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Gericht

60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande

12.12.2009 | 11:34 Uhr
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande

Arnsberg. Mit einem Urteil von zusammen 60 Jahren Haft gegen zehn Mitglieder einer Drogenbande endete jetzt der Prozess um eine Marihuana-Plantage im Sauerland. Der Fall flog nur auf, weil es in einer Nacht im August 2007 kräftig regnete.

Es ist einer der größten Schläge gegen die Drogenmafia: Zehn große Marihuana-Plantagen ließ die Polizei auffliegen. 2,8 Tonnen Rauschgift in Top-Qualität wurden geerntet. 37 Täter ermittelte die Kripo, zehn verurteilten Richter zu Haftstrafen von insgesamt 60 Jahren ohne Bewährung. In diesen Tagen zieht das Arnsberger Landgericht den Schlussstrich unter einen Drogenkomplex, der in Europa einmalige Dimensionen hat. Am Anfang jedoch stand ein ganz dummer Zufall.

Seit Tagen schon hatte es in Strömen geregnet. Als am 21. August 2007 der Röhrbach unterhalb der Sorpetalsperre im sauerländischen Sundern über die Ufer trat, wollten die Feuerwehrleute nur helfen. Spätabends öffneten sie mit einem Notschlüssel die Türen einer alten Kettenfabrik, um gefährdete Bereiche mit Sandsäcken abzudichten. So, wie sie es früher auch schon mal taten. Den neuen Mieter, der vor einigen Monaten in die alte Fabrik eingezogen war, konnte die Wehr nicht erreichen.

Tee war Marihuana

Neben allerlei technischem Kram sahen die Feuerwehrmänner im Schein ihrer Taschenlampen einen Berg offenbar getrockneter Blätter. Vermutlich Tee, wunderten sich die Wehrmänner und konzentrierten sich wieder auf ihren Job. Erst am nächsten Morgen dämmerte es einem der nächtlichen Helfer, woher er diesen „ganz speziellen Duft” kannte. Wenig später rückte die Polizei an und schaffte säckeweise Marihuana in die Asservatenkammern.

Einen ersten Täter verhaftete die Kripo noch auf dem Gelände. „Der Mann war so überrascht, dass er es nicht mehr schaffte, seine Handys verschwinden zu lassen”, erinnert sich Oberstaatsanwalt Rainer Hummert, der die Anklagen gegen die Drogenbande führt. Schnell gerieten weitere Personen in den Kreis der Verdächtigen. „Doch alle mauerten – keiner sagte etwas”, schildert Kriminalhauptkommissar Detlef Vogt, der zusammen mit seinen Kollegen von der Dortmunder Einsatzgruppe „Organisierte Kriminalität” den Fall übernommen hatte.

Also machte man sich an manchmal nervtötende Kleinarbeit. „Unter einem riesigen Wust Papiere fanden wir bei einem Beschuldigten die Quittung eines Containerdienstes”, erinnert sich Vogt. Als man überprüfte, wo der denn den Müll abholte, entdeckte die Polizei eine neue Plantage.

Noch in Sundern hatte die Kripo eine ungewöhnlich hohe Stromrechnung beschlagnahmt. Für 20.000 Euro bezog da jemand monatlich Energie. Im hessischen Rodgau fand sich der Grund dafür.Dort entdeckte die Polizei eine der größten Plantagen, die bis dato in Deutschland aufgeflogen waren. Tausende Pflanzen wuchsen in klimatisierten Räumen unter künstlichem Licht heran – deshalb der hohe Strombedarf.

Hallen voll mit Rauschgift

Die Strom-Spur erwies sich auch in weiteren Fällen als heißer Tipp. Ziemlich vage hatte ein Bandenmitglied in Vernehmungen Ortsnamen genannt, wo weitere Plantagen sein könnten. Um herauszufinden, wo genau das Rauschgift wuchs, schickten die Dortmunder Fahnder Hubschrauber los. Mit Wärmebildkameras scannten sie ganze Industriegebiete auf verdächtige Hallen ab. Und wurden fündig. Oder die Polizei fragte bei den Stromversorgern nach, ob es Kunden mit auffälligem Verbrauch gab. Auch das brachte neue Hallen voller Marihuana.

