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David Petraeus und John Allen - Der Fall von zwei US-Generälen

13.11.2012 | 21:08 Uhr
Sie sind beide ins Zwilicht geraten: David Petraeus (l.) und John Allen.Foto: Reuters/Kevin Lamarque/Yuri Gripas

Washington.  Mit John Allen gerät nach David Petraeus ein weiterer Top-Militär ins Zwilicht. Ausgerechnet Jill Kelley, der Frau, die indirekt den Sturz von Petraeus ausgelöst hat, soll Allen "unangemessene" E-Mails geschrieben haben. 20.000 bis 30.000 Dokumente soll das FBI gefunden haben.

Das Gruppenbild mit Damen, auf das Amerika seit Tagen mit Kopfschütteln und Neugier schaut, wird immer bunter. Nach dem Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus (60) wegen einer außerehelichen Liebesbeziehung mit seiner Biographin Paula Broadwell (40) gerät nun auch der Kommandeur der internationalen Afghanistan-Schutztruppe, General John Allen, in den Affärenstrudel. Verteidigungsminister Leon Panetta hat ein Ermittlungsverfahren gegen den 58-jährigen Elite-Militär eingeleitet.

Auslöser waren nach Angaben des Pentagon Funde der Bundespolizei FBI über 20.000 bis 30.000 Dokumente und E-Mails, in denen sich der verheiratete Allen über zwei Jahre in „unangemessener“ Weise ausgerechnet mit jener Frau ausgetauscht hat, die indirekt den Sturz von Petraeus auslöste: Jill Kelley, 37 Jahre alt, Mutter dreier Kinder, Ehefrau eines bekannten Chirurgen , in Militärkreisen in Tampa/Florida als Gesellschaftsdame bekannt, die honorige Veranstaltungen zu Gunsten von Armee-Angehörigen ausrichtet oder besucht und seit fünf Jahren mit David Petraeus und dessen Frau Holly befreundet war. Über den Inhalt des Mail-Verkehrs schweigen sich Pentagon, Allen wie Kelley bisher aus. Top-Anwälte sind eingeschaltet.

US-Präsident Obama hat "eine hohe Meinung" von General Allen

US-Affäre
Sicherheitsrisiko alte Männer
Sicherheitsrisiko alte Männer

Berichte über Fehlverhalten in der größten Militärmacht der Welt siedeln meist im Heer der Fußsoldaten. Männer, die im Irak oder in Afghanistan Nerven und moralischen Kompass verloren haben oder beides nie besaßen, waren über Jahre das klassische Beispiel für die furchtbaren Deformationen, die in diesem Beruf drohen.

Dass nun kurz hintereinander zwei der anerkanntesten Vier-Sterne-Generäle Amerikas in Misskredit geraten sind, mag mancher als Bestätigung empfinden: Dummheit ist kein Privileg der niederen Dienstränge. Auch Chefs stolpern über sich selbst.

Für Amerikas Selbstwahrnehmung als Hüterin der freien Welt ist das erschütternd. Auch wenn das zwischen Rufmord, Ehebruch, Geheimnisverrat und Gegenspionage pendelnde Affären-Geflecht noch zu unübersichtlich ist, um Ursache und Wirkung sauber zu trennen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung kurz nach der Präsidentschaftswahl kann kein Zufall sein. In beiden Personalangelegenheiten ist das FBI seit Monaten aktiv.

Die dubiose Rolle der Bundespolizei allein rechtfertigt ein parlamentarisches Nachspiel. Die Integrität des Militärs ist in Gefahr. Das ist ein Risiko für die nationale Sicherheit – auch die der Verbündeten, die auf Amerikas Führungsrolle bauen. Für Präsident Obama kommen die Skandale zur Unzeit. Die Vermeidung des drohenden Staatsbankrotts sollte alle Kräfte binden. Stattdessen muss Obama einen Nebenkriegsschauplatz alter, eitler Männer aufräumen, die ihre Hormone nicht im Griff haben. Mannomann.

Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, wird im prüden Amerika mit der Formulierung „unangemessen“ in der Regel „sexuell akzentuierte Kommunikation“ bezeichnet. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass militärische sensible Informationen ausgetauscht wurden. Allen ließ die Anschuldigungen, insbesondere den Verdacht, er habe ebenfalls eine außereheliche Beziehung, pauschal zurückweisen. Das Pentagon deutete am Mittag an, dass es für eine aktive Affäre Allens bisher keine Anzeichen gebe. Dem General wurde eine faire Untersuchung zugesagt, erklärte Panetta. Bis dahin liegt die für diesen Donnerstag geplante formale Entsendung Allens nach Europa auf Eis. Der aus Virginia stammende Absolvent der Marine-Akademie Annapolis sollte hier im Januar das US-Oberkommando übernehmen.

