, über Koch bis zum Kabinenpersonal – aus dem ukrainischen Ismail, das zu Sowjetzeiten zur Kaderschmiede für Seeleute aufgebaut wurde. So geht die Route der „Dnjepr” im Gegensatz zu anderen Kreuzfahrtschiffen auch über Ismail ins ukrainische Donaudelta.

Flusskreuzfahrt
Flusskreuzfahrt

Veranstalter: Nicko Tours

0711/2 48 98 00

www.nicko-tours.de

hat 2010 fünf Variationen zwischen zehn und 17 Tagen ins Programm aufgenommen. So zum Beispiel eine 17-tägige Kreuzfahrt ab Passau in das ukrainische Donaudelta und zurück nach Passau ab 1099 Euro.

17-tägige Fahrten mit der TUI Maxima (Infos im Reisebüro und unter

www.tui.com

bis zum Schwarzen Meer bei Selbstanreise ab 2199 Euro, Vollverpflegung an Bord inkl.

Das Ausflugsboot tuckert immer tiefer in die labyrinthische Wasserlandschaft des Deltas. Fischer leben hier, Imker und Schilfschneider. Obst, Gemüse und Wein wächst auf den fruchtbaren Inseln – eine Welt für sich. Der Lebensraum steckt voller Superlativen: Größtes europäisches Feuchtgebiet und größte zusammenhängende Schilfrohrfläche der Welt. Seit 1990 steht das Mündungsdelta auf der Naturerbeliste der Unesco.

Tausende von Tier- und Pflanzenarten bevölkern diese Urlandschaft. Je näher das Schwarze Meer kommt, desto riesiger die Schilfflächen, die goldbraun im Wind wogen. Pelikane ziehen vorbei, Reiher und Silbermöwen. Unvermittelt breitet sich nach der nächsten Biegung die endlose Wasserfläche des Schwarzen Meeres bis zum Horizont. Auf der allerletzten Landspitze vereinigt sich nun die stolze Donau bei der Markierung „Kilometer 0” mit den salzigen Fluten – zehn Anrainerstaaten und 2227 Kilometer vom Einschiffungshafen Passau entfernt.

Monika Zeller


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