Wohin mit so vielen Studenten?
20.03.2009 | 10:26 Uhr 2009-03-20T10:26:00+0100
Berlin. Noch nie zuvor haben in Deutschland so viele junge Menschen ein Studium begonnen wie im vergangenen Jahr. Dieser Rekord dürfte schon bald übertroffen werden. Denn Experten sagen für die kommenden Jahre einen regelrechten Ansturm auf Unis und FHs voraus.
Die WR hat nachgehakt, ob Länder und Hochschulen auf so viele Studenten vorbereitet sind.
Ist die Rekord-Einschreibung eine gute Nachricht?
Ja. Deutsche Unternehmen brauchen gut ausgebildete Akademiker, um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben. Vor allem in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) dürfte die Nachfrage groß bleiben. Deutschland ist als rohstoffarmes Land ganz besonders auf kluge Köpfe angewiesen.
NRW und Bayern sind gut vorbereitet
Wie wird sich die Nachfrage nach einem Hochschulstudium entwickeln?
In den nächsten Jahren fast schon dramatisch. Allein die NRW-Landesregierung rechnet mit 160 000 zusätzlichen Erstsemestern im kommenden Jahrzehnt und mit einem Spitzenwert im Jahr 2013, wenn der doppelte Abiturjahrgang die Schulen verlässt.. Bundesweit spitzt sich die Lage zu.
Wie reagieren Bund und Länder darauf?
Mit dem so genannten Hochschulpakt: Zunächst bis 2010 sollen über 1,1 Milliarden Euro in zusätzliche Studienplätze fließen.
Reicht das?
Viele Experten glauben, dass das bei weitem nicht reicht. Kalkuliert wurde mit 5500 Euro pro Studienplatz. Für die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) stimmt diese Rechnung nicht: Die tatsächlichen Kosten für einen Studienplatz lägen bei 7300 Euro. Außerdem bekommen die neuen Länder und die Stadtstaaten überproportional mehr Geld, damit diese ihre Studienplatz-Kapazitäten trotz geringerer nachfrage nicht abbauen. Darunter leiden die alten Flächenländer wie NRW. Noch ein Nachteil: Der Pakt gilt nur bis 2010. Der Run auf die Hochschulen geht aber danach erst richtig los.
Ist NRW auf so viele Studenten vorbereitet?
Besser als die meisten anderen Länder, trotz der Nachteile im Hochschulpakt. „NRW investiert in neue Fachhochschulen und in den Ausbau bestehender FHs. Das ist am Ende für 11 000 echte neue Studienplätze gut.
Fachhochschulen schlagen die Unis
Zusammen mit dem Geld aus dem Hochschulpakt sollte NRW in der Lage sein, die Nachfrage zu kompensieren”, urteilt Thimo von Stuckrad vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im WR-Gespräch. Noch mehr engagieren sich übrigens Bayern und Baden-Württemberg. Bayern will eine „Hochschulmilliarde”ausgeben, um über 30 000 neue Studienplätze zu schaffen. Thimo von Stuckrad schränkt sein Lob für NRW etwas ein: „Investiert wird vor allem in die MINT-Fächer. Das dürfte den Zugang zu geisteswissenschaftlichen Fächern weiter erschweren.” Schon heute ist jeder zweite Studiengang in Deutschland zulassungsbeschränkt.
Warum steigt die Nachfrage nach FH-Studien?
Gleich drei gute Gründe nennt Christoph Heine von der Hochschul Informations System GmbH (HIS): „Ein FH-Studium ist viel praxisorientierter als die Ausbildung an der Uni. Mit Bachelor und Master bieten die FHs heute gleichwertige, international anerkannte Abschlüsse. Die Studenten sind dort auch schneller fertig.
Bedeuten mehr Studenten auch mehr Chaos bei den Zulassungen?
