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Energiewende

Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage

28.12.2012 | 16:31 Uhr
Umweltminister Johannes Remmel sieht NRW als Heimat der erneuerbaren Energien.Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool

Düsseldorf.   NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) spricht im Interview über seine Idee einer „Energie-Anleihe“ und Anlagen für Sonnenstrom auf dem Autobahn-Grünstreifen. Das Landesumweltamt sehe dort fast 60 Prozent des Freiflächenpotenzials in NRW. Das sei "gewaltig", sagt der Grünen-Politiker.

Bei Amtsantritt als NRW-Umweltminister wurde Johannes Remmel (Grüne) noch als ideologisch verbrämter „Klima-Taliban“ beschimpft. In Zeiten der Energiewende sind viele seiner Thesen salonfähig geworden. Ein Gespräch über Umwälzungen, die NRW 2013 zu erwarten hat.

Herr Minister, für die Energiewende müssen in NRW Milliarden bewegt werden. Wer soll diese Investitionen stemmen?

Johannes Remmel: Die Energiewende ist eine ähnlich gewaltige Gestaltungsaufgabe wie der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg oder die deutsche Einheit. Wir brauchen deshalb nicht nur einen Masterplan, der den rechtlichen Rahmen schafft. Wir müssen uns auch die Frage stellen, wie wir den enormen Investitionsbedarf für die Umsetzung der Energiewende stemmen können. Und hier plädiere ich dafür, dass wir auch besondere Finanzierungsinstrumente nutzen, um den Auf- und Ausbau von erneuerbaren Energien, Stromnetzen, Fernwärme-Leitungen und Backup-Kraftwerken mit Gas- oder Pumpspeicher-Technik möglich zu machen. Ich denke da entweder an eine Art direkte Bürgerbeteiligung an konkreten Projekten, wie etwa Windenergie, oder eine Art „Energie-Anleihe“ des Staates. Gerade mit Blick auf die niedrigeren Zinsen auf dem Kapitalmarkt könnte die Energiewende somit zu einer attraktiven Geldanlage für Bürger, Banken und Versicherungen werden.

An welche Garantien denken Sie?

Remmel: Bei Investitionen in den Netzausbau oder in moderne Pumpspeicher-Kraftwerke geht es um gewaltige Summen. Allein die Planungskosten können 50 bis 100 Millionen Euro betragen, ohne dass die Umsetzung eines Projektes garantiert ist. Eine zeitlich begrenzte staatliche Hilfe oder eine öffentliche Beteiligung, direkt oder indirekt, könnte hier die Investitionsbereitschaft erhöhen.

Kann das Kohle-Land NRW Heimat der erneuerbaren Energien werden?

Remmel: Ist es schon. Heute arbeiten mehr als 26 000 Menschen in diesem Bereich – Tendenz steigend. Und ich sehe in NRW selbst noch großes Potenzial, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Wir haben gerade erst die so genannte Poten­zialstudie Wind vorgestellt, die besagt, dass wir allein durch Windenergie in NRW bis zu 71 Terawattstunden Strom pro Jahr produzieren könnten – mehr als doppelt so viel, wie alle privaten Haushalte im Land verbrauchen. Als nächstes folgt nun die Studie „Solar“ und hier deuten ersten Zwischenergebnisse ebenfalls auf ein großes Potenzial hin: Denn unser Landesumweltamt hat ermittelt, dass in NRW nur drei Prozent des möglichen theoretischen Potenzials in der Photovoltaik und Solarthermie genutzt werden. Gut 97 Prozent liegt also brach.

Energiewende
Duin warnt vor Energiewende zu Lasten von NRW

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) beklagt die Ungleichbehandlung zwischen den Bundesländern bei der Förderung von Ökostrom. Er fordert regionalisierte Preise – und möchte die Akzeptanz von Windparks erhöhen, indem er Bürger mehr an den Anlagen beteiligt.

RWE warnt davor, alle Dächer mit Anlagen zuzupflastern, die bald technisch überholt sein könnten.

Remmel: Diese Einschätzung ist falsch. Das werden wir mit der Solarstudie widerlegen. Wir haben enormes theoretisches Potenzial für die nächsten Generationen von Solarmodulen. Allein an den Randstreifen von Autobahnen und entlang unserer Schienenwege gibt es noch jede Menge Chancen für die Solarnutzung. Das Landesumweltamt sieht hier fast 60 Prozent des Freiflächenpotenzials in NRW. Das ist gewaltig.

Wie lange muss Öko-Strom noch subventioniert werden?

