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Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich

03.01.2013 | 16:47 Uhr
Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich
Das Bundesverkehrsministerium will die Dynamopflicht bei Fahrrädern abschaffen.Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Essen/Meinerzhagen.   Mit einem Gesetzentwurf will das Bundesverkehrsministerium die Dynamopflicht bei Fahrrädern abschaffen. Fahrrad-Verbände und Fahrrad-Wirtschaft fühlen sich von diesen Plänen überrollt und sehen darin eine Gefahr für die Sicherheit von Radlern im Verkehr.

Die Idee klingt konsequent: Welcher Radfahrer fährt im Dunkeln schon beleuchtet? Wieso also nicht die Dynamopflicht für Fahrräder abschaffen? So ähnlich stellt man sich das womöglich im Bundesverkehrsministerium vor, von wo an diesem Donnerstag Pläne bekannt wurden, Radler künftig nicht mehr zu verpflichten, ihr Fahrrad mit einer per Dynamo betriebenen Lichtanlage auszurüsten. Batterie-gespeiste Beleuchtung solle künftig ausreichen, sofern sie denn "gleichwertig" sei. Doch außerhalb des Bundesverkehrsministeriums stößt der Plan auf breiten Widerstand.

"Das ist eine Gefahr für die Sicherheit von Radfahrern im Verkehr", kritisiert Thomas Rommelspacker, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club ADFC in NRW. Mehrfach habe der Vorstand bereits über die Pläne im Ministerium debattiert, das Ergebnis sei stets eindeutig gewesen: "Es wäre bedauerlich, wenn die Dynamopflicht abgeschafft würde". Dynamos seien die verlässlichste Energiequelle für Fahrrad-Licht. Auch an der Bundesspitze des ADFC wird dafür plädiert, an der Dynamopflicht festzuhalten.

Studie belegt Qualität von Dynamo-Beleuchtung

Technik
Gut beleuchtet: Das muss ein Fahrrad haben
Gut beleuchtet: Das muss ein Fahrrad haben

Die Dynamo-Pflicht für Fahrräder soll fallen. Laut Bundesverkehrsministerium könnte noch in diesem Frühjahr entschieden werden, ob die seit den 1970er Jahren bestehende Regel für die Beleuchtung an Rädern geändert wird. Doch welche Vorschriften gelten eigentlich?

 Stein des Anstoßes: Die Dynamopflicht. Es gilt: Gemäß Paragraf 67 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung benötigen Fahrräder ein Licht, das von einem Dynamo angetrieben wird. Batteriebetriebene, aufsteckbare Front- und Rücklichter sind erlaubt, allerdings nur als zusätzliche Lichtquelle.

Einzige Ausnahme: Renn­räder, deren Gewicht nicht mehr als elf Kilo beträgt, dürfen laut Verkehrsordnung mit batteriebetriebenem Front- und Rücklicht auf öffentlichen Straßen fahren. Allerdings muss diese Batteriebeleuchtung immer mitgeführt werden. Und: Sie muss bei Dunkelheit konstant leuchten. Ein blinkendes Licht ist nicht zulässig. Für die Teilnahme an Rennen auf öffentlichen Straßen sind diese Räder von der Beleuchtungspflicht befreit.

Ebenfalls Pflicht: die Reflektoren. Laut Straßenverkehrsordnung müssen auch an den Pedalen und an den Speichen der Vorder- und Hinterräder gelbe Reflektoren angebracht werden. Haben die Reifen allerdings weiße, reflektierende Seiten, kann auf die Reflektoren an den Speichen verzichtet werden.

Ermessenssache: Das Bußgeld. Wer von der Polizei ohne Licht oder mit nur einem batteriebetriebenen Licht erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 10 bis 15 Euro rechnen. Gezielte Fahrradkontrollen sind jedoch in der Regel selten. Hat ein Radfahrer kein dynamobetriebenes Licht, dafür aber eine batteriebetriebene LED-Leuchte an seinem Zweirad, können die Beamten schon einmal ein Auge zudrücken.

Streitfall: Die Frage der Haftung. Das Landesgericht München I (AZ 17 O 18396/07) urteilte 2010, dass Räder nur mit einem dynamobetriebenen Licht ausreichend beleuchtet sind. Streitfall war die Schuldfrage beim Zusammenstoß zweier Radfahrer. Der eine Radler besaß ein Anstecklicht, der andere trug eine Stirnlampe. Verantwortlich für den Unfall waren sie am Ende beide zu gleichen Teilen.

Beim Fahrrad-Beleuchtungshersteller Busch & Müller ("Bumm") in Meinerzhagen geht Geschäftsführer Rainer Müller unterdessen davon aus,"dass die Dynamopflicht bei Fahrrädern wohl abgeschafft wird". Müller fühlt sich regelrecht überfahren von den jetzt öffentlich bekannt gewordenen Plänen, vor allem davon, dass man im Hause von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in diesem Jahr nun 'Nägel mit Köpfen' machen will - wider besseren Wissens, sagt Müller.

Er verweist auf eine Studie zur Fahrradbeleuchtung, die das Bundesverkehrsministerium vor zwei Jahren in Auftrag gegeben hatte. Deren Ergebnis sei noch immer nicht veröffentlicht worden, sagt Müller. Möglicherweise, weil die Studie die Abschaffung der Dynamopflicht torpediert. Laut Müller hätte die Untersuchung durch Dekra, Tüv Rheinland und das Karlsruher Institut für Technologie nachgewiesen, "dass es nichts Gleichwertiges zu einer Dynamo-Beleuchtung" gibt.

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Kommentare
08.01.2013
08:18
Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich
von PabloDiablo | #48

"Welcher Radfahrer fährt im Dunkeln schon beleuchtet?"
Ich! - und zwar aus Sicherheitsgründen! Nämlich, damit ich im Dunkeln von anderen...
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1 Antwort
Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich
von onewheller | #48-1

sorry aber LED´s leuchten bis zu 20Stunden mit 200Lumen und mehr (STVZO), Aufladung mit Solar.
Kurze Verbindungen zwischen Energiequelle und Leuchtmittel.
Bei Rädern mit Federung ist die Kabelführung umständlich und unsicher.
Die Steckverbindungen sind technischer Unsinn wenn bei Regen gefahren wird bildet sich Oxid und Kupferoxid ist ein Isolator Licht aus.
Beim Abbiegen nach rechts auf einer Hauptstraße steht man schon ml über 5 Minuten und länger Dynamo trotz Kondensator aus Akku hat noch immer volles Licht.
Vom Nabendynamo abgesehen, sind alle anderen nicht laufsicher und bergen die Gefahr, da sie nur mit einer Schraube gesichert sind, in die Speichen zu geraten und sie rutschen bei Matsch und Schnee durch.
Akkuleuchten leuten auch wenn man das Rad mal schiebt (nach §25 STVO muss man das natürlich auf der Straße, wenn Fußgänger behindert werden)
An ein Sportgerät gehört kein Dynamo.

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Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich
Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich
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2013-01-03 16:47
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