Iren stimmen EU-Fiskalpaket zu
01.06.2012 | 12:05 Uhr 2012-06-01T12:05:27+0200
Dublin. Irland sagt Ja zum mehr Haushaltsdisziplin in der EU: In einem Referendum sprach sich die Mehrheit der Iren für den Fiskalpakt aus.
Irland hat den EU-Fiskalpakt angenommen. Nach dem am Freitag bekanntgebenden offiziellen Ergebnis stimmten 60 Prozent der Iren für den Vertrag, der für mehr Haushaltsdisziplin in Europa sorgen soll. Die Gegner des Fiskalpaktes räumten die Niederlage ein. Sean Crowe, ein Abgeordneter der oppositionellen Sinn Fein Partei, die sich an die Spitze der "Nein"-Kampagne gesetzt hatte, sagte, er akzeptiere, dass das Ergebnis des Referendums "Ja" laute. Irland ist der einzige Staat in der Euro-Zone, der seine Bürger über den Fiskalpakt entscheiden ließ.
Schon in Umfragen vor der Abstimmung am Donnerstag hatte sich eine breite Zustimmung für den Pakt abgezeichnet, den vor allem Deutschland als Voraussetzung für ein Ja zum neuen Euro-Rettungsfonds ESM ansieht. Allerdings gab es Sorgen, dass die niedrige Wahlbeteiligung von 50 Prozent den Gegnern des Pakts nützen könnte.
Der von Deutschland angestoßene Fiskalpakt hätte auch ohne die Zustimmung Irlands in Kraft treten können. Lediglich 12 von 17 EU-Ländern müssen ihn ratifizieren. Ein "Nein" der Iren hätte aber wahrscheinlich inmitten der Probleme in Spanien und Griechenland die Unruhe in der Euro-Zone weiter angeheizt. Auch argumentierte die Regierung, dass eine Ablehnung des Pakts es schwierig machen könnte, Anspruch auf weitere internationale Hilfen zu erheben, und das Land innerhalb Europas isolieren könnte. In der Vergangenheit hatten die Iren Europa zweimal überrascht, indem sie bei ähnlichen Referenden ihre Zustimmung zunächst versagten.
Zweites Hilfspaket nicht ausgeschlossen
Der Ausgang des Referendums sei für die Regierung eher ein Zeichen der Erleichterung als Grund zum Feiern, sagte Verkehrsminister Leon Varadkar vor Journalisten in Dublin. Denn zum einen offenbarte das Referendum auch, dass eine nicht unerhebliche Zahl der Iren den Pakt ablehnt. Zum anderen sind mit der Zustimmung allein die wirtschaftlichen Probleme der grünen Insel noch längst nicht gelöst.
Irland leidet weiter unter den Kosten für das kollabierte Bankensystem und der anhaltenden Immobilienkrise. Die meisten Wohnhäuser und Eigentumswohnungen sind deutlich weniger wert. Die Iren konsumieren heute zwölf Prozent weniger als 2007. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 14 Prozent. Der Schuldenberg ist gewaltig. Es wird erwartet, dass er im kommenden Jahr auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettert. Nicht wenige an den Märkten halten es für möglich, dass das Land, das vor zwei Jahren unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft war und im Gegenzug für ein Hilfspaket über 85 Milliarden Euro sich zu schmerzhaften Einsparungen verpflichtete, ein zweites Hilfspaket benötigen könnte.
Irland wieder auf Wachstumskurs
Gleichwohl gilt Irland längst nicht als ein solches Sorgenkind wie etwa Griechenland, wo sich Gegner der international vereinbarten Sparauflagen durchaus Hoffnungen auf einen Sieg bei der Parlamentswahl in zwei Wochen machen können. Von den jüngsten Wellen der Schuldenkrise in Europa blieb Irland bislang weitestgehend verschont. Die Regierung in Dublin hat nach allgemeiner Auffassung sich vorbildlich an die Auflagen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds gehalten und erntete viel Lob dafür, dass sie schnell handelte und hart durchgriff. Experten rechnen damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr wächst und auch jüngste Konjunkturdaten fielen positiv aus. So befindet sich die irische Industrie sogar im Aufwind, während sie in der Euro-Zone insgesamt immer tiefer in die Krise schlittert und sich auch Deutschland dem Abwärtstrend nicht mehr entziehen kann.
Zudem dürften auch die vielen Weltkonzerne wie Google, IBM und Pfizer, die sich in dem Inselstaat mit seinen niedrigen Unternehmenssteuern angesiedelt haben, den Ausgang positiv bewerten.

22:25
Wieviel Prozent der Ja-Sager wusste eigentlich Bescheid, um was es geht.
Sie werden es bald! Und sie werden sich wundern.
Wieso stellen Sie die Frage nur einseitig an die Befürworter des Pakts?
15:51
@3
Wie - wenn nicht als Enthaltung - sollten denn Nichtwähler denn Ihrer Meinung nach gewertet werden?
@4
Natürlich hätten die Iren sich auch entscheiden können, den Fiskalpakt abzulehnen und kein Geld aus Europa anzunehmen ... Deutschland wirft keine Hilfsgelder in ein Fass ohne Boden - und wer gegen den Boden stimmt, kann sich doch nicht beschweren, dass kein Geld geworfen wird.
Wenn internationale Abkommen keine Rosinenpickerei zulassen, ist das keine Einschränkung einer freien Wahl!
14:40
na ja was sollten denn die Iren auch anderes machen sie wurden ja mehr oder weniger von der Diktatuer INN Merkel und der EU dazu gezwungen denn die Iren bekommen ja Geld von der EU und die Abstimmung hat somit nichts mehr gemein mit freie Meinung zu tun
13:04
Fast 60% der 50%. Außerdem wird immer so lange gewählt bis das Ergebnis passt. Also, was soll der Quatsch?
Wer nicht abgestimmt hat, hat dem Ergebnis, das die Abstimmenden erbracht haben, zugestimmt.
13:03
Viele Wähler sind offenbar vernünftiger als der Stammtisch.
12:51
Wer hätte das gedacht? (Ironie aus)