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Amerika staunt über Obama-Rausch

25.07.2008 | 20:16 Uhr
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Washington. Die Amerikaner haben mit Staunen verfolgt, wie viel Begeisterung einem US-Politiker wie Barack Obama im Ausland entgegengebracht wird.

Barack Obama dankte vor dem Abflug nach Paris seiner Berliner Polizeieskorte mit einem Autogramm. (AFP-Bild: Paul Richards)

Ungläubig verfolgen die Gäste an der Theke der lokalen "Rock Bottom"-Brauerei von Bethesda die Bilder, die aus Berlin über die Mattscheiben flimmern. Der Menschenauflauf, der sich von der Siegessäule zum Brandenburger Tor erstreckt, übertrifft alles, was Amerikaner aus Wahlkampf-auftritten kennen.

Um die 200 000 Zuhörer - nicht einmal in der Schlussphase des Wahlkampfs kommen so viele Interessierte auf die Beine. Kein Reporter, der nicht immer wieder darauf abhebt.

"Sie scheinen Obama zu mögen", versucht sich Paul Ehrlich einen Reim auf den Auflauf zu machen. "Willkommen im globalen Dorf", meint ein Thekennachbar, der wie viele Amerikaner die Rede in ihrer Mittagspause verfolgen.

"Obama will in Deutschland zeigen, das die USA im Ausland wieder respektiert werden, wenn er es ins Weiße Haus schafft", meint der Anwalt, der sich als Jim vorstellt.

"Er hat den Europäern nicht gesagt, was sie hören wollten, sondern was sie hören mussten", lobt John Kerry die Rede, in der Obama "heiße Eisen", wie den Einsatz in Afghanistan, die gemeinsame Verantwortung für Irak und den Kampf gegen den Terrorismus anpackte. Damit habe er Führungsstärke unter Beweis gestellt. "Ist das nicht unglaublich aufregend, einen potenziellen US-Präsidenten zu erleben, der in der Welt wie Barack Obama empfangen wird?"

Diese Beobachtung teilt auch Richard Wolffe, der als Korrespondent des Nachrichtenmagazins Newsweek Präsident George W. Bush in den vergangenen Jahren auf Auslandsreisen begleitete. "Welch ein Kontrast", beschreibt er die Stimmung. "Menschen zeigen nicht Protestbanner, sondern schwenken amerikanische Fähnchen."

Wie sich die Rede Obamas im Wahlkampf auswirkt, bleibt abzuwarten. Erste Medienreaktionen sind überwältigend. "Er hat so etwas wie eine Annahmerede als Führer der freien Welt gehalten", sagt Chuck Todd, politischer Direktor von NBC.

Von Thomas Spang

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