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Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar

29.12.2012 | 14:59 Uhr
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück schient die Fettnäpfchen zu suchen: Jetzt bricht er eine Debatte über die Entlohnung der deutschen Regierungschefs vom Zaun.Foto: dapd

Frankfurt/Main.   Mit Honoraren kennt er sich ja aus: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück hält die Bezüge der deutschen Regierungschefs für zu niedrig. Das sagte Steinbrück in einem vorab veröffentlichen Medienbericht von Sonntag: "Nahezu jeder Sparkassendirektor in NRW verdient mehr als die Kanzlerin".

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück beklagt, dass das Gehalt des Bundeskanzlers zu niedrig ist. "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt", sagte Steinbrück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.) laut Vorabbericht. "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin."

Im Mai hatte die Bundesregierung erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Erhöhung ihrer eigenen Bezüge beschlossen. Das Gehalt Merkels erhöht sich demnach bis Mitte 2013 schrittweise um 930 Euro auf rund 17.016 Euro. Dazu kommt die steuerfreie "Dienstaufwandsentschädigung" von gut 1000 Euro im Monat. Ihre Bundesminister verdienen ab Jahresmitte 13.794,70 Euro, die Parlamentarischen Staatssekretäre 10.573,22 Euro.

Steinbrück kritisiert "groteske Debatte" über Bezahlung von Abgeordneten

Der Ex-Finanzminister kritisierte auch die Diskussion um die Bezahlung von Abgeordneten. Mitglieder des Bundestages arbeiteten fast 7 Tage die Woche, durchschnittlich 12 bis 13 Stunden. Sie seien gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. "Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement", urteilte er.

Sein Verhältnis zum Geld bezeichnete Steinbrück als "rein instrumentell". Es habe Zeiten gegeben, in denen er sehr wenig Geld gehabt habe. "Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus", sagte der SPD-Politiker.

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) kann unterdessen den Wunsch seines Parteifreundes Peer Steinbrück nach einem höheren Gehalt für Bundeskanzler nicht nachvollziehen. "Nach meinem Eindruck werden die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt", sagte Schröder der "Bild am Sonntag". "Ich habe jedenfalls davon immer leben können."

Auch andere SPD-Politiker gingen auf Distanz. Der Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz sagte der "F.A.S.": "Als Bundeskanzler zu dienen ist eine hoch faszinierende Tätigkeit, die nicht ganz schlecht bezahlt wird. Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler." Politikergehälter sicherten eine gute bürgerliche Existenz, mehr müsse nicht sein.

"Man macht es nicht, um reich zu werden"

Der Kieler Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels sagte dem Blatt, es sei manchmal wichtig, darauf hinzuweisen, dass Politiker nicht übermäßig verdienten. "Doch sollten wir uns eher mit den Gehältern im öffentlichen Dienst vergleichen als mit den Spitzengagen in der Wirtschaft", sagte er. Dann hätten die Gehälter von Spitzenpolitkern eine sehr ordentliche Größe. Ein politisches Spitzenamt wie das des Bundeskanzlers zu bekleiden, sei auch eine Ehre. "Man macht es nicht, um reich zu werden", sagte Bartels.

Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider (SPD) sagte, es sei zwar richtig, dass für das Gehalt eines Bundeskanzlers die Spitzenmanager führender Unternehmen keinen Finger rühren würden. Allerdings bedeute das nicht, dass man das Kanzlergehalt erhöhen müsse. "Das ist die bestbezahlte Tätigkeit in der Bundesregierung mit Pensionsansprüchen, die durchaus angemessen sind", sagte Schneider der Zeitung. Kanzler werde man, um politisch gestalten zu können - ebenso wie man deswegen Bundestagsabgeordneter werde.

Der schleswig-holsteinische SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte, wenn man das Gehalt des Bundeskanzlers mit dem eines Sparkassenchefs vergleiche, gebe es ein Missverhältnis. Daraus folge aber nicht, dass die Politikergehälter erhöht werden müssten. "Wir machen das freiwillig und brauchen keine zusätzlichen Anreize für gewählte Ämter", sagte er.

Einer Umfrage zufolge sieht Steinbrück im Vergleich zum Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter blass aus. 36 Prozent der Wahlbürger vertrauen der CDU-Chefin mehr als einem möglichen Kanzler Steinbrück (18 Prozent), wie aus einer YouGov-Umfrage im Auftrag der "Bild"-Zeitung hervorgeht. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) vertraut keinem von beiden.  (dapd)


Kommentare
01.01.2013
13:30
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von GANDALF1959 | #180

Man siehe, leider schafft eben nur das Geld die Anreize. Und dies zeigt uns die Charaktereigenschaften unserer aller Volkes Angestellten!!!

31.12.2012
16:43
beGierig
von wohlzufrieden | #179

Jetzt wissen wir es: Old Schnatterhand-Aufhalter Peer 100 Taler ist mit seinen Forderungen nach höherem Honorar ein Horrornar! Schlimmer sind da nur noch Christliche Knetmännchen wie Christian W. und Konsorten...