US-Präsident Obama hat nach Angaben seines Sprechers Jay Carney "weiter eine hohe Meinung von John Allen". Der Vorgang rückt einmal mehr Jill Kelley in den Blickpunkt. Die attraktive Frau hatte sich im Frühjahr an einen befreundeten FBI-Agenten gewandt, weil sie sich durch anonyme E-Mails einer anderen Frau bedroht fühlte. Die Bundespolizei nahm Ermittlungen auf und kam so Paula Broadwell auf die Schliche. Die 40-Jährige, die in Kelley offensichtlich eine Nebenbuhlerin gesehen hat, war nicht nur die Urheberin der Droh-Mails. Bei der Kontrolle ihrer E-Mail-Konten flog auch die Affäre mit Petraeus auf, die von November 2011 bis zirka Juli 2012 gegangen sein soll.

Allen löste Petraeus als Oberkommandierender in Afghanistan ab

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Charlotte, 13.11.12: Im US-Bundesstaat North Carolina durchsuchten am Montag FBI-Mitarbeiter das Haus von Paula Broadwell, der Geliebten von Ex-CIA-Chef David Petraeus. Unterdessen gerät mit General John Allen ein weiterer Top-Militär ins Zwielicht.

Die Querverbindung zwischen Petraeus und Allen, die zu Amerikas Vorzeige-Soldaten gehören, ist bedeutsam. John Allen war unter Petraeus, der bis 2011 Vier-Sterne-General und Oberkommandierender in Afghanistan war, im Irak-Krieg eine zentrale Figur. Als seine herausragende Leistung gilt, dort zwischen 2006 und 2008 die sunnitischen Stammesältesten davon überzeugt zu haben, sich mit Amerika zu verbünden und gemeinsam gegen das Terrornetz El Kaida zu kämpfen. Als Petraeus an die Spitze des Auslandsgeheimdienstes CIA wechselte, löste Allen ihn in der Chef-Funktion in Afghanistan ab.

Der Zeitpunkt, zu dem Allen in den Petraeus-Skandal gerät, hat den Argwohn des Kongresses, der sich ohnehin seit Tagen unzulänglich informiert fühlt, noch weiter verstärkt. „Warum kommt das FBI mit 30.000 Seiten potenziell belastendem Material über General Allen erst jetzt“, fragte stellvertretend für viele Politiker der republikanische Abgeordnete Jason Chaffetz im Sender CNN. Unterdessen wurden gestern weitere irritierende Details in der Affäre bekannt; über die in der „New York Times“ wie in der „Washington Post" intensiv berichtet wird. Danach hat der von Jill Kelley eingeschaltete FBI-Agent offenbar seine Befugnisse überschritten, indem er eigenmächtig hochrangige Parlamentarier in Washington über den Fall informierte. Außerdem behelligte er Jill Kelley mit Handykamera-Fotos, die ihn mit nacktem Oberkörper zeigen.

Video
Washington, 10.11.12: CIA-Chef Petraeus hat überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Als Grund gab er eine außereheliche Affäre an. Für Präsident Obama ist der Abgang ein schwerer Schlag. Nachfolger wird der bisherige Stellvertreter Michael Morell.

David Petraeus und seine Ex-Geliebte Paula Broadwell gingen bei ihrem digitalen Schriftverkehr zunächst weniger leichtsinnig vor. Um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen, schrieben sie sich in der Turteltauben-Phase keine direkten E-Mails. Sondern Liebesbotschaften, die in einem passwortgeschützten gemeinsamen Internet-Briefkasten landeten, auf den beide Zugriff hatten. Als die FBI-Experten dahinter kamen, wurde ihr Interesse umso größer, weil diese Vorgehensweise häufig von Terroristen genutzt wird.

Kommentare
14.11.2012
06:34
David Petraeus und John Allen - Der Fall von zwei US-Generälen
von Pucky2 | #3

Da wird Bradley Manning von der US-Regierung ohne rechtskräftiges Urteil in grausamer Einzelhaft "lebendig begraben"... und ein paar Generäle, die...
Weiterlesen

1 Antwort
David Petraeus und John Allen - Der Fall von zwei US-Generälen
von bernieabg | #3-1

Manning ist halt kein prominenter republican, siehe Lewis Libby oder Ollie North.

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David Petraeus und John Allen - Der Fall von zwei US-Generälen
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