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Friedhofsgebühren

Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren

25.01.2013 | 12:09 Uhr
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
Anonymes Grabfeld auf einem Friedhof: Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Urnenbestattung - auch aus Kostengründen.Foto: dapd

Essen.  Wenn der Tod eines Verwandten der erste Schock ist, ist die Rechnung, die die Angehörigen für die Bestattung bekommen, meist der nächste. Nicht selten verlangen Friedhöfe vierstellige Beträge allein für die Bestattung. In NRW haben mehrere Kommunen die Gebühren zum Jahreswechsel angehoben.

Die Finanznot vieler Kommunen an Rhein und Ruhr bekommen selbst Tote zu spüren. Viele Kommunen haben zum Jahreswechsel die Friedhofsgebühren erhöht. Auf den Friedhöfen der Stadt Bochum kostet ein Reihengrab seit diesem Jahr 2660 Euro, also 100 Euro mehr als zuvor. Selbst für ein Urnengrab werden nun 1500 Euro fällig, eine Erhöhung um 60 Euro. Hinzu kommen in jedem Fall über 1000 Euro für die Beisetzung.

Preise, bei denen vielen Menschen der Atem stockt. Schließlich kommt es den meisten pietätlos vor, Preistabellen zu wälzen, um den günstigsten Ruheplatz für einen toten Verwandten zu finden. Doch genau dazu raten Experten. "Ich zeige meine Verehrung für den Gestorbenen doch nicht dadurch, dass ich unnötig viel Geld ausgebe", sagt Alexander Helbach, Sprecher der Verbraucherinitiative Aeternitas. Er rät Familien dazu, sich frühzeitig, also vor dem Todesfall, zusammenzusetzen und mit älteren Verwandten über die Bestattung zu sprechen.

Bei einem solchen Gespräch könne abgeklärt werden, worauf es dem Verwandten ankommt: Bestattung im Sarg oder in der Urne? Einzel- oder Reihengrab? Städtischer oder kirchlicher Friedhof?

Kirchliche Friedhöfen sind meist etwas günstiger

Foto: Friedhofssatzungen/BdSt NRW

Grabplätze auf christlichen Friedhöfen seien tendenziell etwas günstiger als städtische Friedhöfe, sagt Helbach. Dafür müssten die Angehörigen aber strengere Vorgaben hinnehmen, was die Gestaltung der Grabsteine angeht. Wer sich auf einem der katholischen Friedhöfe in Bochum beerdigen lassen möchte, muss für die Bestattung 980 Euro kalkulieren. Hinzu kommen 339 Euro für die Benutzung der Trauerhalle (davon 41 für Orgelspiel und Glockengeläut). Die Grabstelle für einen Sarg kostet mindestens 1359 Euro. Dafür gibt es eine Grabstelle in einer Reihe mit anderen Gräbern, Nutzungszeit: 30 Jahre. Ein freistehendes Grab kostet 1920 Euro.

Urnenbestattungen kosten etwas weniger. Für die Bestattung werden 568 Euro fällig. Die Grabstelle kostet zwischen 1132 Euro (Reihengrab) und 1600 Euro (freistehend), die Nutzungsdauer beträgt 25 Jahre.

Protestanten kommen etwas günstiger davon: Auf dem evangelischen Friedhof Linden kostet die Bestattung im Sarg 737 Euro, für eine Urnenbestattung nimmt die Gemeinde 368 Euro. Die Grabstelle kostet je nach Lage zwischen 1380 Euro und 2998 Euro.

Bestattung in der Nachbarstadt teilweise 1000 Euro günstiger

Foto: Friedhofssatzungen/BdSt NRW

Manchmal lohnt sich auch ein Blick in die Gebührenordnung der Nachbarstadt. Dort sind Grabstellen teilweise mehr als 1000 Euro günstiger, wie der Bund der Steuerzahler NRW in einer im November veröffentlichten Untersuchung festgestellt hat. Unter den 23 untersuchten Städten belegte Bochum den zweiten Platz mit 4200 Euro für eine Sargbestattung im Wahlgrab. Essener müssen für eine vergleichbare Bestattung weniger als 3000 Euro zahlen.