So wurden in den vergangenen zwei Jahren insgesamt zehn Plantagen in ganz Deutschland entdeckt. Auch die „Baumschule”, eine Plantage, in der nur die Stecklinge (Fachjargon: „Mamas”) herangezogen wurden, konnte die Einsatzgruppe still legen. Und in Mainhausen stieß man auf eine Nobel-Plantage: In einer vornehmen Villa züchteten die Bosse der Bande nicht nur ihre Drogen heran. Sie hatten sich den Protzbau auch noch mit Swimmingpool und Edel-Schlafzimmern zum Liebesnest ausgebaut.

Der letzte größere Prozess der ganzen Serie fand jetzt am Arnsberger Landgericht statt, einige kleinere folgen noch. „60 Jahre Gefängnis, ohne Bewährungsstrafen”, kamen dabei heraus, hat Oberstaatsanwalt Hummert zusammengerechnet. Bis auf ein Verfahren, das noch nicht rechtskräftig ist, wurden alle „dicken Fische” abgeurteilt. Fast alle. Der mutmaßliche Kopf der Drogenbande, ein Kroate, konnte auf dem Balkan untertauchen. „Und wenn wir den auch noch kriegen”, freut sich schon Kripo-Mann Detlef Vogt, „wäre es das Sahnehäubchen auf eine ziemlich erfolgreiche Ermittlung.”

Heinz Krischer

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Kommentare
14.12.2009
00:58
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Sjakie van Kooten | #21

In Deutschland gehen wir unehrlich mit der Thematik des Cannabis um.

Cannabis wurde in Deutschland als Medizin eingesetzt. Sofern ich mich nicht täusche hat Adolf Hitler das Cannabis verboten, weil dieser Krieg von deutschem Boden aus im Sinn hatte.

Das Cannabis Verbot ist m.E. heute nicht mehr zeitgemäss.

Deshalb bin ich für die Legalisierung von Cannabis und ein aufgeklärter Umgang mit der Substanz.

Die Rechtswissenschaftlerin Dr. Nicole Krumdiek veröffentlichte im Jahr 2007 das Buch Die national- und international rechtliche Grundlage der Cannabisprohibition in Deutschland ( www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-9543-2 ) veröffentlicht und dazu ausführlich geschrieben.

Es ist nicht zu leugnen das offenbar ein Bedarf an Cannabis vorhanden ist.

In den Niederlanden wo Cannabis legal in speziellen Geschäften gekauft als auch daheim angebaut werden darf konsumieren 90 % der niederländischen Bevölkerung kein Cannabis.

In Deutschland wo Cannabis verboten ist konsumiert etwa 30% der Bevölkerung regelmässig Cannabis.

Deshalb ist es sinnvoll sich den Realitäten zu stellen.

Durch die Illegalität proftieren die organisierte Kriminalität international davon.

Durch eine Legalisierung von Anbau, Konsum können genau solche Verbrecher die Koffer packen.

Das ist mir alle male lieber.

Grüsse,
Sjakie van Kooten

13.12.2009
17:29
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Norbert Helnwein | #20

#2 @kifferli

Irrtum, es gibt kein irgendwie legitimiertes Recht auf Rausch.
Egal, ob Cannabis, Alk oder anderes.
Ein Irrglaube, dem viele Konsumenten unterliegen

13.12.2009
13:11
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Till | #19

Keine Macht den Doofen.

12.12.2009
15:35
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Moers Sued | #18

PS: Was sagt die Polizei eigentlich zu dem neusten Trend der Jugend. High werden durch mangelnde Sauerstoffzufuhr?

Na, wie will man das verbieten?
http://www.derwesten.de/nachrichten/panorama/14-jaehriger-Gymnasiast-stirbt-bei-Wuergespiel-id2238020.html

Oder Kleberschnüffel. Oder Feuerzeuggasschnüffeln?

