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Antisemitismus

Jakob Augstein erhält Rückendeckung in Antisemitismus-Debatte

04.01.2013 | 13:57 Uhr
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Foto: /dapd/Clemens Bilan

Berlin.  Die Debatte um den Antisemitismus-Vorwurf gegen den Journalisten Jakob Augstein hält an. Der Zentralrat der Juden verteidigte Augstein: dessen Kritik an Israel sei überspitzt aber nicht judenfeindlich. Der Publizist Henryk M. Broder hält dagegen an seiner Attacke fest.

Antisemitisch oder nicht? Im Streit um den Journalisten Jakob Augstein, hat sich nun der Zentralrat der Juden in Deutschland eingeschaltet - und verteidigt den Publizisten. "Ich habe einiges von ihm gelesen, es war nicht sehr viel. Ich hatte nie den Eindruck, dass das, was er geschrieben hat, antisemitisch ist", sagte Vizepräsident Salomon Korn. Selbst wenn man sich frage, warum Augsteins Kritik überspitzt sei und immer Israel thematisiert werde, sei es nicht richtig, Augstein als Antisemiten zu bezeichnen.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte Augstein in seiner jährlichen Liste der schlimmsten Antisemiten auf Platz neun gesetzt. Die jüdische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles berief sich in ihrer Beurteilung auch auf den Autoren Hendryk Broder (er schreibt unter anderem für "Die Welt"). Augstein sei ein "reiner Antisemit" und "ein Überzeugungstäter", wird ein Blogeintrag Broders aus dem September zitiert. Nun legte 66-Jährige nochmals nach: "Das, was Jakob Augstein betreibt, ist kein kritischer Journalismus, sondern Ausdruck seiner eigenen, ressentimentgeladenen Selbstdarstellung."

Friedman hält Entscheidung für überzogen

Auf der Rangliste der größten Antisemiten stehen neben Augstein unter anderen die ägyptischen Muslimbrüder, die iranische Regierung und die rechtsextreme ungarische Partei Jobbik. "Offensichtlich ist das Simon-Wiesenthal-Center ziemlich weit weg von der deutschen Wirklichkeit", sagte Korn weiter. Broder sei ein Polemiker: "Man kann nicht immer alles wörtlich nehmen, was er sagt und man kann auch nicht immer alles ernst nehmen, was er sagt."

Hendryk Broder wirft dem Journalisten Jakob Augstein Antisemitismus vor.

Auch aus Sicht des TV-Moderators Michel Friedman taucht Augsteins Name zu Unrecht auf der Liste auf. Zwar halte er die Israel-Kritik Augsteins "für überzogen, falsch und unverhältnismäßig polemisch", sagte der ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden. "Aber mir machen die sichtbaren Antisemiten, die braunen Mörder, die Terroristen und die hellbraunen Nazis auf Cocktailempfängen mehr Sorgen." Friedman erinnerte an das umstrittene Israel-Gedicht von Nobelpreisträger Günter Grass. Dieses sei tatsächlich als antisemitische Kritik an Israel einzustufen. "Dennoch: Weder Grass noch Augstein gehören auf so eine Liste."

Augstein hatte sich in seiner Kolumne für "Spiegel Online" mehrfach kritisch mit Israel auseinandergesetzt. Unter anderem verteidigte er das Israel-Gedicht von Grass und ging die israelische Regierung scharf an: "Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs."

Broder will nicht mehr für Radioeins arbeiten

Broder kündigte unterdessen an, nicht mehr als Kolumnist für den RBB-Hörfunksender Radioeins zur Verfügung zu stehen. Am Freitag war anstatt seines wöchentlichen Kommentars ein Interview mit dem Chef des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Uni Potsdam, Julius Schoeps, zum Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein gesendet worden. Dieses Verhalten sei illoyal und sachlich durch nichts zu rechtfertigen, schrieb Broder in der Online-Ausgabe der "Welt".

Ein RBB-Sprecher bestätigte die Darstellung Broders: "Das war seine Entscheidung". Radioeins-Programmchef Robert Skuppin bedauerte den Entschluss Broders, der seit 1999 als Kommentator für den Sender tätig war. Der Vorwurf der Illoyalität" sei aber nicht nachvollziehbar: "Das Verschieben, oder auch Ausfallen von Themen und Kommentaren aus Aktualität und die Entscheidung darüber, gehören zum normalen Redaktionsalltag." (dapd)

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