NRW-CDU startet Plakataktion gegen SPD-Schulpolitik
16.03.2010 | 19:15 Uhr 2010-03-16T19:15:00+0100
Dortmund.,Diese Schule wird geschlossen, wenn Rot-Rot regiert’, ist auf CDU-Plakaten zu lesen: Der Wahlkampf in NRW kommt in Gang. Ein umkämpftes Thema ist die Schulpolitik. Die SPD setzt auf Gemeinschaftsschule, die CDU will diese „Einheitsschule“ nicht und geht mit provokanten Plakaten auf Stimmenfang.
Die SPD setzt auf eine Gemeinschaftsschule. Hier sollen Kinder nach der Grundschule bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden, ab der 7. Klasse soll der Unterricht nach Leistung differenziert werden. Die CDU wiederum will das gegliederte Schulsystem erhalten. In ihren Augen bedeutet das SPD-Vorhaben „Einheitsschule“. Um diese Einschätzung zu verbreiten, setzt die CDU auf eine Plakataktion. Kreis-, Stadt- und Gemeindeverbände wurden dazu mit Plakaten und Postkarten versorgt. ,Diese Schule wird geschlossen, wenn Rot-Rot regiert’ ist darauf zu lesen.
Behauptungen seien sachlich falsch
Die SPD ist empört. „Die CDU steht mit ihrer Bildungspolitik völlig isoliert da. Ihre hilflose Kampagne soll vor allem von den eigenen gravierenden Versäumnissen und Fehlern in der Schulpolitik ablenken“, so Michael Groschek, Generalsekretär der NRW-SPD, zur WR. Er verteidigt die Gemeinschaftsschule: „Wir wollen längeres gemeinsames Lernen und kleinere Klassen.“ Auch sein Sprecher Dirk Borhart schimpft: „Die Behauptungen sind sachlich falsch. Eine Panikreaktion der CDU.“
Die CDU möchte mit den Plakaten „im Umfeld von Schulen“ auf Stimmenfang gehen. „Damit machen wir deutlich, dass Gymnasien, Real- und Hauptschulen geschlossen werden, wenn Rot-Rot regiert“, so Andreas Krautscheid, Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU. Krautscheid betont, „die Einheitsschule bedeutet das Aus für mindestens 1860 Gymnasien, Real- und Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen. Über eine Million Schülerinnen und Schüler wären von den Schulschließungen betroffen“, sagte er bei der Vorstellung der Kampagne.
Zehn Jahre Chaos
Die SPD schießt dagegen: „Anstatt endlich tragfähige Konzepte zur Weiterentwicklung des Schulsystems zu präsentieren, beschränkt sich die CDU darauf, mit haltlosen Unterstellungen die Bürgerinnen und Bürger zu verunsichern“, so Groschek. Die CDU sei die einzige Partei, die am dreigliedrigen Schulsystem festhalten wolle.
Für die CDU bedeutet das SPD-Vorhaben, „dass alles umgekrempelt werden müsste“. Krautscheid ist sich sicher: „Allein die organisatorische Umstellung würde eine ganze Schülergeneration in Anspruch nehmen.“ Das würde nach Ansicht der Christdemokraten „zehn Jahre Chaos an den Schulen“ bedeuten. Der SPD-Generalsekretär entgegnet: „Angstmache ist kein Ersatz für eine sinnvolle Reform des Schulsystems. Das haben Schüler, Lehrer und Eltern nicht verdient.“

10:47
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
10:06
Immerhin hat es die SPD doch schon mal mit der Gesamtschule versucht, die man durch die sachfremde Verquickung mit dem Thema Ganztagsbetreuung besonders attraktiv machen wollte. Von einem Erfolg kann man wahrlich nicht sprechen. Daß die Genossen schon wieder das Gymnasium als vermeintlichen Hort von zu bekämpfender Elitenbildung erkennen, das ist armseelig! Das ist wieder mal ein gutes Beispiel für Ideologie in der Politik und die Folgen.
Und eines sei noch bemerkt: Das übelste Konstrukt sozialdemokratischer Bildungsexperimente war die Gesamthochschule, die Unis und Fachhochschulen zusammengefasst hat. Sang- und klanglos sind die wegen erwiesener Erfolglosigkeit nach und nach alle zu Unis geworden. Merkt ihr was, ihr Meckerer, Klassenkämpfer und Gesellschaftsreformer? Ich erkenne da jedenfalls ein Muster....
08:33
@11
Also wieder Kruzifixe in den Klassenräumen??
--------
Und mit solchen Aktionen, bei denen nur auf die vermeintlichen Schwächen des Gegners hingewiesen wird, offenbart man nur, dass es an eigenen Ideen mangelt.
10:39
Wenn es je einer Bestätigung bedurft hätte, die Reaktionen allein auf meine Beiträge zeigen deutlich in welcher „Atmosphäre“ wir uns – nicht nur im Schulsystem – befinden.
In unserem Staat sind zu häufig hochmütige Besserwisser am Werk, mißgünstig, neidisch und von übler Oberlehrerhaftigkeit. Undifferenziert und mit an den Harren herbeigezogenen Argumenten werden Erfolge anderer Staaten, Institutionen und Menschen und kleingeredet. Ein „Bürokratentum“ im übelsten Sinne.