Der Vergleich ist allerdings schwierig. Einige Städte berechnen eine zusätzliche Genehmigungsgebühr für Grabmäler, in anderen Städten wird diese gar nicht oder nur für besonders hohe Grabmäler fällig. Zudem variiert die Grabnutzungszeit. Nicht zuletzt schwanken die Friedhofsgebühren selbst: Laut einer Untersuchung von Ernst & Young plant jede dritte Kommune in Deutschland, in diesem Jahr die Friedhofsgebühren zu erhöhen.

Um einen Verwandten in der Nachbarstadt zu beerdigen, braucht man allerdings etwas Glück. Denn Bürger haben keinen Rechtsanspruch darauf, woanders als in der Heimatgemeinde beigesetzt zu werden. Meistens, so die Erfahrung des Steuerzahlerbunds, würden Gemeinden aber auch "Auswärtigen" einen Platz auf dem Friedhof anbieten.

Alternative Friedwald gewinnt an Bedeutung

Wem die Atmosphäre auf einem Friedhof zu beklemmend ist, der könnte in einem Friedwald einen letzten Ruheort finden, der ihm zusagt. Dort werden die Urnen der Verstorbenen unter Bäumen beigesetzt. In der Basisversion werden mehrere Urnen unter einem Baum vergraben. Wer mehr Geld ausgibt, kann seinen eigenen Baum bekommen. Grabsteine und Grabschmuck gibt es nicht-

Solche Naturgrabstellen gibt es bislang nicht überall. Mancherorts werden sie von der Kommune neben konventionellen Friedhöfen angelegt, in anderen Fällen kümmern sich private Initiativen darum. Preislich bewegen sie sich auf ähnlichem Niveau wie Urnenbestattungen auf Friedhöfen.

Die Grabpflege entfällt

Im Ruheforst Wildenburger Land (westlich von Siegen) kostet ein Bestattungsplatz an einem Ruhebiotop zwischen 511 und 1023 Euro (je nach Baumart, Alter des Baumes und Lage).

Attraktiv sind solche Grabstellen für Angehörige, die keine Zeit für die aufwändige Grabpflege haben. Die entfällt in den Friedwäldern nämlich vollkommen. Die grüne Umgebung - für die einen das ausschlaggebende Argument für ein Grab im Friedwald - kann aber gerade für ältere Verwandte zum Problem werden: mit Rollator oder Rollstuhl ist die Grabstelle kaum zu erreichen.

Gerrit Dorn



Kommentare
28.01.2013
20:56
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von melr | #13

Nutzungszeit 30 Jahre. Und danach wird man wieder ausgebuddelt, auf den Kompost gepackt, und der Nächste wird dort mit einem frischen schönen Grabstein begraben.

Das das überhaupt so gesellschaftliche Normalität ist, bleibt mir unverständlich. Wie kann man es für erstrebenswert halten, 30 Jahre in einem Erdloch vor sich hin zu modern, um dann Platz für den Nächsten zu machen?

Da lobe ich mir alternative Bestattungen, wo die Asche verstreut wird. Ich habe einen Segel-Führerschein, damit ist der Wunsch nach einer Seebestattung jederzeit nachweisbar. Ab über die Reeling, ein Kränzchen Blumen hinterher, fertig. Besser als drauf zu warten, dass der Sargdeckel nach ein paar Jahrzehnten über einem zusammenkracht.

27.01.2013
09:54
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von DerschlaueDad | #12

Warum gibt es hier so eine Aufregung ?
Man stirbt schließlich nur einmal.
Das sollte den Angehörigen schon etwas mehr wert sein.

26.01.2013
20:34
Mein Körper gehört mir ? Ein Quiz !
von Max_Freibier | #11

Angenommen, ich habe einen Sportwagen und hinterlasse den meinen Erben, falls vorhanden. Ist es immer noch mein Sportwagen ? Bin ich immer noch der Besitzer ? Klare Antwort: Nein. Ich bin nicht der Besitzer, weil ich nicht mehr da bin.

Angenommen, das Zeitliche hat mich gesegnet und umgekehrt. Ich liege also irgendwo herum in einer Kiste (bitte etwas offen lassen, ich brauche frische Luft). Ist es immer noch mein Körper? Gleiche Antwort: Ich bin nicht der Besitzer weil ich nicht mehr da bin.

