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Korruption

Korruptionsjäger sieht Medizin-Branche korrupter als Bau-Branche

02.01.2013 | 19:09 Uhr
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Korruptionsjäger sieht Medizin-Branche korrupter als Bau-Branche
Wolfgang Wodarg kämpft gegen Korruption in der Medizin.Foto: Bundestag

Berlin.   Wolfgang Wodarg ist Mediziner und war Gesundheitsexperte für die SPD-Fraktion im Bundestag. Heute setzt er sich mit „Transparency International“ dafür ein, dass strenge Regeln für alle Mediziner gelten. Korruption in der Medizin, sagt er, sei längst stärker verbreitet als in der Baubranche.

„Transparency International“ fordert seit langem, die Bestechung von Ärzten unter Strafe zu stellen. Wir sprachen darüber mit Wolfgang Wodarg, Arzt und früherer Gesundheitsexperte der SPD-Fraktion. ­Heute sitzt er im Vorstand der ­Korruptionsjäger-Organisation.

Muss die Bestechung von Ärzten unter Strafe gestellt werden?

Wolfgang Wodarg: Mit Sicherheit. In punkto Korruption hat der Gesundheitssektor der Baubranche längst den Rang ­abgelaufen. Das sagen uns die Kriminologen. Nach unseren Hoch­rech­nungen entstehen Schäden in Milliardenhöhe. Wir haben uns nach dem Informationsfreiheitsgesetz für mehrere Jahre alle Originalunter­lagen darüber geben lassen, was die Ärzte von der Pharmaindustrie kriegen, angeblich weil sie die Wirkung von Medikamenten beobachten.

Angeblich?

Wolfgang Wodarg: Es sind oft wissenschaftlich völlig unhaltbare Dinge. Da erkennt jeder Fachmann, dass nichts ­erwartet wird. Reine Formsache. Dabei handelt es sich um Scheinaufträge, um ­Ärzten Geld zukommen zu lassen, damit sie ihren ­Patienten bestimmte Medikamente verordnen.

Die Berufsverbände kriegen das nicht in den Griff?

Wolfgang Wodarg: Die Ärzte-Kammern bekommen von solchen Fällen wenig mit. Die ­kassenärztlichen Vereinigungen ­wissen es eher. Aber sie haben keine Kontrollinstrumente. Da wird mit Messer und Gabel der ­Garten umgegraben. Und außerdem: Eine Krähe hackt ungern der anderen ein Auge aus.

Eine Befragung ergab, dass etwa 20 Prozent der Ärzte die Verbotsnormen des eigenen Standes gar nicht kannte. Wie ist das möglich?

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Wolfgang Wodarg: Die kümmern sich einfach nicht darum. Da ist eine Praxis eingerissen. Gehen Sie mal auf Kongresse. Da werden enorme Honorare für ­Vorträge bezahlt. Einer lässt sich schnell darauf ein. Der nächste sagt sich, „dann mache ich das auch“. Es gibt aber auch viele Ärzte, die sich schämen. Die sich zum Beispiel auf ­Kongressen nicht einladen lassen, sondern ihr Essen selber bezahlen.

Ist der Bundesgesundheitsminister nun in Zugzwang?

Wolfgang Wodarg: Ja. Ich fürchte aber, dass der Minister auf Zeit spielt. Jetzt kommt der Wahlkampf. Die FDP hat ihre ­Klientel. Ich sehe da schwarz.

Miguel Sanches

Kommentare
03.01.2013
10:47
Mit nem Teelöffel Zucker...
von wohlzufrieden | #3

Ärzte sind zum kurieren da. Wen die nun kurieren...?

1 Antwort
Korruptionsjäger sieht Medizin-Branche korrupter als Bau-Branche
von Nixlos | #3-1

Ärzte helfen z.B. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, frühzeitig berentet zu werden.

03.01.2013
08:11
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Korruptionsjäger sieht Medizin-Branche korrupter als Bau-Branche
von MichaelKujawka | #2-1

Gibst du mir geb ich dir.Für den Einen definiert sich so vertrauensvolle Zusammenarbeit, für den Anderen ist das Korruption.Zu glauben das Ausgerechnet die Politik sich der Korruptionsbekämpfung widmet halte ich für naiv.
Den Begriff Korruption zu definieren / abzugrenzen / sie nachzuweisen halte ich schon für ein schwieriges Unterfangen.
An den Anstand appellieren? Auch das ist schwierig, denn der geht in diesem Land rasant unter und ist nach meiner Auffassung die größte Bedrohung unserer " Demokratie".
Eine zivilisierte Gesellschaft ist eben nicht sofort auch eine kultivierte Gesellschaft.
Die würde ich mir für Europa und den Rest der Welt wünschen, denn ich mach mir Sorgen um meine Kinder und Enkelkinder.

03.01.2013
06:49
Man sollte mal Ernst machen und die formale Demokratie in der Sozialversicherung
von meigustu | #1

mit Leben füllen. Dann muss kein Patient die Krankenkasse fürchten. Sie kann dann auch als Berater tätig sein. Durch empirische Diagnostik können die wirkungslose manchmal sogar schädliche Therapien schnell aufdecken.

Privatpatienten wissen ein Lied davon zu singen, wie ein Arzt einen Menschen beschäftigen kann ohne das ein besserer Therapieerfolg erzielt wird als beim Kassenpatienten. Und das lassen sich Menschen gefallen die einen Tageslohn haben den H4ler nicht im Monat erzielen.

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