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Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern

21.01.2013 | 20:32 Uhr

Krefeld.   Inkasso-Betrüger nutzen von Telefonabzockern gesammelte Personendaten - und fordern von ahnungslosen Bürgern Gebühren für angeblich abgeschlossene Verträge. „Nicht einschüchtern lassen“, empfiehlt die Krefelder Polizei. Sie ermittelt schwerpunktmäßig gegen die Szene.

Von 98,77 Euro war im ersten Brief die Rede, fällig für einen angeblich gebuchten „Verbraucherschutzservice“. Brief Nummer zwei kam schon von einem Inkasso-Unternehmen, das mit markigen Worten rechtliche Schritte androht. Nun waren schon 163,67 Euro fällig. Aber wofür eigentlich? Der Angeschriebene soll mit einem Sperrvermerk auf Listen aufgenommen worden sein, die ihn vor aufdringlicher Werbung via Telefon oder Postkarte verschonen. Augenscheinlich Nonsens. „Eine ‘Postkartensperrliste‘ kann gar nicht funktionieren“, sagt Jochen Fier von der Krefelder Polizei.

Halbe Million Euro ergaunert – mindestens

Der Kriminalhauptkommissar leitet die Ermittlungskommission (EK) Call. Seit mehr als vier Jahren setzen Fier und seine Kollegen der kriminellen Callcenter-Szene in der Seidenweber-Stadt mächtig zu. Ein Callcenter nach dem anderen musste schließen. Erst im Dezember haben die Ermittler wieder eines im Stadtteil Fischeln ausgenommen. Die Betreiber, zwei Brüder, sollen mit unlauteren Gewinnversprechen bundesweit mindestens eine halbe Million Euro am Telefon ergaunert haben.

Die ERmittler raten

Was tun, wenn plötzlich ein ungerechtfertigtes Inkasso-Schreiben im Briefkasten liegt? „Auf keinen Fall zahlen“, sagt Staatsanwalt Thomas Pelka. Er rät dazu, Widerspruch einzulegen (Vordrucke gibt es bei den Verbraucherzentralen) und gegebenenfalls Strafanzeige zu stellen.

In letzter Zeit müssen sich Fier und seine Kollegen aber nicht nur mit Callcentern, sondern auch verstärkt mit augenscheinlichen Inkassobetrügereien beschäftigen. Das kommt nicht von ungefähr: Die Boom-Zeit der Callcenter-Abzocke ist nach Einschätzung des EK-Leiters mehr und mehr vorbei,. „Auf Anrufe, dass man sich gegen Geld angeblich in möglichst viele Gewinnspiele eintragen lassen kann, fallen immer weniger Bürger rein“, berichtet Polizist Fier.

Aber die in den 90er- und frühen 2000er-Jahren von Callcentern gesammelten Daten zu den von ihnen mehr oder minder erfolgreich angerufenen Personen, die kursieren weiter in der Szene. Sie werden über dubiose Kanäle weiterverkauft – und gerne für Inkassobetrügereien genutzt. Die Kriminellen erfinden dabei neue Produkte, die die Opfer angeblich gebucht haben sollen. Das kann ein „Verbraucherschutzservice“ sein oder eben neuerliche Gewinnspieleintragungen mit ähnlich klingendem Namen: „Aus dem Deutschen Gewinn-Forum von damals wird dann plötzlich der Deutsche Gewinn-Fonds, beides abgekürzt DGF“, berichtet Fier. Manipulierte Telefonmitschnitte von damals sollen belegen, dass der Angerufene Ja zu einer Teilnahme bei DGF gesagt hat.

Die Inkasso-Betrügereien funktionieren wie zuvor die Telefonabzocke nach dem Prinzip Schrotpatrone: Die Täter versuchen bei vielen potenziellen Opfern zu landen und finden darunter immer wieder Leute, die zahlen – und sei es auch nur, um vermeintlich Ruhe zu haben. „Bei einer Quote von fünf oder acht Prozent Rücklauf knallen bei den Tätern die Korken“, sagt Staatsanwalt Thomas Pelka. Derartige Betrügereien sind für ihn ein Phänomen der modernen Zeit: „Geräte wie Power Dialer, mit denen Callcenter 100 oder 200 Leute gleichzeitig anwählen können, hat es ja früher nicht gegeben.“

Meldung vom 22.05.2012
GFKL hält Kreditkunden bei Zahlungslaune

Ein Einblick in Essens Inkasso-„Fabrik“: Wie die GFKL am Limbecker Platz säumige Kreditkunden bei Zahlungslaune hält – und sich nicht sorgen muss um klamme Kundschaft. Die geht bei der GFKL in die Zehntausende: Um die 900.000 Forderungen mit einem Gesamtvolumen von gut 21,5 Milliarden Euro.

Kriminelle ließen in Disco die Korken knallen

Krefeld war ein Schwerpunkt für die Telefonabzocker-Szene. „Das hatte sicher auch damit zu tun, dass sich mehrere frühere Agenten selbstständig gemacht hatten“, berichtet Fier. Die Szene fuhr bei einer örtlichen Großdisco teilweise im Porsche vor, ließ da die Korken knallen. Mittlerweile ist die Feierlaune vorbei. Zwei Callcenter haben die Ermittler dichtgemacht, weitere zehn gaben von sich aus auf.

Gut zwei Dutzend Verfahren mit vielen Tausend Geschädigten hat die EK Call mit Staatsanwalt Pelka aufgenommen. Es gibt erste Urteile (drei und zwei Jahre Haft, einmal zwei Jahre auf Bewährung), ein weiterer mutmaßlicher Betrüger steht derzeit vor dem Krefelder Landgericht. Die Arbeit geht der EK Call auf absehbare Zeit nicht aus. Das zeigen die neuen Inkasso-Betrügereien. Einsicht hat Staatsanwalt Pelka noch bei keinem Täter erlebt: „Die haben alle bis zuletzt darauf gepocht, dass angeblich Verträge abgeschlossen worden wären.“

Holger Dumke



Kommentare
23.01.2013
12:44
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von liricherjung | #7

@ #6

"nämlich darauf hinzuweisen, dass man das Telefongespräch aufzeichnet."

