Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Politik

Empörung über Hitler-Statue in früherem Warschauer Getto

28.12.2012 | 19:16 Uhr
Foto: /AP/Czarek Sokolowski

Mit einer betenden Statue Adolf Hitlers im ehemaligen Warschauer Getto hat sich ein italienischer Künstler zur Zielscheibe moralischer Entrüstung gemacht. Maurizio Cattelans Werk "HIM" steht seit vergangenem Monat an der sensiblen historischen Stätte und soll nach Darstellung der Organisatoren zum Nachdenken über die "Natur des Bösen" anregen.

Warschau (dapd). Mit einer betenden Statue Adolf Hitlers im ehemaligen Warschauer Getto hat sich ein italienischer Künstler zur Zielscheibe moralischer Entrüstung gemacht. Maurizio Cattelans Werk "HIM" steht seit vergangenem Monat an der sensiblen historischen Stätte und soll nach Darstellung der Organisatoren zum Nachdenken über die "Natur des Bösen" anregen.

Das jüdische Simon-Wiesenthal-Zentrum kritisierte die Statue als "sinnlose Provokation, die das Andenken an die jüdischen Opfer der Nazis beleidigt". Wofür genau Hitler betet, ist dem nur aus der Distanz durch ein Loch in einem Holzzaun zu betrachtendem Kunstwerk nicht zu entnehmen.

Allerdings erhielt Catellan für die Statue - eines von vielen Objekten seiner Retrospektive "Amen" - auch Unterstützung. Das federführende Zentrum für Zeitgenössische Kunst verneinte jegliche Absicht des Künstlers, die jüdischen Opfer des Nazi-Terrors zu beleidigen. Andere Besucher würdigten die emotionale Wirkung der kleinen Statue, die der eines Schuljungen ähnelt. Und selbst der oberste Rabbi Polens, Michael Schudrich, erteilte dem Kunstwerk im Vorfeld bewusst seinen Segen, weil es durch Provokation des Betrachters moralische Fragen aufwirft. Gezeigt werde schließlich auch, dass sich das Böse hinter der Fassade eines "niedlichen, betenden Kindes" verstecken könne.

Ab dem Herbst 1940 wurden die in Warschau lebenden Juden von der deutschen Besatzungsmacht in einem ummauerten Getto interniert. Zeitweise pferchten die Nazis dort 500.000 Menschen zusammen, von denen viele wegen Hunger, Kälte und Seuchen starben - sofern sie nicht vorher erschossen wurden. Ab Juli 1942 wurden Hunderttausende Bewohner des Gettos in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet. Eine groß angelegte jüdische Widerstandsaktion brach am 16. Mai 1943 nach verlustreichen Kämpfen mit den deutschen Truppen zusammen. Das Getto wurde daraufhin dem Erdboden gleichgemacht, seine Bewohner ermordet.

© 2012 AP. All rights reserved

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?

In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?

 
Aus dem Ressort
Alternative-Liste-Streit in Herne geht in eine neue Runde
Parteien
Die Staatsanwaltschaft Bochum will im Zoff rund um die Alternative Liste in Herne und die Wahl zur Reserveliste vor der Kommunalwahl kein Ermittlungsverfahren einleiten. Ex-Alternative-Liste-Ratsherr Reiner Kielholz hat unterdessen eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht.
IS-Miliz will vermissten US-Reporter enthauptet haben
Irak
Das Video einer Enthauptung schockiert Washington. Die Terrormiliz Islamischer Staat will einen US-Fotografen als Vergeltung für den amerikanischen Militäreinsatz ermordet haben. Der Journalist wird seit 2012 vermisst. Die Echtheit des Videos konnte allerdings noch nicht bestätigt werden.
Rot-Grün macht den NRW-Beamten ein neues Angebot
Beamte
Die NRW-Regierung hat nach dem Urteil des Landesverfassungsgerichts den 226.000 höheren Staatsdienern ein neues Angebot vorgestellt: Sie sollen mit einer Verzögerung von neun Monaten eine Gehaltserhöhung von 1,5 Prozent und einen einmaligen Nachschlag erhalten. Der Vorschlag stößt schon auf Kritik.
Neue Angriffe nach Ende der Feuerpause im Gaza-Konflikt
Gaza
Aus der Feuerpause wurde keine dauerhafte Waffenruhe im Gaza-Konflikt. Militante Palästinenser feuerten Raketen auf Israel. Bei Luftangriffen Israels im Gazastreifen gibt es wieder Tote. Dabei standen beide Seiten angeblich kurz vor der Einigung über eine mehrwöchige Feuerpause.
Düsseldorf hat die meisten Selbstanzeigen von Steuersündern
NRW-Finanzen
4500 reuige Steuersünder haben sich allein im ersten Halbjahr 2014 bei den Behörden in NRW gemeldet. Das spült laut Finanzministerium 850 Millionen Euro in die klamme Landeskasse. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Düsseldorf hat die meisten Selbstanzeigen, Essen die wenigsten.