Remmel: Der Trend wird Richtung Eigenstromversorgung gehen. Wer heute eine Solaranlage auf sein Hausdach schraubt, bekommt eine garantierte Gutschrift für die Einspeisung seines Sonnenstroms ins Netz von rund 19 Cent pro Kilowattstunde. Die Kilowattstunde beim Energieversorger kostet für den Endverbraucher jedoch etwa 27 Cent. Wenn man Anschaffungskosten für eine Solaranlage von etwa 12 Cent pro Kilowattstunde zugrunde legt, ist leicht zu errechnen, dass sich die Eigenstromversorgung für Bürger und mittelständische Unternehmen bezahlt machen würde oder für Wohnungsgenossenschaften.

Diese Minister regieren NRW - Das...

 

Öko-Energien verdrängen Kohlekraftwerke, die wir an Wind- und sonnenarmen Tagen brauchen. Droht ein Versorgungsengpass?

Remmel: Jeder weiß, dass wir auch künftig einen Energiemarkt für schwierige Zeiten brauchen, etwa für die wenigen wind- und sonnenarmen, aber kalten Wochen im Januar und Februar. Ich wünsche mir, dass dieser Reservemarkt ausgeschrieben wird und sich Unternehmen um die Bereitstellung solcher Kapazitäten bewerben können. Kraftwerke, die mit Steinkohle und Gas nur Strom erzeugen und keine Wärme produzieren, werden aber auf Dauer nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können. Bei Braunkohlekraftwerken hingegen sorgt der derzeit unschlagbar günstige Rohstoff dafür, dass sie sich noch eine Zeit lang rechnen können – allerdings zu einem umweltpolitisch hohen Preis.

Tobias Blasius



Kommentare
31.12.2012
14:14
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von Der.Luedenscheider | #11

71 Terrawattstunden? Ist ja toll, jetzt müsste "nur noch" die Stromgrundlast sichergestellt sein. Von den Laufzeiten von Windkrafträdern, Stromeffizienz der Windkraftanlagen mal abgesehen. Auch in wie weit die Produktion dieser Anlagen die Umwelt belastet, wäre mal interessant zu wissen. Oder besser nicht?

Ansonsten nehmen wir Solarpanels, die mit hochgiftigen Metallen hergestellt werden und bei Defekt auf den Sondermüll müssen.

Aber ist ja gut für die Umwelt. Ach ne, ist ja auch falsch, das ist ja eine gute Kaputalanlage für Investoren. Die tatsächliche Umweltverträglichkeit, wen interessiert das schon?

1 Antwort
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von Der.Luedenscheider | #11-1

Kapitalanlage natürlich...

30.12.2012
17:22
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von buerger99 | #10

Wann merken die Leute endlich mal das diese Grünen Öko Phrasendrescher von tuten und blasen keine Ahnung haben.
Wer bitte schön möchte denn die Solarpannel auf der Autobahn reinigen die durch aufgewirbelte Gicht /Schmutz ratz fatz verschmutzt sind ? Was kostet es da einen Waschwagen langfahren zu lassen.
Und Bahntrassen liegen meißt NICHT neben Straßen. Somit muss bei Wartung und Reinigung jedes mal die Bahntrasse gesperrt werden. Und wenn ein Zug anfährt, reicht das bischen Ökostrom gerade mal für die Zugbeleuchtung.

Wie lange sind/waren die GRÜNEN nun an der Macht in Bund und Land ? Rausgekommen ist ein Ökofanatismus der den Bürger jährlich über 10 Mrd.€ kostet.
73% der EEG Umlage landet in der Photovolteik für 3,7% des Stroms der von allen EEG Einspeisern produziert wird !

30.12.2012
08:31
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von ulrics | #9

Solarzellen an Schienen ist eine gute Idee, besonders, wenn der Strom direkt in die Züge eingespeist wird. Wenn das Ganze mit Wettervorhersage und Ersatzkraftwerken und zukünftige der richtigen Speichertechnologie richtig kombiniert wird, würde dies eine Menge bewirken.

29.12.2012
21:59
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von Karlot | #8

Wir sind umzingelt von Ideologen:
Grüne mit ihrer Ökomacke, FDP, CDU/CSU und in Teilen die SPD mit ihrer Verbetriebswirtschaftlichungs-Macke.

1 Antwort
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von albertus28 | #8-1

Ich korrigiere Sie nur ungern,aber Sie haben sich in Satz 1 Ihres Beitrages wirklich verschrieben ;
richtig muß/sollte es doch heißen "Wir sind umzingelt von Idioten(sic!).
In diesem Sinne Gutes Neues Jahr

29.12.2012
21:57
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von Karlot | #7

Solaranlagen sind schlecht für die Umwelt.

