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Mein Lachen gegen alle Miesepeter

05.12.2007 | 07:49 Uhr

Dortmund. Lachen ist die beste Medizin - eine Weis-heit, die hierzulande selten Anwendung findet. Bei Veye Tatah ist das anders: Wo sie ist, geht die Sonne auf. Die 36-jährige Kamerunerin trägt die Herzlichkeit ihres Kontinents mit sich.

Dass wir über den noch einiges lernen können, beweist sie mit ihrem farbenfrohen Magazin "Africa Positive", das bald 10. Geburtstag feiert. Bei der Frage nach ihrem Alter lacht die Diplom-Informatikerin herzlich und überlegt eine Weile. "Ich bin 1971 geboren, also müsste ich jetzt 36 sein. Aber mir ist das nicht so wichtig." Auch das Älterwerden stört sie nicht. "Viele Frauen versuchen ihr Alter zu verstecken. Aber das ändert ja doch nichts - man wird nun einmal älter. Und das ist auch gut so: In Afrika bedeutet Alter Weisheit und Respekt."

Den hat sich Veye verdient. Direkt nach dem Abi, mit 19 Jahren, zog sie von Kamerun nach Deutschland, um an der Uni Dortmund Informatik zu studieren. "Als ich hierher kam, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben Bilder von Hunger und Krieg in Afrika. Ich kannte so etwas gar nicht! Wo ich aufgewachsen bin, geht es den Leuten gut. Ich war entsetzt, wie wenig die Deutschen über Afrika wis-sen und wie negativ ihr Afrika-Bild ist. In den Medien werde nur von Katastrophen gesprochen. Daran wollte Veye etwas ändern. Während ihres Studiums kam ihr die Idee, ein Magazin zu veröffentlichen, das einen Gegenpol bildet zu dem, was sonst über Afrika bekannt ist - so entstand "Africa Positive".

Das ist neun Jahre her. Veye ist seit sechs Jahren Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Dortmund und zweifache Mutter. Ihr Magazin erscheint in sämtlichen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Arbeit der Journalisten ist ehrenamt-lich; finanziert wird das Projekt durch Veyes Catering-Firma. Das Magazin ist ein idealistisches Projekt; Veye liebt das Schreiben, es ist ihr Hobby. Für sie ist "Africa Positive" eine Lebensaufgabe.

Mit dem Magazin verfolgen Veye und ihr Team aus deutschen und afrikanischen Mitarbeitern drei Ziele. "Erstens möchten wir den Kontinent objektiv darstellen. Wenn Afrika immer nur als das Entwicklungskontinent dargestellt wird, wenn nie von Errungenschaften gesprochen wird - wer wird in ein solches Land investieren?"

"Schwarze Ärzte und Professoren gibt es im Fernsehen nicht"

Das zweite Ziel betreffe nicht nur Afrika, sondern auch Deutschland: Es geht um Integration. "Die Deutschen haben nur das Bild im Kopf von halb verhungerten Kindern, von Krieg und Leid - das schürt Vorurteile. Ich möchte Deutschen die Gelegenheit geben, Afrika anders zu sehen. Wenn sie sehen: Aha, die Menschen dort führen ein Leben wie wir, haben Jobs, studieren, die Kinder gehen zur Schule - dann nimmt man Dinge anders wahr."

Das dritte Ziel betrifft afri-kanische Kinder, die in Deutschland leben. Die, so erzählt Veye, haben nur wenige afrikanische Vorbilder. "Im Fernsehen sieht man nur schwarze Fußballer oder Musiker. Professoren und Ärzte sieht man nicht." Die jedoch gibt es durchaus, es wird nur zu selten über sie gesprochen. Das sei jedoch wichtig, denn: "Viele Migranten-Kinder, nicht nur afrikanische, denken: Ich habe eh' keine Chance zu studieren, weil ich anders bin. Wenn sie aber Vorbilder aus dem eigenen Land sehen, die etwas erreicht haben, hätten sie viel mehr Motivation und würden sich in der Schule mehr anstrengen."

Veye verbreitet vor allem gute Laune. Die Deutschen, so sagt sie, tun das zu selten: "Deutschland ist so ein schönes Land, aber die Menschen wirken traurig: Du sitzt in der Bahn, zwei Stunden lang sitzt dir ein und dieselbe Person gegenüber, und keiner spricht den anderen an. Warum nicht? Ich quatsche mit jedem, auch in der Bahn. Dieses Schweigen, diese Anonymität ist doch unerträglich." Dagegen lacht Veye herzlich an.

Von Laura Möller

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