Deutsche Olympiamannschaft kann das Medaillen-Soll nicht erfüllen
10.08.2012 | 20:16 Uhr 2012-08-10T20:16:00+0200
Berlin. Nach einer Klage der WAZ-Mediengruppe musste das Innenministerium das Medaillen-Soll für Olympia veröffentlichen. Es liegt weit über dem Erreichten: 86 Medaillen sollten die deutschen Athleten erreichen, zwei Tage vor Schluss sind es lediglich 42.
Es war sein zweiter Versuch im Reißen: 196 Kilogramm hatte Matthias Steiner auflegen lassen, der Gewichtheber, Olympiasieger von Peking. Doch er verlor die Kontrolle, die Hantel traf seinen Kopf. Mit Steiner fiel auch die Zielvereinbarung des Gewichtheber-Verbandes: Eine Goldmedaille war die Vorgabe für die Gewichtheber. Festgeschrieben in der Zielvereinbarung zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Bundesverband deutscher Gewichtheber. Gestern musste das Bundesministerium des Inneren (BMI) sie nach einem Rechtsstreit mit der WAZ-Mediengruppe bekannt geben. Demnach hätte die Mannschaft 28 Goldmedaillen gewinnen müssen.
War der Druck am Ende zu groß für Steiner? Auf ihm lastete nicht nur der eigene Anspruch, er sollte auch eine Medaille für seinen Verband gewinnen, die die rund 2,5 Millionen Euro staatlicher Fördergelder für die Gewichtheber rechtfertigt. Ob die Funktionäre Steiner in den Dokumenten nennen, wissen nur die Beteiligten – doch wer außer ihm hätte in London Gewichtheber-Gold holen sollen? Auch welche Bedeutung die Medaille für die künftige Förderung der Gewichtheber hat, ist unklar.
Erfolgreiche Kanuten
Neben der Anzahl der Medaillen legen die Zielvereinbarungen auch fest, ob weitere Trainerstellen auf Staatskosten geschaffen oder ob Höhentrainingslager abgehalten werden. Auf Basis dieser Dokumente wird das BMI nach Olympia eine umfassende Analyse erstellen.
Vor 14 Monaten hatte die WAZ-Mediengruppe Einsicht in diese Dokumente beantragt. Ohne Erfolg. Erst eine Klage zwang das Ministerium jetzt, zumindest die Medaillenvorgaben zu veröffentlichen. Die ersten Daten zeigen, dass von den 23 olympischen Verbänden in London bisher nur die Tischtennisspieler und die Kanuten ihre Ziele erreichten oder übertrafen. Dimitri Ovtcharov holte im Einzel Bronze und auch mit der Mannschaft um Kapitän Timo Boll. Die Kanuten sollen sieben Medaillen holen – sechs hatten sie vor dem letzten Finaltag gewonnen. Auch die Leichtathleten können ihr Ziel – acht Medaillen, davon zwei goldene – noch erreichen.
Innenminister Friedrich hatte stets betont, die Zielvereinbarungen seien Sache des autonomen Sports, deshalb dürfe sein Haus keine Auskunft erteilen. Dass das nicht stimmt, belegt eine übergreifende Zielvereinbarung zwischen BMI und DOSB vom 8. November 2007, die die Journalistin Grit Hartmann veröffentlichte. Sie legt nahe, dass das Ministerium über Förderung und Vorgaben einzelner Verbände jederzeit mitbestimmt: Die Zielvorgaben sind somit staatliche Medaillenziele.
Der DOSB hielt die Zielvereinbarungen nach eigenen Angaben stets geheim, um ein „Hauen und Stechen unter den Verbänden“ zu vermeiden. Kritiker vermuten dagegen, der Dachverband hüte die Absprachen, um Macht zu erhalten. Der DOSB ist zum einen Dachverband aller Sportverbände, vertritt diese gegenüber Berlin. Andererseits soll er als neutraler Gutachter für das Ministerium die Vergabe der Fördermittel bewerten.
„Zuweilen nutzt der DOSB seinen Wissensvorsprung gegenüber seinen Auftraggebern, also den Verbänden und dem BMI, zu beiden Seiten hin aus“, sagt der Saarbrücker Soziologe und Ökonom Eike Emrich, der bis 2009 Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war. Emrich spricht von Günstlingswirtschaft, vom „Fürstenhof DOSB“.
Der Berliner Sportphilosoph Gunter Gebauer sieht die staatlich sanktionierten Vorgaben in der Tradition eines totalitären Leistungsdenkens: „Mir drängt sich der peinliche Eindruck auf, dass das Sportsystem der DDR über das der Bundesrepublik gesiegt hat.“
„Es gibt keinen Automatismus“
DOSB-Präsident Thomas Bach und Innenminister Hans-Peter Friedrich betonen stets, dass es „keinen Automatismus zwischen Medaillen und der Zuwendung von öffentlichen Fördermitteln gibt.” Nur über die Medaillenvorgaben könne die Sportförderung daher nicht bewertet werden.