Die Fehlförderung der Photovoltaik geht auf Kosten der Umwelt, weil sie
nur wenig Strom erzeugt und auch nur wenig Kohlendioxid einspart. (Vorausgesetzt, man glaubt den CO2 Quatsch)

Solarmodule haben einen Wirkunggrad von nur 25 Prozent und verschlingen bei der Produktion so viel Energiem dass es Jahre dauert, bis sie m Saldo mehr Strom erzeugen, als sie energetisch gekostet haben.

Und wohin mit den Solarplatten, wenn sie kaputt und verbraucht sind. Sie sind gefährlicher Sondermüll: giftiges Blei, gesundheitsschädliches Kadmium.

Ausgerechnet die ineffizienteste Technologie
wird mit den meisten Subventionen gepäppelt

Eine dreiköpfige Durchschnittsfamilie kosten die in der Stromrechnung
versteckten Fördermittel für die Erneuerbaren jetzt 200 Euro im Jahr,

29.12.2012
17:14
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage,
von Optio | #6

.........sagt der von der Solarlobby getriebene Minister Remmel.

Herr Remmel wir wollen keine attraktive Geldanlage sondern eine sichere Stromversorgung.
Unser Geld verdienen wir mit Produkten, die keine Spielzeuge zur Stromerzeugung dulden.

29.12.2012
14:06
... attraktive Geldanlage für Großanleger? Und der kleine Kunde zahlt?
von Gegen-Verbote | #5

Attraktive Geldanlage heißt doch nichts anderes als der Kunde zahlt und die Großanleger machen die Gewinne?

Wollen SPD und Grüne nun auch noch die Großanleger fördern?

Und der kleine Kunden zahlen alles?

Ich bleib dabei SPD und Grün sind für mich nicht wählbar.

29.12.2012
11:19
Die „nachrichtenarme Zeit zwischen den Jahren“ ist gekommen!
von TreuerLeser | #4

Da ist nun also nach Frau Kraft und Herrn Duin auch das „Jahresabschluß“-Interview mit Minister Remmel.

Kernbotschaft:

Grüninnen und Grüne wollen Investoren reich machen. Dieses Mal allerdings jene, die „korrekt investieren“ - also entlang der Autobahnen und natürlich entlang des Grünen-Klientels.

DERWESTEN hat eine Frage, die mir sehr am Herzen liegt, aber vergessen. Im Koalitionsvertrag (III./Seite 38) heißt es:

„In einem ersten Schritt wird in jedem Regierungsbezirk modellhaft mindestens eine neue Referenz-Wasserkraftanlage mit modernster Technologie errichtet.“

Man hätte fragen sollen, wie hier der Status ist. Fünf Wasserkraftanlagen mit Bürgerbeteiligung sind m. E. ehrgeizig. Da hätte man eigentlich schon begonnen haben müssen.

Und noch eine Bitte. Am Silvestertag folgt sicher das Interview mit Herrn Minister Groschek:

Fragen Sie ihn doch unbedingt, wie es um die „Fahrrad-Autobahnen“ steht und in welchen Stadtteilen er die „Abrissbirne“ schon eingesetzt hat.

1 Antwort
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von xxyz | #4-1

Ich warte schon auf das Interview mit dem PR-Minister.
Da gibt es bestimmt viel über Raser-Marathon etc. zu berichten.

Ob es auch Fragen zur Krimnalitätsentwicklung und zu den niedrigen Aufklärungsraten gibt? In Bonn ist auch ein Handeln gefragt.

29.12.2012
11:10
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von KaterVinc | #3

Immerhin wird schon aus der Überschrift deutlich, für wessen Interessen der Minister und seine Partei steht !

1 Antwort
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von niedrigniveauindikator | #3-1

Und wetten das Volk wählt diese wieder?

29.12.2012
10:46
Remmel sieht Energiewende als attraktive Geldanlage
von xxyz | #2

@1: Herr Remmel lebt in der grünen Welt und denkt an den grünen Wähler. Der verdient durchschnittlich mehr als der FDP wähler und ist besonders oft im öffentlichen Dienst oder bei Organisationen beschäftigt, d.h. er kennt im Regel keine Wirtschafts-Zyklen und keine Existenzängste. Diese Gruppe muss natürlich gefördert werden.

Solarstrom rechnet sich/wird sich rechnen, wenn die Preise sinken. Das war lange Zeit nicht der Fall, weil ja die Subventionen zu einer Super-Wirtschaftlage führte. Ich bin erstaunt, wie viele Solarfirmen bspw. die Bundesliga unterstützen.

Die Idee mit den Autobahnen finde ich unausgereift. Man wollte schon so viele Sachen auf den großen Trassen machen (Leitungen etc).

Interessant ist, wie die Grünen denn auf Windanlagen in Wäldern etc. reagieren.

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