Richtig, damit nimmt man denen den wind aus den Segeln!

und #3, Dieselpumpe:

So blöd sind die Menschen meistens gar nicht, die werden nur nach Strich und Faden vera....., das läuft dann so:

Anruf, hier Lotterie xyz, sind sie Frau Müller? "ja, korrekt!" "OK, sie haben gewonnen, wir überweisen ihnen 5000 EUR auf ihr Konto, bitte BLZ und Nummer angeben, Danke!"

Daraus wird dann eine Abbuchung, interveniert man, heisst es, sie haben doch dem Gewinnspielvertrag zugestimmt, hier ist der Mittschnitt: "...sie möchten also wirklich teilnehmen?" - "ja, korrekt!"

Das Audiofile baue ich mit Audacity o.ä. in drei Minuten, so etwas dürfte gar nicht anerkannt werden, #1 hat Recjht, ohne Unterschrift darf nichts passieren!

22.01.2013
08:17
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von DerRheinberger | #6

Da gibt es eine zuverlässige Methode, um illegale, aber aus dem Ausland durchgeführte Werbeanrufe ganz schnell zu beenden, nämlich darauf hinzuweisen, dass man das Telefongespräch aufzeichnet. Das ist zwar illegal, aber die Betrüger tun dies zur Beweissicherung ja auch. Der Erfolg ist aber durchschlagend, in der Regel legen die Betrüger sofort wieder auf und rufen nie wieder an!

Ein weiteres Ärgernis sind Mails, welche zur Zeit noch nicht einmal durch die Spamfilter von GMX oder WEB zurückgehalten werden. Hier wird man aufgefordert, seine Kreditkartendaten samt Pin mitzuteilen, da sonst die Karte gesperrt wird. Diese Mail habe ich schon zweimal innerhalb von einem Monat bekommen wie hunderttausend Andere auch. Es ist unglaublich, wie frech sich Betrüger in Deutschland unter den Augen von Polizei, Justiz und einer korrupten Politik bewegen können. Bei illegalen Downloads klappt komischerweise die Feststellung des Urhebers dank Abmahnanwälte immer reibungslos!

1 Antwort
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von ulrics | #6-1

Wenn man auf die Aufzeichnung hinweist, dürfte es nicht illegal sein.

22.01.2013
07:36
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von Musashi | #5

Früher haben es solche Typen mit Schutzgelderpressung versucht. Diese Masche liest sich zwar harmloser, basiert aber fast auf den gleichen Methoden und müsste von den zuständigen Einrichtungen ebenso und nicht wie ein "Kavaliersdelikt" verfolgt werden!

22.01.2013
07:34
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von Emma81 | #4

Ich habe auch einmal solch eine wundervolle Post bekommen. Es ging allerdings um irgendwelche Abos, die ich im Internet abgeschlossen habe.
Man sollte schon direkt Zweifel bekommen, wenn nach einer nicht erhaltenen Rechnung direkt eine Mahnung mit hart formulierter Drohung eines Inkassounternehmens gedroht wird...seriöse Firmen schicken solche Schreiben erst gar nicht raus. Nicht mit derartigen Wortwahlen.
Ich habe mir nur damals vorgestellt, wieviele Eltern blauäugig diese Rechnung von knapp 100 Euro bezahlt haben, weil sie nicht sicher waren, ob ihre Kinder nicht doch etwas im Internet ungewollt angeklickt und aboniert haben.
Wenn man sich nicht sicher ist bezüglich irgenwelche Schreiben von Firmen die man nicht kennt, einfach mal "googlen"...denn es gibt einige, denen das gleich passiert und dann fühlt man sich etwas sicherer und weiß, dass man auf solche Schreiben niemals reagieren sollte!

22.01.2013
07:17
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von Dieselpumpe | #3

Es ist immer wieder bemerkenswert wie blöd die aufgeklärten Menschen heute sind!

Nach „Nepper-Schlepper-Bauernfänger“ und den seit Jahrzehnten immer wiederholten anderen Aufklärungsberichten in Funk und Fernsehen ist es nicht nachzuvollziehen wie blauäugig viele ins offene Messer laufen.

Selbstverständlich wäre auch der Gesetzgeber endlich mal in der Pflicht klare gesetzliche Grundlagen zu schaffen die es den dubiösen Gangstern aus der Ferne unmöglich machen Menschen mit diesen und ähnlichen Maschen abzuzocken.

22.01.2013
07:05
von Baumliebhaber | #1
von DerRheinberger | #2

Schon lange fordern Verbraucherschützer und die Linken im Bundestag, hier gesetzlich einen Riegel vorzuschieben. Doch ausser Absichtserklärungen ist aus dem FDP geführten Justizministerium und von der CSU Verbraucherministerin nichts weiter zu vernehmen. Es ist unglaublich, wie weit Lobbyisten die berechtigten Forderungen der Bevölkerung durch Ihre Einflüsse in Ministerien, Ausschüssen und Parlamenten wieder abbügeln können.

22.01.2013
06:22
Polizei warnt vor dreisten Mahnungen von Inkasso-Betrügern
von Baumliebhaber | #1

Man sollte einfach ein Gesetz erlassen in dem ein Vertrag nur gilt wenn der unterschrieben worden ist und nicht mit einem Ja am Telefon gilt. Die Welt wird immer schlechter und verdorbener.

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