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Städte verdienen an Spielsucht

06.01.2009 | 01:08 Uhr

Unna/Herford. Die Deutschen "verdaddeln" immer mehr Geld an Spielautomaten. Psychologen und Suchtberater sprechen von einer "verheerenden Wirkung" der neuen Spieleverordnung. Pikant dabei: Zu den Gewinnern in diesem Spiel gehören die Kommunen.

Zum Beispiel Dortmund. Dort verzockten Bürger vor zwei Jahren an privat aufgestellten Automaten noch 25,5 Millionen Euro. 2008 waren es schon 37,2 Millionen Euro. Die Zahl der Geräte in Spielhallen stieg dort von 1200 auf 1700. Und statt 317 kommen heute statistisch 247 Einwohner auf einen Automaten.

Die Landesfachstelle für Glücksspielsucht in Herford spricht von bundesweit zwölf Prozent mehr Umsatz für die Automatenbranche. "Die neue Spieleverordnung hat nicht nur das Aufstellen zusätzlicher Geräte ermöglicht. Die Spielzeit ist mit heute fünf Sekunden auch viel kürzer geworden", sagt Ilona Füchtenschnieder zur WR.

Je mehr die Bürger zocken, desto mehr Geld fließt als Vergnügungssteuer in die städtischen Kassen. In Hagen stiegen diese Steuereinnahmen von 981 000 Euro (2007) auf voraussichtlich 1,26 Millionen Euro (2008). Hannover freut sich über ein Plus von 700 000 Euro, Dortmund gar über geschätzte 2,1 Millionen Euro (2006 bis 2008). Das Geld fließt in die allgemeinen Haushalte. "In NRW leistet sich nur Bielefeld eine aus Vergnügungssteuer finanzierte Beratungsstelle für Spielsüchtige", so Füchtenschnieder. Die Landesfachstelle bedauert, dass der Staat zwar mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag Sucht bekämpfen wolle, aber ausgerechnet das Spiel mit dem höchsten Suchtpotenzial, das Automatenspiel, außen vor lasse. Ähnlich äußer sich der Arbeitskreis gegen Spielsucht Unna. In Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gebe es einen Automatenboom. "In Bayern stieg die Zahl in acht Jahren um 112 Prozent", so Jürgen Trümper (Arbeitskreis).

Von Matthias Korfmann

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