Das ist zu befürchten. Der Bildungsföderalismus mache eine gemeinsame Problemlösung fast unmöglich, glaubt Christoph Heine. „Die Zulassungsbedingungen fallen immer weiter auseinander”, so Heine. Dabei sind Unis und FHs schon mit den aktuellen Einschreibungen überfordert.
Rund ums Thema:
16:35
Bei den Studiengebühren geht doch jetzt die Zahl der Studierenden, anteilig an der Bevölkerung, spürbar zurück. Das Problem löst sich irgendwann von selbst, wenn Studieren zu einem Klassnprivileg der Besitzenden geworden ist.
21:45
aber auch bei der Erhebung der Daten berücksichtigt.
Können Sie das nachweisen?
Wie wollen Sie denn die absurden prozentualen Unterschiede der verlinkten Studie erklären?
D ist wirtschaftlich erfolgreicher als die meisten anderen OECD-Länder -laut der Studie aber ein Entwicklungsland in der Ausbildung...
Nicht ganz logisch -um es vorsichtig zu formulieren..
Die OECD ist eine Witzveranstaltung, siehe Pisa-Studie..
Dort liegt D übrigens auf Platz 4 - wenn man die Migranten rausrechnet...
15:15
@sdf
Ich habe mich eine ganze Zeit lang mit der Entwicklung der Studierendenzahlen innerhalb der EU beschäftigt.
Ihr Ausführungen zu den Ausbildungsniveaus sind richtig, aber auch bei der Erhebung der Daten berücksichtigt.
Ansonsten würde sich die OECD nur lächerlich machen.
Hier die Kurzfassung der OECD zu dem Bericht (Ende 2008):
http://www.oecd.org/document/15/0,3343,de_34968570_35008930_41277711_1_1_1_1,00.html
Und eine Bewertung der aktuellen Zahlen auf studisonline:
http://www.studis-online.de/Studieren/art-839-studistatistik2008.php
14:04
@Osona
Gerne.
Die Abschlüsse der einzelnen Länder sind in keiner Weise vergleichbar.
Im angelsächsischen Raum macht zb. auch jede Krankenschwester ihren Bäschelaar, was in D nur ein Ausbildungsberuf ist, aber vom Ausbildungsniveau aber gaanz locker mithalten kann..
Beispiel USA:
Highschool= deutsches Realschulniveau
College= dt. Oberstufenniveau
Die Ausbildung zum Arzt oder Anwalt beginnt in den USA erst nach dem Collegeabschluss...
12:25
@sdf
vielleicht ein wenig konkreter, dann kann ich auch darauf antworten
12:12
@Osona
Sie haben keine Ahnung, wovon sie reden...
08:55
na, die die vllt sowas wie forstwirtschaft studieren schon ;) ...sonst halte ich viele für fachidioten!
wie soll ich mich mal bewerben können, wenn sich mit mir nur studis bewerben, die ja gleich als besser angesehn werden...kann ja noch froh sein, das ich überhaupt abitur hab..ach, aber nur von ner BK...das ist ja auch nichts wert!
08:15
Ach, alle Studenten haben also kein praktisches Wissen? lol
08:02
na toll...und was mach ich dann mit meinerm popeligen ausbildung, wenn nur noch studenten rumlaufen?
und wer soll in zukunft auch mal anpacken können und praktisches wissen zur hand haben? die verkopften theoretiker bestimmt nicht!
07:56
Es ist richtig und wichtig, dass wir mehr junge Menschen haben, die studieren, da in Deutschland (im Gegensatz zu vergleichbaren Ländern) immer noch zu wenige Menschen an den Unis sind.
Deswegen ist das auch nur ein Scheinerfolg, da nicht die absolute Zahl der Studienanfänger wichtig ist, sondern der Prozentuale Anteil eines Abschlussjahrgangs, der dann auch wirklich studiert. Diese Zahlen werden aber im August erst vorliegen.
Die Erfolgsnachricht erinnert an die Babyboom Nachricht von Frau von der Leyen...