Selbst wenn alles verboten ist, es wird Rausch gesucht, in welcher Form auch immer. Das ist ja das traurige. Dann ist es doch besser, wenn diese Personen auf Rauschmittel zurückgreifen die quasi getestet sind und deren Nebenwirkungen man kennt und die nicht tödlich sind. Alk und Kiffen zum Beispiel.

12.12.2009
15:28
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Moers Sued | #17

Wieder mal alle möglichen Klischees bedient.

Lasst den Blauen doch mal ihr Erfolgserlebnis. Ist ja auch zu einfach solche Plantagen zu finden, im Gegensatz zu Koks, Heroin, Amphetaminen und so weiter.

Wie war das beim kleine A..loch? Wenn Kiffen das Fahrrad unter den Drogen ist, ist Koks der Porsche.

Wer es braucht ... ich komme mit Kiffern besser klar als mit Säufern, soviel habe ich bemerkt. Abschmieren kann man auf beidem sehr gut. Auch das habe ich zu Schul- und Studienzeiten gesehen. Aber im Berufsleben habe ich eher an Alkohol gescheiterte Existenzen erlebt. Oder total größenwahnsinnige Koksnasen.

Lasst dem Bürger Alk&Kiffen, konzentriert euch lieber auf die richtig harten Sachen. Mit dem Saufen muss man genauso umgehen können wie mit dem Kiffen. Beides macht nicht sofort abhängig, beides ist in Grenzen tolerierbar.

Es sollte lieber etwas gegen die wachsende Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung getan werden, bzw. gegen die Übergriffe (Raub, Körpferverletzung ...).

Und wenn schon Verbote, dann auch den Alkohol und Zigaretten verbieten. Die dürften Deutschlandweit die meisten Todesfälle und Familiendramen gefordert haben.

12.12.2009
13:25
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von jcm | #16

Und die Überschrift könnte gut in der BILD stehen. Als wäre Marihuana nicht schon genug stigmatisiert worden in den letzten Jahrzehnten, wird dann noch das Wort Droge rangehängt, wie zu Zeiten, als dieser Begriff dem Unbedarften mittels des Tränendrüsen-Pamflets Die Kinder vom Bahnhof Zoo nahe gebracht wurde...
Der Bahnhof Zoo ist mittlerweile nur noch eine grössere S-Bahnstation und Mariuhana/Hasch mitsamt des THC-Wirkstoffes gehören - im Auftrage mehrerer Bundesregierungen - mittlerweile zu den meistuntersuchtesten Substanzen! Doch die gewünschten Ergebnisse, welche die hanebüchene Kriminalisierung der Nutzer ein für alle mal zementieren sollte, stellte sich nicht ein.
So ist nach wie vor ist dem Unbedarften unbekannt, dass der THC-Wirkstoff keine tödliche Dosis besitzt! In einer Langzeitstudie wurde zudem festgehalten, dass von 100 regelmäßigen Nutzern etwa sieben Prozent psychische Auffälligkeiten zeigten - die allerdings auch schon vor der Einnahme dieser Substanz bestanden haben könnten und diese aus selbsttherapeutischen Gründen eingenommen wird (anststatt Psychopharmaka mit Nebenwirkungen.
Noch ein Blick in das rechtliche Gutachten, worin es abschließend heisst, dass die Kriminalisierung dieser THC-Substanz mit dem GG kollidiert.
Dass solche Infos im Giftschrank der Regierungen verschwanden, nichts davon in der Presse stand (bis auf eine seeehr sachliche Doku auf dem Dritten zu nachtschlafener Zeit) hat natürlich seine Gründe.

