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Globalisierung

Internationalisierung beim Autozulieferer Seissenschmidt läuft

26.02.2016 | 20:00 Uhr
Internationalisierung beim Autozulieferer Seissenschmidt läuft
Foto: MATTHIAS GRABEN

Plettenberg.  Die Internationalisierung des Autozulieferers und ehemaligen Familienunternehmens Seissenschmidt in Plettenberg scheint geglückt.

Ein romantisches Bild: Der Schmied bearbeitet ein Werkstück mit dem Hammer, im Hintergrund glühen die Öfen, Funken fliegen. Mit der Realität in der modernen Schmiedeindustrie hat es nichts zu tun. Die heißt: Automatisierung, Präzision, Stückzahlen, Weltmarkt. Weltmarkt vor allem dann, wenn ein Schmiedeunternehmen als Autozulieferer tätig ist. Wer den Autoherstellern und ihren ganz großen Zulieferern nicht von Europa aus auf die Hauptabsatzmärkte Amerika, China folgen kann, hat langfristig schlechte Karten.

Von der AG zur GmbH

Insofern hat die Firma Seissenschmidt mit Stammsitz Plettenberg zuletzt wohl einiges richtig gemacht. „Kein Auto bewegt sich ohne Seissenschmidt-Teile“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Groos selbstbewusst. Auf seiner Visitenkarte steht Group President - das liegt daran, dass der Schmiedebetrieb seit gut einem Jahr als GmbH zum kanadischen Linamar-Konzern gehört und sich nicht mehr in den Händen einer Familien AG befindet - alle Anteilseigner waren Nachkommen der Gründerfamilien.

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Linamar ist kein reiner Finanzinvestor, sondern nach Magna (bekannt geworden im Opel-Übernahmekampf) der zweitgrößte kanadische Autozulieferer mit 20 000 Mitarbeitern, kommt also aus der Branche. Innerhalb des Linamar-Konzerns hat Seissenschmidt Zugang zum chinesischen Markt. Wie hoch der Preis dafür ist, wird sich zeigen.

Spätestens 2014 stellte sich ein Problem: Seissenschmidt war nicht schlecht aufgestellt, aber „Wachstum war nur noch bedingt möglich, weil Kapital fehlte und unsere Management-Ressourcen nicht ausreichten“, erklärt Groos, der hörbar aus dem Siegerland stammt. Es fehlte noch der letzte Schritt in die Internationalisierung. Also verkaufen - ein offenbar langer und quälender Prozess. „Die Familien-Aktionäre hatten ein offenes Ohr und waren dazu bereit“, beschreibt der Geschäftsführer den nicht alltäglichen Schritt eines südwestfälischen Mittelständlers: „Wir konnten nur gemeinsam mit Linamar eine Marktpräsenz in China aufbauen. Allein wäre das schwierig geworden.“

Entscheidungsfreiheit

Groos hat nach eigenen Worten „Entscheidungsfreiheiten“, berichtet aber wie alle Group Presidents im Konzern an den fernen Chef in Ontario. Investitionen müssen natürlich genehmigt werden. Aber: „Es war der richtige Zeitpunkt zum Verkauf“, sagt Groos heute. Es wäre auch allein noch eine Zeit lang weitergegangen, aber nicht mehr auf lange Sicht.

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Über mangelnde Auslastung können sich die Plettenberger (gut 900 Mitarbeiter) nicht beklagen - wer als Schmiedebetrieb Autohersteller beliefert, steht derzeit eher auf der Sonnenseite der Konjunktur. Das Ausgangsprodukt Stabstahl wird durch viele Bearbeitungsgänge zu hochfesten Teilen für die Autoindustrie geschmiedet: Seissenschmidt-Produkte finden sich im Motor, im Getriebe, in der Achse. Der Trend geht laut Groos zu „einbaufähigen Produkten“. Fast 11 000 Schmiedeteile in der Stunde schafft die vollautomatische Produktion in Dreischichtbetrieb.

Plettenberg ist nur ein Standort. Weitere befinden sich in Halver (Wärmebehandlung), Ungarn, wo die um zwei Drittel niedrigeren Lohnkosten konventionelles Schmieden mit großem Personaleinsatz erlauben, und in den USA. In Summe sind es 1400 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 250 Millionen Euro erwirtschaften. Groos denkt schon an die Zukunft: „Wir arbeiten schon an der Zulieferung für Elektroautos. Zeit genug ist da.“

Stefan Pohl

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2016-02-26 20:00
Sauer und Siegerland