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Ruhr-Uni Bochum

Wenn Sigmar Gabriel kommt, ist der Hörsaal voll

10.01.2012 | 19:39 Uhr
Anders als im Bundestag in Berlin war der Hörsaal an der Ruhr-Universität in Bochum beim Auftritt von SPD-Chef Sigmar Gabriel hoffnungslos überfüllt. Foto: Matthias Graben

Bochum.   Der SPD-Parteichef Sigmar Gabriel sprach am Dienstag auf Einladung der Ruhr-Universität über Demokratie. Der Hörsaal war hoffnungslos überfüllt. Es gab nur einen einzigen Seitenhieb in Richtung des angeschlagenen Ministerpräsidenten.

Ruhr-Uni, gestern Mittag 12.10 Uhr. Es wird eng für Sigmar Gabriel. Dabei ist der SPD-Chef noch gar nicht im Hörsaal. In 20 Minuten erst soll die Veranstaltung mit dem Bundesvorsitzenden der Sozialdemokraten losgehen. Die gut 400 Sitzplätze im Raum HGC 10 sind indes längst besetzt. In den Treppenaufgängen reihen sich die Studierenden inzwischen brav auf und stehen sogar vorne bis dicht ans Podium heran. Andrang sine tempore. Aber nicht nur Andrang. Das Interesse am Auftritt des Oppositionsführers ist mithin so groß wie der Andrang.

„Ich lasse mich von seinem Auftritt überraschen, auch, ob er den Wulff anspricht“, sagt Tim Köhler aus Rheine. Der 22-jährige Student verteilt vor den Eingängen zum Hörsaal Flugblätter der Juso-Hochschulgruppe. Aufrufe zur Wahl zum Studierendenparlament, Aufrufe, die Stimme der Juso-Liste zu geben. Wem aber würde er seine Stimme geben, könnte er den nächsten Kanzlerkandidaten mitwählen: Steinbrück, Steinmeier oder doch Gabriel?

12.20 Uhr: „Viel mehr können wir jetzt aus Sicherheitsgründen wirklich nicht mehr reinlassen“, lässt ein Mitarbeiter der Uni durchs Mikrofon den überfüllten Hörsaal wissen und erntet lautes Gelächter beim dicht gedrängten Publikum.

Freundlicher Beifall für Gabriel

Als wenig später Sigmar Gabriel eintritt, empfängt ihn freundlicher Beifall. Und es geht schnell wieder um Platz, oder besser: um Umfang. Gabriel bekommt ein Mikro ans Revers gesteckt und den Sender in die Hand gedrückt. Der SPD-Chef ist einen Moment unsicher, was er mit dem Apparat machen soll. „Ich stecke den ‘mal in die Tasche, in der Hoffnung, dass ich dann nicht noch dicker aussehe“, kokettiert er mit seiner Leibesfülle und hat die Lacher auf seiner Seite. „Sie können mich hören? Ja? – Ob Sie mich auch verstehen, muss sich dann noch zeigen“, legt er nach.

Ein gelungener Einstieg: Der ehemalige Pop-Beauftragte der SPD agiert als erfolgreicher Eisbrecher. Was folgt, ist ein einstündiger, engagierter Vortrag über die „Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert“. So heißt die Veranstaltung, zu der die Fakultät Sozialwissenschaften der Ruhr-Universität den Bundesvorsitzenden der Sozialdemokraten eingeladen hat.

Sigmar Gabriel an der RUB

Mix aus Brandt und Rau

Gabriel beschwört dabei das Soziale der Marktwirtschaft und eine funktionierende Demokratie: Die Politik müsse die Märkte kontrollieren und regieren und nicht die Märkte die Politik diktieren. Es gehe darum, den „Kapitalismus zu bändigen“ und den Neoliberalismus zu überwinden. Der Marktradikalismus und sein Bild „von Menschen, die in Konkurrenz zueinander stehen“, stehe „im Widerspruch zum gemeinschaftlichen, demokratischen Handeln, um die Gesellschaft zu organisieren“. Politik und Politiker müssten weniger zynisch auftreten, wieder mehr Erdung bekommen – „empathisch sein“: „Die Probleme aus dem Blick der Bürger sehen“.

Der SPD-Chef rechnet mit der (Wirtschafts-)Politik der letzten drei Jahrzehnte ab, schont die SPD, seine eigene Rolle und die der Schröder- Regierung nicht. Sein Ausblick: eine Mix aus Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ und Johannes Raus Anspruch „Ein Politiker muss sagen, was er tut, und tun, was er sagt“. SPD eben.

Keiner der Zuhörer hat den Hörsaal verlassen, als es in eine Frage-Antwort-Runde geht. Die dreht sich um Wirtschaftswachstum, Wahlversprechen, Arbeitsplätze und Mindestlöhne. Gabriel bleibt den Studierenden keine Antwort schuldig, ohne sich anzubiedern. Agiert souverän, kurzweilig, weniger als Querdenker, eher als Brückenbauer, trifft den Tonfall der Zuhörer.

„Fehler kann jeder machen. Es kommt darauf an, wie man mit ihnen umgeht“, ist in 90 Minuten sein einziger Seitenhieb in Richtung des angeschlagenen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU).

Als der Sauerstoffgehalt der Luft im Hörsaal die gesetzliche Untergrenze erreicht, ist auch die Vortragszeit abgelaufen. Der SPD-Chef wird mit kräftigem Beifall verabschiedet.

„Da läuft sich einer warm als Kanzlerkandidat“, raunt ein Studierender seiner Kommilitonin zu – und klingt dabei ziemlich zufrieden.

Carsten Menzel

Kommentare
13.01.2012
13:34
Wenn Sigmar Gabriel kommt, ist der Hörsaal voll...
von wohlzufrieden | #12

Klar, wenn er im Hörsaal ist, passt sonst auch keiner mehr rein...

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Wenn Sigmar Gabriel kommt, ist der Hörsaal voll
Wenn Sigmar Gabriel kommt, ist der Hörsaal voll
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2012-01-10 19:39
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