Die Pharma-Industrie wurde schon genannt. Ich kenne jemanden, der von der Hüfte abwärts gelähmt ist und regelmäßig von Spastiken heimgeholt wird. Keines der verschriebenen Medikamente zeigte nennenswerte Wirkungen (ausser Nebenwirkungen) - nur THC verschaftt ihm Linderung (was mit einer neuesten Untersuchung von Spastiken-Therapien konform geht!).
Die Chemie- und Textil-Industrie wäre über eine Legalisierung/Entkriminalisierung ebenfalls wenig amused: Hanf (Marihuhana) ist auch eine Nutzpflanze, die bis zu drei mal im Jahr geerntet werden kann und vielseitig verwertbar ist!

Dieselben Bullen, die sich hier noch selbst feiern, tun das vermutlich auch, wenn sie von einem Züchter vier oder fünf Pflanzen aus dessen Wohnung holen. Selbstgezüchtete Pflanzen die es ihm ermöglichen, nicht mehr in die kriminalisierte Szene einzutauchen zu müssen.
Wie hieß es doch in dem schon erwähnten Abschlussbericht, wobei auch Richter, Kripoleute etc. befragt wurden: Eine Entkriminalisierung hätte wesentlich mehr Vorteile als die jetzige Praxis.
Das undifferenzierende Verwenden des Begriffes Droge sorgt schon alleine dafür, dass dem Unbedarften eine Freigabe dieser weichen Droge vorkommen muss wie der Beginn des Sündenbabels. Jede Partei, die einen Vorstoß in diese Richtung unternehmen würde, bekäme - auch medial - soviel Breitseiten der offensichtlich nur oberflächlich mit dem Thema vertrauten Konservativen, dass sich da auch fürderhin nichts groß ändern dürfte.
Schon garnicht, wenn Lobbyisten aus Pharma-, Papier/Chemie-Industrie da ein Wörtchen mitreden...

By da way: Warum nennt man einen Menschen, der vom Verkauf von Hochprozentigem lebt, eigentlich nicht Schnaps-Dealer?
Zumal vom Schnaps täglich Menschen sterben - während mir kein Fall bekannt ist, in dem ein THC-Konsument zu Tode kam (weil die Substanz schlichtweg keine tödliche Überdosis besitzt!).
Und wer mir jetzt mit dem Argument kommt, dass man doch auch ohne Drogen durchs Leben kommt, dem sage ich, er solle mal überprüfen, was er denn so täglich konsumiert. Vom Kaffee über Tee, Zucker, Fett, Medikamenten - bis hin zum Geschwindigkeits-RAUSCH...

Marihuhana-Drogen-Bande... poah, glaupße...

12.12.2009
12:32
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von kaputtesGelsenkirchen | #15

Hier wird man ja schon vom Kommentare lesen high. Keine Macht den Drogen! Prost und schöne Grüße - besonders an die Kleinen - aus der Veltinsarena.

12.12.2009
12:27
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Gegen Links | #14

Ich kiffe seit 20 Jahren habe zwei Berufsausbildungen und ein Informatikstudium hinter mir.

12.12.2009
12:14
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von antifaschist | #13

Legalize it!

12.12.2009
11:33
60 Jahre Haft für Marihuana-Drogenbande
von Statistik | #12

Ich erinnere mich nicht, jemals von Gewalttaten im Marihuana-Rausch gehört oder gelesen zu haben, aber manche Leute werden schon von ein paar Bier so aggressiv, daß sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen.
Ironiemodus an: Das ist natürlich ok, weil ja der Staat an der Alkoholsteuer verdient. Ironiemodus aus
Wie wäre es mit einer THC-Steuer und Legalisierung von Cannabiskonsum? Könnte möglicherweise einige Gewalttaten, sogar Totschläge verhindern und den Gebrauch von Produkten der Pharmaindustrie einschränken. Wobei sich da natürlich wieder die Frage stellt, ob deren Lobby das möchte - im Zweifelsfall nicht. Ich verstehe die Logik nicht, die Zigaretten, Alkohol, Pharmadrogen, Spielhallen und was sonst noch so auf dem Markt der Flucht-aus-der-Realität-Drogen ist erlaubt und Haschisch verbietet.
Interessant wäre eine Statistik, erhoben in den Ambulanzen der Krankenhäuser.

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