Besonders ausgeprägt scheint dies im Bildungsbereich sein. Es geht diesen Leuten offenbar nicht um optimale Schule, die Kinder- und Jugendgerecht gestaltet wird, sondern um Erhalt der bestehenden „Ordnung“, inklusive – und vorrangig - der eigenen Karriere. Wissenschaftliche Aufgeschlossenheit? Fehl am Platze! Kindeswohl – trotz entsprechender „Sonntagsreden“ - gilt nicht für alle Kinder.
Wie schon in meinem ersten Beitrag festegestellt: Klassenkampf von „oben“.
18:27
@ DenkSchlächter
Die Zeit, in der Sie zur Schule gegangen sind, gibt es nicht mehr. Sie ist untergegangen. So unrichtig es gewesen sein mag, dass Ihre Mutter hätte Schulgeld zahlen müssen, Ihnen wird nicht entgangen sein, dass es so etwas seit Jahrzehnten nicht mehr gibt.
Spätentwickler, die durch Siebe fallen mag es in edem System geben. Es ist keineswegs ausgemacht, dass diesen Spätentwicklern mit einer Einheitsschule gedient ist. Nur in Zeiten, in denen weit über 50% eines Geburtsjahrgang in Deutschland eine Hochschulreife erwerben und davon fast die Hälfte über einen anderen Weg als über das gymnasiale Abitur, relativiert sich dieses Argument ziemlich.
Und zu Skandinavien: Norwegen erzeugt seinen Wohlstand aus der (endlichen) Ölförderung - nicht viel besser als in Dubai oder Bahrein. Finnland ist ein Land voller Zwergschulen, 40% aller Schulen haben weniger als 50 Kinder. Konzept ? Nö, das Land ist in weiten Teilen so dünn besiedelt, dass es gar nicht anders geht. Schweden ist seit Jahren dabei, seine Industrie zu zerlegen etc. etc.
Alles keine Beispiele, die auf uns übertragbar wären oder als Vorbild gelten könnten.
Da müssen wir uns schon selber etwas überlegen.
15:21
Der hier so häufig verwendete Ausdruck „Einheitsschule“ wurde nach meinem Eindruck entweder von Unwissenden oder von polemisierenden Volksverdummern gezielt verwendet.
Ansonsten: man kann zu allen möglichen Themen unterschiedlicher Meinung sein.
Zu unterstellen, daß jemand zielgerichtet auf Verschlechterung ( in diesem Fall die Bildung ) hin arbeitet, ist entweder hirnrissig, demagogisch oder beides. Zugleich hält man sich selbstverständlich für die gebildeten, besseren Menschen.
Für Letztere bleibt mir nur der Hinweis auf meinen Beitrag #44 von DenkSchlächter
14:56
[bezog sich auf entfernten Kommentar]
13:30
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
13:23
@ 78
In den ersten 6 Jahren sollen also die leistungsstarken und -schwachen in der Einheitsschule zusammen gepfercht werden und dann in der 7. Klasse auf dem Niveau des 3. Schuljahres weiter unterrichtet werden, weil man die ganze Zeit mit Rücksicht auf die Schwachen nicht voran gekommen ist? Auf diese Weise werden Sie niemals eine Studierfähigkeit erreichen, jedenfalls nicht auf dem jetzigen Niveau.
Ich glaube eher, dass den Linken vorschwebt, auf diese Weise leistungsschwache Generationen heran züchten zu wollen, was in ihre verbohrte Ideologie der 70er Jahre passt, als man schon einmal flächendeckende Gesamtschulen einführen wollte, aber am Willen des Volkes gescheitert ist.
13:05
Zur Polemik einiger Schulkonservativer:
Dass Schüler, die des Deutschen nicht mächtig sind, im Fach Deutsch eines speziellen Unterrichts bedürfen und dort nicht mit Höchstleistern zusammen unterrichtet werden können, bestreitet niemand. Doch wenn sie deshalb auf eine Restschule abgeschoben werden - wie bislang - ist weder den Kindern noch der Gesellschaft als ganzer gedient. Leistungsfähigkeit von Schülern kann nicht allein an der Sprachkompetenz gemessen werden. Wäre es so, dann gehörte auch ein erklecklicher Anteil der Eingeborenen dieses Landes, die die Realschule oder das Gymnasium besuchen, dort nicht hin.
Das Gymnasium ist am Ende. Die Studierfähigkeit kann es längst nicht mehr gewährleisten.
Die Schüler sollen bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden, ab der 7. Klasse soll der Unterricht nach Leistung differenziert werden.
Die Frage danach, wie dann ein qualifizierter Unterricht stattfinden soll, ist damit beantwortet.
Schule hat eine weit größere Integrations- oder Desintegrationsfunktion für die Gesellschaft als hier in einigen Postings behauptet. Denn dass gemeinsamer Unterricht an einer Schule, fachlich nach Leistung differenzert, gesellschaftlich wesentlich integrativer wirkt als die hier übliche Ghettoisierung in Hauptschulen, ist am Beispiel von Ländern zu sehen, wo dies so gehandhabt wird.