Ob Friedrich deshalb die Anweisung gab, auch den Anträgen der WAZ-Mediengruppe nachzugeben und Einblick in den Inhalt der gesamten Zielvereinbarungen zu gewähren? Dazu hat sich das Innenministerium bisher nicht geäußert.

12:20
Die öffentlichen Kassen sind leer. Die Straßen sind voller Schlaglöcher.
Für Bildung ist kein Geld da und die Kinderbetreuung bleibt auf der Strecke.
Mit welcher Berechtigung pumpt der Staat hunderte von Millionen in die Förderung von Leistungssport? Zumal es sich um Geld handelt, das gar nicht da ist.
Da sowohl die Bundes- als auch die Landeshaushalte jedes jahr Milliardenbeträge neuer Schulden machen, leiht sich die die Regierung also das Geld, um Olympioniken und Sportfunktionäre bezahlen zu können. Natürlich mit fürstlichen Gehältern.
Wenn man schon Geld leiht, was nicht in dauerhafte Investitionen fließt, sollte man
es dann schon den Kindern oder aber einer Förderung des Breitensports zukommen lassen.
19:07
"Gratuliere" der WAZ zum Erfolg. Dafür war aber kein Rechtsstreit notwendig. Das System ist hinreichend bekannt.
Und selbstverständlich ist es richtig, hohe Anforderungen zu stellen. Hohe Ziele fördern den Ansporn und sollten nicht gleich als Leistungsdruck abgetan werden.
Offensichtlich ist es in ihrem Hause anders, oder warum wird die Tageszeitung immer schlechter und bedient nur noch den Boulevard?
20:50
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
20:42
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
19:11
Gewinnt die "richtige" Nation war alles sauber, gewinnt aber die "falsche" Nation lag es an den schlimmen Trainingsmethoden und nartürlich war Doping im Spiel.
Eine beliebte Erklärung der Weichgespülten die da meinen, bereits der kleinsten Leistungsanforderung an Kinder/Jugendliche laut aufheulen zu müssen und Hinterherschauen einfach total cool/geil finden.
Motto: Teilnahme oder besser noch Nichtteilnahme ist alles und bei der geringsten Leistungsanforderung sagen wir "no" und Kind, dass musst du nicht, dass kann keiner von dir verlangen.
18:59
Für mich ist das Ganze ein Debakel! Vor Olympia wurden die Kritiker des ganzen Deutschen System niedergemacht und quasi " Drohungen" ausgesprochen siehe die Fechtkritikerin die genau auf die Probleme aufmerksam gemacht hat die jetzt zu Buche schlagen. Jeder sollte sich die Pressekonferenz der Herren Bach und Konsorten noch einmal ansehen, wie man über diese Kritikerin geredet hat" auf gut Deutsch..die hat nicht alle Tassen im Schrank"
Jeder Weiß das bach nachfolger von Rogge werden will und der Vesper wird dann Nachfloger von Bach..das Ganze ist ein Kungelgeschäft hoch Drei und die Athleten und Trainer bleiben dabei auf der Strecke. Es lachen nur die Jenigen die satte Werbeverträge haben und der Steiner war doch auch mehr in Talkshow zusehen wie im Übungsraum und die Angetraute Moderatorin die ja hautnah dabei war Zitat" jeder Andere wäre vielleicht tötlich verletzt worden" wird ihn schon in diversen Show wieder unterbringen und Geld einbringen. Das Ganze muß auf den Prüfstand....
17:25
Es wird in Deutschland entschieden zu wenig gedopt.
Das muss sich ändern. Wer große Leistungen sehen will, kann auf Doping nicht mehr verzichten. Das ist die Wahrheit. Doch die Politik traut sich nicht, genau dies ehrlich auszusprechen.
Und wenn alle dopen?
Dann herrscht endlich
Gerechtigkeit!
17:24
Vielleicht schaffen es ja unsere Politiker, bei der nächsten Olympiade, den Medaillenspiegel persönlich zu erfüllen. Soweit mir bekannt ist, wurde diese Vorgabe kurz nach der letzten Oympiade beschlossen. Und da war aber nicht Herr Friedrich der Herr Minister...
Wo bleibt denn da noch der Spaßfaktor?
13:43
Stümperhaftes Versagen bei der WM, Grotten schlechtes Abschneiden bei der EM und jetzt ein Medaillen-Stand auf Hartz IV-Niveau. Vielleicht sollte einmal wieder aus Spaß an der Freude Sport betrieben werden, und nicht um Millionär zu werden, oder Massenhaft Werbeverträge zu ergattern.
#28
Was soll denn dieser Kommentar und was hat er mit Hartz 4 zu tun? Ziemlich daneben, mein Herr.
12:39
Diese Zielvorgabe ist nicht "ambitioniert", sie ist ...
"Traumstepptanz in Gummistiefeln auf Holzwegen im Taka-Tuka-Land"
....Und wenn wirklich Doping hinter den Super-Leistungen anderer Nationen steht,
dann hoffe ich, verzichtet man gern auf "entsprechende " Trainingsmethoden und ist auch mit hinteren Plätzen zufrieden.