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Kritik an Holzplantagen: Öko-Desaster im Wald

27.05.2009 | 20:38 Uhr
Kritik an Holzplantagen: Öko-Desaster im Wald

Arnsberg. Rechtliche Probleme und massive Kritik von Naturschützern haben ein RWE-Projekt gestoppt, mit dem auf Plantagen in Wäldern Brennstoff für Biomasse-Kraftwerke erzeugt werden sollte. Was als Beitrag zur Erzeugung Grüner Energie gedacht war, sei ein "ökologisches Desaster", sagen Kritiker.

Wanderer, die auf dem Höhenweg um den Sorpesee bei Sundern im Sauerland unterwegs sind, schütteln verwundert die Köpfe. Meterhoch türmen sich an einigen Wegesrändern Berge von Fichtenwurzeln, Ästen und Reisig.

RWE-Biomasse-Werke brauchen viel Holz

Versteckt hinter den Wällen wird deutlich, warum das so ist: Nachdem die vom Orkan Kyrill umgeworfenen Bäume abtransportiert waren, haben Bagger sämtliche Wurzeln aus dem Waldboden gerissen. Mit Pflügen und Eggen wurde aus dem Wald ein Acker gemacht – Grundlage für so genannte Kurzumtriebs-Plantagen. Schnell wachsende Bäume wie Pappeln und Robinien, die mit schwerem Gerät alle vier bis fünf Jahre abgeerntet werden, sollen darauf gepflanzt werden.

10 000 Hektar solcher Plantagen – so groß wie etwa 14 000 Fußballfelder – wollen die RWE in Deutschland anpflanzen, 1000 Hektar davon auf Kyrillflächen im Sauer- und Siegerland. „Mit dem Holz, das wir dort ernten, werden unsere Biomasse-Heizkraftwerke versorgt”, sagt Heinz Vinkenflügel, Pressesprecher von RWE Innogy-Cogen, dem Konzernteil des Energieriesen, der sich mit der Erzeugung von Strom und Wärme aus nachhaltigen Ressourcen beschäftigt.

Kraftwerk in Erndtebrück bald fertig

Drei Biomassekraftwerke sind in NRW geplant, eines in Erndtebrück im Siegerland steht kurz vor der Fertigstellung. Um es zu betreiben, müssen dort 90 000 t Holz verfeuert werden. Doch dieses Holz dort zu gewinnen, wo es normalerweise wächst – im Wald nämlich – ist auf massive Kritik von Naturschützern gestoßen. „Mit nachhaltiger Forstwirtschaft sind solche Kurzumtriebs-Plantagen in Wäldern nicht in Einklang zu bringen”, sagt Professor Andreas Schulte, Leiter des Waldzentrums NRW an der Uni Münster. Das, womit die RWE auf zurzeit noch sehr wenigen Flächen im Sauerland begonnen haben, hält Schulte für eine verfehlte Waldpolitik.

Mit dem nach Erkenntnissen des Wald-Experten bundesweit erstmaligem Einsatz von „Woodcrackern”, die die Wurzeln aus dem Waldboden ziehen, werde der Organismus des Waldbodens total zerstört.

Bagger und andere tonnenschwere Geräte, die flächig auf den Plantagen arbeiten, würden den Boden mit verheerenden Folgen verdichten. „Der Boden ist auf diese Weise der Erosion preisgegeben. Das ist ein ökologisches Desaster.”

1000 Hektar waren geplant

Ein „Desaster”, das offenbar jetzt jedoch gestoppt wird. Von den 1000 Hektar Plantagen, die in Wäldern entstehen sollten, haben die RWE erst 55 Hektar angepachtet. Und sind damit „nicht glücklich” geworden, wie Peter Stradal, Leiter Energieholzplantagen bei RWE Innogy-Cogen, gestern im Gespräch mit der WR sagte. „Wir waren davon ausgegangen, dass es eine Änderung im Bundeswaldgesetz geben wird, die es erlaubt hätte, im großen Stil und mit einem hohen Automatisierungsgrad das Holz zu ernten.”

Diese Änderung wird wohl nicht kommen – und damit sei ein wirtschaftlicher Betrieb im Wald nicht zu realisieren. Für RWE bedeutet das: „Wir haben die Aquise von Waldflächen eingestellt. Das Thema hat sich für uns erledigt”, kündigte Stradal gestern einen Rückzug aus dem Wald an. „Die Kritik von Naturschützern halten wir allerdings nicht für gerechtfertigt”, sagt RWE-Sprecher Heinz Vinkenflügel. „Zumal wir im Unternehmen stark auf ökologische Kriterien geachtet und entsprechendes Know How aufgebaut haben.”

Flächen im Ruhrgebiet

Künftig soll der Fokus auf landwirtschaftliche Flächen gelegt werden, von denen erste bereits im Ruhrgebiet bepflanzt wurden. Die stehen im Ansehen der Ökologen besser da. Zwar werden auch hier wie bei der Maisernte mit Maschineneinsatz die jungen Bäumchen abgeschnitten und sofort gehäckselt – doch weil das nur alle vier bis fünf Jahre passiert, würden die Böden sogar geringer belastet als bei normaler landwirtschaftlicher Nutzung.

Allein der weite Transport ist da noch manchem ein Dorn im Auge. RWE hält ein Einzugsgebiet von bis zu 150 Kilometern für wirtschaftlich. Dass das nicht optimal ist, weiß man bei dem Energieerzeuger auch. Doch: „Dort, wo die Kraftwerke stehen, die Strom und Wärme erzeugen – nämlich im Umfeld von Industrieanlagen – ist kein Platz für die Plantagen”, sagt Peter Stradal. „Und da wo die Plantagen sind, ist es schwer, geeignete Abnehmer zu finden.”

Heinz Krischer

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Kommentare
28.05.2009
07:28
Kritik an Holzplantagen: Öko-Desaster im Wald
von Meinemal | #4

Wie immer trimmt ein Großkonzern seine renditeträchtigen Machenschaften mit dem Mäntelchen der Nachhaltigkeit und Ökologie. Damit schnelles Geld erwirtschaftet wird, geht es halt nur mit brachialer Gewalt. Das Bodenverdichtung und -erosion zwnagsläufig eintreten würden, war doch schon vorher klar. Welche deppe Behörde hat denn hier wieder die Genehmigung erteilt. Sitzt der entsprechende Abteilungsleiter jetzt im RWE-Aufsichtsrat oder gibt es kostengünstigen Deputatstrom für alle Mitarbeiter dieser Behörde ?

28.05.2009
00:09
Kritik an Holzplantagen: Öko-Desaster im Wald
von Ulla Zensi | #3

Hanf produziert die 20 fache Menge Biomasse im Vergleich zu Holz. Und lässt sich wesentlich umweltverträglicher anbauen und ernten.

Nachdem Frauenhofer mal nachgedacht hat, haben die innerhalb weniger Monate ein Verfahren entwickelt mit dem sich die Energieausbeute aus Biomasse verdreifacht.

Und es entsteht dabei kein Müll der mehrere Tausend Jahre jedem Terroristen Freude macht.

27.05.2009
21:46
Kritik an Holzplantagen: Öko-Desaster im Wald
von knutmithut | #2

Auch wenn ich RWE immer noch für einen profitgeilen Verfechter der überholten Atomkraft halte, haben sie in diesem Punkt recht und der so genannte Waldexperte seine Hausaufgaben nicht gemacht!

27.05.2009
21:03
Kritik an Holzplantagen: Öko-Desaster im Wald
von dasKollektiv | #1

Egal,
Hauptsache die EU-Subventionen für RWE stimmen.

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