31.12.2012
15:43
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von horo | #178

speldorferin | #158
du hast es genau erkannt.
steinbrück hat recht ,wenn ich mir so einige manager anschaue, was die für ein geld bekommen,es ist doch unmöglich.
erinnere mich mit wut im bauch an unseren esser, mannesmann vorstand ,mannesmann kaputt gemacht und 60millionen abfindung dafür bekommen.
ja sicher, die sogenannten christlichen mit ihrem anhängsel ,wie heisst die partei noch ,ach ja fdp == mövenpick, die regen sich jetzt über die aussage vom steinbrück auf, werfen ihn habgier vor und er würde doch genug geld neben bei machen, vergessen aber, das ihre christlichen jünger(rinnen) auch geld neben bei machen.
neid und habgier ist der welten untergang.


31.12.2012
12:25
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von Alter-Mann | #177

Steinbrück, Steinmeier, Schröder, Eichel und gewünschte Euro-Griechenland-Gutachten, ….
- Totengräber der SPD und U-Boote der CDU-CSU-FDP.
Es funktioniert – wenn es auch über 30 Jahre gedauert hat.
Bellen die Hundten - Leyen die Löhne nach unten,
Sauerlanden, Wulfen, Priestern und Gaucken die Priester-Töchterchen
in strahlenden Assen,
Steigende Preise, sinkende Löhne,… das Leuchten der Reichen,….
wozu dann noch die SPD?
Hartzen V kann auch jetzt das Priester-Töchterchen alleine.

31.12.2012
10:22
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von zizero | #176

zum Kommentar von PressefreiheitistVerantwortung # 44 :

Erklären Sie mir doch bitte nun einmal, welche VERANTWORTUNG Politiker zu ihren Tätigkeiten persönlich tragen müssen??

Frohes und gesundes neues Jahr!

30.12.2012
19:15
Recht hat er, der Steinbrück, und alle Niedriglöhner verdienen ebenfalls zu wenig
von WhatDoesItAllMean | #175

Laßt Steinbrück endlich an die Macht. Seine Einsichten wird er leicht auch auf andere Bereiche übertragen können, weil sie leicht zu übertragen sind:

Alle Niedriglöhner verdienen ebenfalls zu wenig, gemessen an den Einkommenssteigerungen der Bosse. Das liegt noch sehr viel offener auf der Hand.

Jedes Thema hat seine Zeit. Steinbrück wäre gut beraten, die Gunst der Stunde zu nutzen, um jetzt das Auseinandergehen der sozialen Schere zu seinem Wahlkampfthema zu machen. Damit wäre er wieder obenauf und das Kanzleramt ihm sicher. Und richtig wäre es obendrein.

30.12.2012
19:04
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von Pitti12 | #174

Das der Mann den Hals nicht voll bekommen kann, ist inzwischen bekannt. Ich hoffe nur inständig, dass dieser Mensch niemals Bundeskanzler wird. Auch wenn die Alternative genau so grauselig ist. Man kann sich für die SPD nur schämen. Schröder, Münte, Clement und Co haben ganze Arbeit geleistet und die alten Werte der SPD zertreten. Die Raffgier kennt keine Grenzen. Von mir aus kann diese Partei an der 5% Hürde scheitern. Das würde die Genossen vielleicht mal zur Besinnung rufen.

30.12.2012
18:33
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von Satzball56 | #173

Angesichts sinkender Reallöhne bei gleichzeitig steigenden Lebenserhaltungskosten und vor dem Hintergrund unserer gewaltigen Staatsverschuldung sind 200000 € Jahresgehalt plus Dienstwagen, freier Flüge und Bahnfahrten, sowie der Befreiung von Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträgen mehr als angemessen.
Wenn diese Summen nicht ausreichen, sollte Herr Steinbrück mal seinen Lebensstil hinterfragen und bedenken, dass ihn niemand zwingt, Bundeskanzler der BRD zu werden!!
Ob er mit solchen Forderungen überhaupt das Bundeskanzleramt erreicht, wird sich zeigen!!

30.12.2012
15:24
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von werneralberts | #172

Ein Bundeskanzler bezieht kein Honorar. Sollten Journalisten eigentlich wissen.

30.12.2012
15:05
Steinbrück bemängelt zu geringes Bundeskanzler-Honorar
von akaz | #171

Mit nur etwas bösem Willen kann man daraus schließen, dass Steinbrück auch für eine Aufstockung sein könnte. Dies ist aber aus dem Interview nicht zu entnehmen.
Aber es stimmt, auf dieses dünne Eis hätte er sich nie begeben dürfen. Neiddebatten können auch nach hinten losgehen.
Wie hieß es zu Beginn der Kandidatur? Merkel braucht sich nicht anzustrengen, Steinbrück erledigt sich selbst.
focus online bringt es auf den Punkt: Peer Steinbrück quasselt sich selbst ins Abseits.
Auch den Überschriften der anderen überregionalen Zeitungen kann man nur zustimmen. Steinbrück fehlt etwas von Dieter Nuhr, damit müssen wir leben.

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