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Politik

Politische Krise in Belgien

24.08.2007 | 03:55 Uhr

Brüssel. Bei der Parlamentswahl am 10. Juni trat Yves Leterme (46) als strahlender Sieger vor die Kameras. Keine drei Monate später legt sich ein tiefer Schatten über den flämischen Christdemokraten.

Sein Traum, nächster belgischer Premier zu werden, ist vorerst geplatzt. Aus Verbitterung über die ergebnislosen Koalitionsverhandlungen mit den wallonischen Christdemokraten und Liberalen warf Leterme am Donnerstagabend entnervt das Handtuch. Weil sich die Krise im Laufe der Woche dramatisch zugespitzt hatte, musste Staatsoberhaupt König Albert II. seinen Urlaub abrupt abbrechen. Letermes Rücktritt vom Amt des "Formateurs" ("Regierungsbildner") vorausgegangen war ein neunstündiger Verhandlungsmarathon. "Mir ist klar geworden, dass ich mein ehrgeiziges Regierungsprogramm nicht verwirklichen kann", begründete Leterme seinen Rückzieher.

Am heftigsten umstritten ist die Staatsreform, mit der Leterme die Eigenständigkeit der Landesteile Flandern und Wallonien gegenüber dem Zentralstaat stärken will. Aber die Wallonen sehen darin nur den unlauteren Versuch der wohlhabenden Flamen, den wirtschaftlich schwächeren Süden im Stich zu lassen.

Vor allem die frankophone Presse in Belgien schüttete kübelweise Häme über Leterme aus. Das Blatt "La Derniere Heure" nennt ihn einen "Mann ohne Ausstrahlung, ohne Kreativität, ohne Charisma". Und wer die belgische Nationalhymne mit der französischen verwechsele, habe nichts an der Spitze der Regierung zu suchen.

Von Gerd Niewerth

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