Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Führungsstreit

Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden

23.05.2012 | 09:44 Uhr
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
Bislang Linken-Spitzenkandidatin in NRW, vielleicht bald Parteichefin im Bund: Katharina Schwabedissen. Foto: dapd

Berlin.   Bei der NRW-Wahl hatte sie wenig Erfolg, doch jetzt könnte sie sogar an die Parteispitze der Linken aufsteigen. Katharina Schwabedissen hat gute Chancen, denn einige führende Linkenpolitiker sprechen sich seit dem Rückzug Oskar Lafontaines für eine weibliche Doppelspitze aus.

In der Linkspartei geht der Führungsstreit auch nach dem Verzicht von Oskar Lafontaine auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz weiter. Der Fraktionschef im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, legte am Mittwoch auch Lafontaines Konkurrenten Dietmar Bartsch einen Verzicht nahe. Es dürften weder Sieger noch Besiegte zurückbleiben, sagte Ramelow der „Berliner Zeitung“. Es könne auch einen dritten Weg jenseits von Bartsch, der derzeit Fraktionsvize im Bundestag ist, geben. Denkbar sei eine weibliche Doppelspitze, bei der sich „die Frage stellt, ob ein versierter Bundesgeschäftsführer mit dem Profil eines Dietmar Bartsch dabei gewollt ist“. Diesen Posten hatte Bartsch bereits früher inne.

Die Linken-Parteivize Katja Kipping und die gescheiterte Spitzenkandidatin bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl, Katharina Schwabedissen, wollen gemeinsam für den Vorsitz der Bundespartei kandidieren. Das erklärte Kipping am Mittwoch auf ihrer Homepage. Unter dem Titel "Weil das Wünschen nicht geholfen hat" heißt es dort: "Wir werben für eine weibliche Doppelspitze mit Katja Kipping und Katharina Schwabedissen und treten als Team an, von dem wir hoffen, das es noch größer und bunter wird, um gemeinsam einen neuen Aufbruch der Linken zu wagen." Unterzeichnet wurde die Erklärung unter anderen auch von Bundesgeschäftsführerin Caren Lay.

Kipping und Schwabedissen wollten am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hannover über ihre Entscheidung informieren. Auch mehrere Linken-Politiker wollen am Mittag auf einer Pressekonferenz in Hannover eine weibliche Doppelspitze vorschlagen.

„Sahra Wagenknecht ist die stärkste Frau, die wir haben“

Der stellvertretende Linke-Vorsitzende, Heinz Bierbaum, hat sich für eine „zentrale Rolle von Sahra Wagenknecht in der künftigen Parteiführung“ ausgesprochen, falls es zu einer weiblichen Doppelspitze kommen sollte. Bierbaum sagte der „Saarbrücker Zeitung“: „Sahra Wagenknecht ist die stärkste Frau, die wir haben.“ Das sei seine „persönliche Meinung“.

Die Linkevize, die als führende Vertreterin der Parteilinken gilt, wäre im Falle einer Kandidatur die vierte weibliche Bewerberin nach Sabine Zimmermann, Katja Kipping und Katharina Schwabedissen. Bisher hat die Lebensgefährtin von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine lediglich abgelehnt, gemeinsam mit dem Lafontaine-Widersacher Dietmar Bartsch als Doppelspitze zu amtieren.

Klaus Ernst bedauert Lafontaines Entscheidung

Lafontaine hatte am Dienstag einen Rückzieher gemacht. Er habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass seine Bereitschaft zur Übernahme von Parteivorsitz und Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Konflikte geführt habe, sondern zur weiteren Eskalation beigetragen habe. „Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nur ein passender Neuanfang jenseits der bisherigen Konfrontationslinien die derzeitige festgefahrene Situation überwinden kann“, erklärte Lafontaine. Parteichef Klaus Ernst bedauerte Lafontaines Entscheidung, Fraktionschef Gregor Gysi zeigte dafür Verständnis.

Bis zu Lafontaines überraschender Ankündigung seiner Kandidatur vor gut einer Woche war der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Bartsch einziger offizieller Bewerber um den Posten des Parteichefs gewesen. Lafontaine hatte seine Bewerbung an die Bedingung geknüpft, dass die Mehrheit der Partei ihn haben wolle und dass die Führung loyal zusammenarbeite. Eine Kampfkandidatur hatte der 68-Jährige ausgeschlossen und eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2013 von der Übernahme des Parteivorsitzes abhängig gemacht. (rtr/dapd)



Kommentare
23.05.2012
15:52
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von dummmberger | #8

Das ist in der Tat eine merkwürdige Form der Gleichberechtigung.
Ein Mann, eine Frau, ein Wessi, ein Ossi, ok.
Aber so?

Ich glaube nicht, dass sich die Partei damit einen Gefallen täte.

Wobei es ja durchaus schon erfolgreiche Frauen-Duos gegeben hat: Kraft/Lührmann, die Kessler-Zwillinge, Hanni und Nanni, Merkel/Westerwelle........

