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Plötzlich ist Preußen wieder Kult

03.04.2008 | 11:12 Uhr

Ostalgie ist out, Preußenkult ist in: Nach Trabis und Ampelmännchen schwärmt der trendsichere Teil der Republik jetzt für Schinkel-Schlösser, Sekundärtugenden und die schöne Luise.

Die drei Grazien mit der Preußenkrone auf der Kuppel des Neuen Palais im Park Sanssouci in Potsdam. (Bild: ddp)

Muss man das ernst nehmen? Und wenn ja: Was ist dran an der neuen preußisch-blauen Sehnsucht? Auf den ersten Blick: Viel! Die alten preußischen Museen verzeichneten im letzten Jahr allein in Berlin ein Besucherplus von 30 Prozent, weitere zwei Millionen Menschen besuchten die preußischen Schlösser und Gärten in der Umgebung.

In Potsdam und Berlin werden die einst abgerissenen Stadtschlösser als Kulissenbauten wieder hochgezogen. Die Hauptwege der berühmten Parkanlagen von Sanssouci und Charlottenburg sind bereits jetzt bei schönem Wetter so voll wie die Dortmunder Einkaufsmeile Westenhellweg. Kleine Charlotten und Luisen, Ottos und Ferdinands füttern Enten; die Eltern schauen nach Prominenten aus.

Bekennende Preußenfans

Die Potsdamer Neubürger Wolfgang Joop, Günter Jauch und Model Nadja Auermann sind bekennende Preußenfans und bilden die Speerspitze des neuen Wohntrends der der zeitgeisthörigen Berliner Gesellschaft: Man arbeitet (genauso wie die preußischen Eliten) in Berlin-Mitte und wohnt 20 Kilometer südwestlich in der alten preußischen Garnisonsstadt. Und natürlich redet man viel übers Preußischsein: In den Salons und Zirkeln der Hauptstadt gehört eine lässig umgehängte preußisch-blaue Gesinnung mittlerweile zum festen Bestandteil der Garderobe.

Wieder chic

„Ach ja? Ist es mal wieder soweit?” Bereits vor 25 Jahren schrieb der Bielefelder Historiker Hans-Ulrich Wehler seinen kritischen Essayband „Preußen ist wieder chic!” über die Preußen-Renaissance der frühen 80er Jahre – ausgelöst durch die große Berliner Ausstellung „Preußen – Versuch einer Bilanz” von 1981.

Zehn Jahre später, nach der Wende, mit der Wiederentdeckung der märkischen Schlösser und Parks für den regionalen Tourismus, schwoll die nächste deutsche Preußenwelle an. Wieder heftig bekämpft von all jenen, für die Preußen zwar auch Schinkel, Humboldt und die Stein'schen Reformen bedeutet, für die es aber vor allem der Militärstaat ist, dessen autoritäre Prägung der fruchtbare Boden für die beiden Weltkriege und den Nationalsozialismus war.

Pop-Ikonen des neuen, alten Preußenkults

„Falsch!” ruft heute eine bunte Mischung aus Medienmenschen, Buchautoren und Hobbyhistorikern. Sie wollen Preußen rehabilitieren. Sie sind beflügelt von der alten Sehnsucht nach einem Stück deutscher Geschichte, auf das man stolz sein darf. Und sie haben einen Termin: Anfang 2012 feiert Friedrich der Große seinen 300. Geburtstag. Der Alte Fritz (1712 bis 1786) und ´(zwei Generationen später!) die schöne Königin Luise (1776-1810), sind die Pop-Ikonen des neuen, alten Preußenkults. Manche Berliner Taxifahrer”, sagt ein tatsächlicher Preußen-Experte, "glauben ja noch, dass die beiden das preußische Traumpaar waren."

Unter dem schnittigen Titel "Friedrich 300" hat sich bereits ein Fest-Ausschuss für den Alten Fritz gegründet - mit dabei sind so ausgewiesene Preußenversteher wie die TV-Journalistinnen Nina Ruge und Wibke Bruhns, Modedesigner Wolfgang Joop und der Chef des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen.

Konservativer Lifestyle und Bildungsglamour

Ob der aktuelle Preußenkult am Ende genauso wenig mit dem historischen Preußen zu tun hat wie die Ostalgie mit der DDR? Im Moment jedenfalls geht es vor allem um konservativen Lifestyle, um Bildungsglamour - und am Ende auch darum, die Wartezeit bis zum nächsten Trend möglichst geschmackvoll zu überbrücken.

Julia Emmrich

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Kommentare
03.04.2008
14:44
Blockierter Kommentar.
von fritzwat | #1

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