Warum sollte ich mich dann um irgendwas großartig kümmern, was in keinerlei Verbindung zu mir steht?


26.01.2013
19:19
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von RiN77 | #10

Natürlich ist das für die Hinterbliebenen ein Schock und eigentlich eine Unverschämtheit!!

Aber was sollen die Kommunen machen?
Irgendwo muss ja das Geld für die immer weiter steigenden sozialen Wohltaten und die Zinsen für die immensen Schulden kommen...

Sei es durch Anheben der Hundesteuer, höhere Steuern bei Wohneigentum, Friedhofsgebühren, mehr Blitzeranlagen und teurere Knöllchen etc..

Wir haben die Politik mit den ( im Vergleich zum Rest der Welt ) größten Sozialleistungen bestellt, wir und kommende Generationen zahlen nun die Rechnung!!!

Und warten wir einmal ab, wie es ab 2014 hier finanziell zugeht, wenn auch für Südosteuropa hier HartzIV gilt..

Dann werden wir uns irgendwann nochmal nach den jetzigen Friedhofskosten sehnen!

2 Antworten
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von TVtotal | #10-1

??hat nicht heute schon jeder der aus Europa hier einwandert anspruch auf Hartz4...wenn die nicht wissen, wo sie den Antrag stellen können das wissen die!

Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von uferkasten | #10-2

hallo!
hört sich ja gut an was sie sagen.
aber solange banken wie goldman sachs auch jetzt nach der bankenkrise schon wieder richtig Geld verdienen,dann kann man so ,wie sie argumentieren dem nicht zustimmen.
im Gegenteil,pietätlose steigerungen von grabgebühren wie hier dargestellt als ein Beispiel von vielen ,könnte man sich ersparen wenn einige wenige raffgierige menschen auf dieser welt auf ein" wenig"verzichten würden!mehr nicht.

26.01.2013
18:41
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von TVtotal | #9

In Duisburg gibts ein Urnengrab für 1900 €

26.01.2013
18:39
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von Udit | #8

Bitte mal die Preise für Ewigkeitsgrabstätten für Mohamedaner und Juden zum Vergleich liebe WAZ, oder ist die Frage ungehörig?
Ineressiert mich.

26.01.2013
17:46
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von HerrderFliegen | #7

Katholiken, Muslime und Juden - Erdbestattung aber in bis zu 3 Lagen übereinander und mit geringerem Seitenabstand. Evangelen und andere Religionsgemeinschaften - Feuerbestattung in Sammel-Urnengräbern - das ist preiswerter. Und - Grüne, Alternative und Atheisten - die kommen auf den Kompost und werden recycelt. Und - wo ist da das Problem?

26.01.2013
16:54
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von klaig | #6

Ich möchte umweltgerecht entsorgt werden. Verbrennen und die Asche sollte irgendwo entsorgt werden. Jedenfalls nicht auf irgend einen Friedhof mit völlig überteuerten Preisen. Meine Nachkommen sollten keine Kosten für meine Entsorgung tragen. Sie sollten von dem eingesparten Geld besser eine Party machen. So hat jeder was davon. Ich kriege davon doch nichts mehr mit.

2 Antworten
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von tom009 | #6-1

umweltgerecht entsorgt werden bzw dann irgendwo entsorgt werden passt aber wohl nicht ganz zusammen.


sollen wir sie nach ihrem tod etwa zu hause in der heimischen heizungsanlage verfeuern????

Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von scouti | #6-2

Dann fahr mal ins benachbarte Ausland. Den Leichnam in Deutschland einäschern lassen und die Urne in die Niederlande schicken oder bringen. Nach 30 Tagen Standzeit kann die Totenasche z. B. in den weitläufigen Parkanlagen der Krematorien auf einem Spaziergang verteilt werden. Grab/Kolumbarium und ggf. Grabpflege entfällt.

26.01.2013
16:00
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von tomatenkiller_neo | #5

Kann man den toten Oppa nicht in der Biotonne entsorgen ???
Und den Schrittmacher im Sondermüll ??

26.01.2013
15:50
Teurer Tod - Städte erhöhen die Friedhofsgebühren
von Schluppi | #4

Gestorben wird immer. Da sind die Städte doch klever. Das Leben ist gefährlich, es endet immer mit dem Tot.

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