Streit um verschwundene Klausuren an der RUB
16.08.2010 | 16:39 Uhr 2010-08-16T16:39:00+0200
Bochum.An der Juristischen Fakultät der Bochumer Ruhr-Uni ist ein Streit über verschwundene Prüfungsunterlagen ausgebrochen. Es geht um 15 Klausuren, die verschwunden sind oder in denen Seiten fehlen. Dahinter könnte Mobbing stecken.
Ärger an der Ruhr-Uni Bochum: Ausgerechnet in der Juristischen Fakultät ist ein Streit über verschwundene Prüfungsunterlagen ausgebrochen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) fordert inzwischen, dass sich Studierende die Abgabe ihrer vollständigen Klausur quittieren lassen sollen und die korrigierte Arbeit nur noch gegen Vorlage ihres Studierendenausweises oder einer Vollmacht ausgehändigt werden sollen. Die Professoren reagieren verschnupft auf diesen Vorstoß. Eigentlicher Auslöser für den Streit soll nach Informationen von DerWesten eine studentische Hilfskraft sein, der Teile der Studenten offenbar kein bisschen mehr vertrauen.
Die Geschichte hört sich an wie aus dem Drehbuch eines Hollywood-Streifens, der an der Highschool spielt. Es geht um eine Studentin, die aus dem Fachschaftsrat rausgeflogen ist – und jetzt als Hilfskraft der Professoren arbeitet und offenbar Rache an ihren ehemaligen Kommilitonen nimmt.
Beschimpfungen in Klausuren
„Teilweise sind ganze Klausuren verschwunden, in anderen Fällen sind einzelne Seiten herausgenommen worden”, berichtet AStA-Vorsitzender Jan Keitsch über die Tatsachen. Die Folge: Studenten haben wegen der fehlenden oder unvollständigen Unterlagen Prüfungen nicht bestanden. Nicht viel weniger schlimm: In einigen Fällen sollen Beschimpfungen auf die Klausurenseiten geschmiert worden sein. Der Fachschaftsrat spricht von 15 Fällen innerhalb eines Jahres. Der Dekan soll untätig geblieben sein; die Studierenden bescheinigen ihm der verdächtigten Mitarbeiterin gegenüber einen „väterlichen Schutzinstinkt”.
Seine Anregungen hat der AStA daher jetzt in einem offiziellen Schreiben an das Dekanat der Juristischen Fakultät formuliert - und zwar einigermaßen unmissverständlich. Die Studierenden-Vertretung fordert darin allgemein, dass studentische Hilfskräfte „keinen Zugang mehr zu Räumen bekommen”, in denen schriftliche Prüfungen oder Leistungsnachweise liegen. Außerdem soll das Dekanat dafür Sorge tragen, dass es keine Möglichkeiten zur Manipulation über das elektronische Verwaltungssystem VSPL gibt. „Professoren treten die Eintragung von Noten in das System auch an studentische Hilfskräfte ab. Wenn Klausuren oder Leistungsnachweise verschwinden und falsche Noten ins System eingetragen sind, gibt es kaum eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen”, erklärt Jan Keitsch.
Frau wird verdächtigt
Vertrauen in die Uni-Verwaltung klingt anders. Als „Notwendigkeit zum Schutz vor Unterschlagungen” fordert der AStA weiter, dass schriftliche Arbeiten außerhalb der Vorlesungen nur noch gegen Vorlage eines Studierendenausweises oder einer Vollmacht ausgehändigt werden sollen, auch wenn dies zu Mehrarbeit bei den Mitarbeitern führt.
Die Reaktion der Professoren Martin Burgi (Dekan) und Gereon Wolters (Studiendekan) an den AStA fällt unterkühlt und wenig konkret aus. Sie zeigen sich erstaunt über die angeblichen Probleme und stellen in einem ersten Antwortschreiben lediglich in Aussicht, dass die „zuständigen Personen (. . .) zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen” treffen würden.
Abseits der objektiven Vorwürfe, einzelne Seiten oder ganze Klausuren seien verschwunden, dreht sich der Streit um eine Mitarbeiterin, die zuvor als Referentin beim Fachschaftsrat Jura gearbeitet hat und jetzt beim Dekanat angestellt ist; der AStA vermutet die junge Frau hinter den Vorfällen.
Teile der Studierenden werfen der jungen Frau Mobbing anderer Studenten vor; das Dekanat unternehme dagegen nichts. Vertreter des Fachschaftsrats sollen inzwischen eine Anzeige gegen die Hilfskraft gestellt haben: Es geht um Unterschlagung.
Mittlerweile ist das Thema vordergründig, über den Umgang mit Prüfungsunterlagen, auf einer Sitzung des Uni-Senats eingebracht worden; damit muss sich die Hochschule jetzt auf Rektoratsebene mit den Vorwürfen auseinandersetzen.