23.05.2012
15:41
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von 1980yann | #7

Der gesamte Streit um die Parteiführung ist deshalb so eskaliert, weil zwei profilierte Männer sich beworben haben, aber die Satzung (inzwischen) verbietet, dass zwei Männer Vorsitzende werden.
Jetzt hat einer der Männer hingeschmissen und schon entdeckt man, dass die Satzung ja zwei Frauen als Doppelspitze durchaus zulässt!
Gleichberechtigung wird dann verlogen, wenn sie nur asymmetrisch funktioniert - mit Männerdiskriminierung hat nämlich keiner ein Problem.
http://www.die-linke.de/partei/dokumente/bundessatzungderparteidielinke/2diebasisderpartei/10geschlechterdemokratie/
Wer Frauen die eine Hälfte der Macht garantiert, aber Männern einen genauso exklusiven Zugriff auf die andere Hälfte verweigert, berechtigt nicht gleich!

23.05.2012
14:48
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von MeisterRosenfeld | #6

Noch köstlicher diese Rechtsausleger, ewiggestrig im kalten Krieg verharrend und jede Gelegenheit nutzend ihren unqualifizierten Sermon abzuseiern !

3 Antworten
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von Fabia | #6-1

Köstlich auch ein Spiegel-Bericht von gestern,
"Die Linken - ein Trümmerhaufen"

Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von MeisterRosenfeld | #6-2

#6-1
Wer die gleichgeschalteten Staatsmedien von Stern über Bild bis Spiegel ernst nimmt, zeigt nur wie manipulierbar er/sie ist !

Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von 1980yann | #6-3

@6-2
Sie verhöhnen aller Opfer von Diktaturen, wenn Sie hier einen Begriff wie Gleichschaltung für die deutsche Medienlandschaft verwenden!
Linkspartei-Freunde machen das aber gerne: gestern erst wurden die anderen Parteien als Blockparteien verunglimpft. Das ist sogar noch perfider, denn dieses Unterdrückungsinstrument hat die Linkspartei vor vier Umbenennungen und einer Fusion ja noch selber eingeführt und jahrzehntelang verwendet.

23.05.2012
13:14
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von ultron | #5

Köstlich, diese Linken. Glauben die jetzt, mit einem Weiberduo mehr Wähler zu kriegen, weil Deutschland und NRW ja schon von Frauen regiert werden? Und dann noch diese Erzkommunistin Wagenknecht - zugegeben, rein optisch eine leichte Verbesserung, wenn man auf Äußerlichkeiten setzt. Aber leider nur rote Grütze im Gehirn. Und Kommunisten braucht Deutschland ebensowenig wie das andere Extrem, die Nazis.

23.05.2012
12:58
Verlierer an die Macht!
von bazonk1000 | #4

Potzblitz, die famose Idee, dass man die größten Wahlverlierer statt der Gewinner an die Spitze stellt, ist 1a von der SPD geklaut. Mal sehen, wie toll sie hier funktioniert.

23.05.2012
12:54
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von DrHinterwaeldler | #3

Ein Glück. ich dachte schon, es würde mit Oskar so eine peinliche Aktion geben, wie als die SPD Münte reanimiert hat....

Endlich gibt es einen personellen Umbruch und eine Verjüngungskur an der Spitze. Toll!

23.05.2012
12:52
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von wohlzufrieden | #2

Zukunftsweisend, und ein Vorbild für alle Möchte-Gern-Demokraten: Die Linke.

23.05.2012
11:39
Linkspartei könnte bald von zwei Frauen geführt werden
von MeisterRosenfeld | #1

Hols der Klabautermann, da kommt die Männergesellschaft der Piraten nie drauf !
Das würde von den 95% männlichen Seeräubern sofort "weggetwittert" .......

Aus dem Ressort
Urteil könnte Plan der Dortmunder Rechten durchkreuzen
Rat
Ein aktuelles Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster könnte die Absicht der beiden rechtsextremen Vertreter von NPD und "Die Rechte" im Dortmunder Rat vereiteln, als Ratsgruppe 42.540 Euro zu kassieren. Aber auch Die Linke & Piraten müssen um ihren gemeinsamen Fraktionsstatus bangen.
Rechnungshof geißelt Chaos bei Umsetzung der Energiewende
Umweltpolitik
Dass das Mammut-Projekt Energiewende nicht rund läuft, hat nach Ansicht des Bundesrechnungshofes gute Gründe: Es herrschte lange Zeit Organisations-Wirrwarr in der Regierung, heißt es in einem Prüfbericht. Und die EU droht Deutschland eine Klage an, weil zu wenig Energie eingespart wird.
Hamas gibt Tod dreier Top-Kommandeure in Gaza bekannt
Politik
Die Anführer des militärischen Arms der islamistischen Organisation sind nach deren Angaben bei Angriffen der israelischen Liftwaffe auf Gaza ums Leben gekommen. Nach dem Ende der Waffenruhe eskaliert der Krieg erneut.
Lammert mahnt Bundestagsmandat für Waffenlieferungen an
Irak
Die Bundesregierung will den Kampf der Kurden gegen die IS-Terroristen im Nordirak mit Waffen unterstützen. Aber braucht es dazu ein Bundestagsmandat? Bundestagspräsident Norbert Lammert jedenfalls wünscht sich eine Beteiligung des Parlaments. Rechtlich ist ist das aber wohl nicht nötig.
Tod von Michael Brown beschäftigt US-Geschworenenjury
Krawalle
Nur schleppend verschiebt sich der Fall Michael Brown von der Straße in die Räume der Staatsanwaltschaft. US-Justizminister Holder zeigt Gesicht. Doch ob der Todesschütze angeklagt wird, bleibt offen. In Ferguson scheint sich die Lage erst einmal etwas zu beruhigen.
Umfrage
In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?

In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?