Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Nachhaltigkeit

Zukunftsforscher sucht nach "wünschbarer Zukunft" für die Menschheit

28.12.2012 | 19:33 Uhr
Funktionen
Zukunftsforscher sucht nach "wünschbarer Zukunft" für die Menschheit
Unsere Welt in Lichtpunkten: Wo es besonders hell ist, leuchten bei Nacht die meisten Lichter.

Essen.  Wie wollen wir in Zukunft leben und wie werden wir in Zukunft leben? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Zukunftsforscher Robert Gaßner. Im Interview spricht er über neue Mobilitätskonzepte und vernetzte Städte. Und er verrät, warum wir pessimistischer sein müssen als unsere Vorfahren.

In welcher Welt werden wir leben? Besser: In welcher Welt wollen wir leben? Wir fragten einen Zukunftsprofi: Robert Gaßner forscht am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) der Freien Uni Berlin.

Was machen Sie an Ihrem Institut?

Robert Gaßner: Wir erstellen Zukunftsstudien. Wir fragen: Wie sollen Forschung und Technik das Leben verändern? Wir versuchen, eine wünschbare Zukunft zu finden.

Das ist einfach. Jeder will bequem, gesund und lange leben.

Gaßner: Darum geht es nicht. Wir erstellen zum Beispiel Szenarios für die Mobilität von Morgen. Wir untersuchen Themen wie Gesundheit, alternde Gesellschaft, Bildung, Biotechnologie, Robotik, Medizin. Wir kennen die Zukunft nicht, machen auch keine Prognosen, sondern zeichnen Szenarien auf wissenschaftlicher Basis.

Gibt es die eine große Vision?

Gaßner: Ein Generalthema? Es kann nur um Nachhaltigkeit gehen. Umwelt, Gerechtigkeit, auch die soziale und die zwischen den Geschlechtern – alle Zukunftswünsche müssen sich hier einordnen.

Lebenswerte Innenstädte

Woran arbeiten Sie konkret?

Gaßner: In einer alternden Gesellschaft steigt nicht nur das Sicherheitsbedürfnis. An die Demografie knüpfen sich viele Themen: Betreuung, Lebensorganisation, leichte Bedienbarkeit, generationenübergreifendes Wohnen – übrigens nicht unbedingt in der eigenen Familie.

Wie werden unsere Städte in Zukunft aussehen?

Gaßner: Lebenswerte Innenstädte sind wichtig. Ältere Menschen wollen nicht aufs Land abgeschoben werden, dafür muss sich die Lebensqualität der Städte ändern. Man soll in der City mit offenem Fenster schlafen können, der Autoverkehr muss raus. Die Bewohner wollen überall hinkommen. Das erfordert neue Mobilitätskonzepte.

Die Mobilität der Zukunft – wie und womit werden wir fahren?

Gaßner: Rucksackhubschrauber und die Ein-Personen-Rohrpost wird Science Fiction bleiben. Die Lösung liegt in den Dingen, die wir schon haben: Bus, Bahn, Auto, Rad, Flugzeug – wir müssen es intelligenter vernetzen. Das Auto hat nicht mehr die Bedeutung wie früher. Nicht das Auto bedeutet Freiheit, sondern Mobilität. Das muss simpel, preiswert und überall nutzbar sein.

Technik löst unsere Probleme nicht

Hilft uns technischer Fortschritt eigentlich weiter?

Gaßner: Technik löst unsere Probleme nicht. Die Utopie heute dreht sich um Themen wie die grüne Stadt, in der ich mobil und entspannt leben kann. Wenig Verkehr, wenig Lärm, viele Grünflächen, Fischzucht und Gemüseanbau in Hochhaustreibhäusern. Das ist denkbar. Großstädte werden sich in Zukunft stärker selbst versorgen müssen. Das sind alles Schritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.

Sehen Sie optimistisch oder eher pessimistisch in die Zukunft?

Gaßner: Wir müssen heute pessimistischer sein als vor 50, 60 Jahren. Die Frage der Ressourcen wird drängender, das Wachstum geht nicht endlos weiter, dem müssen wir uns stellen. Ob man dies als Chance oder Katastrophe ansieht, ist letztlich eine Frage der Einstellung.

Christopher Onkelbach

Kommentare
Aus dem Ressort
Wenn malende Musiker aus dem Rahmen fallen
Popmusik
Ein Besuch im Rock’n’Popmuseum zeigt: Viele Musiker greifen zu Stift und Pinsel, doch wenige sind wirklich mit dem doppelten Talent gesegnet.
Warum Eierlikör für Udo Lindenberg auch zum Malen da ist
Interview
Udo Lindenberg spricht über seine malerische Begabung, über den vielfältigen Nutzen von Eierlikör und Wertanlagen für die nächsten 500 Jahre.
So lacht das Revier: Ben Redelings und die Grätschen-Frage
Comedy
Ben Redelings erzählt Fußball-Anekdoten mit einem extremen Humor-Gehalt. Selbst hat er jedoch die Kicker-Karriere um einen beherzten Sprung verpasst.
Ein Besuch bei der ersten Rentier-Zucht Deutschlands
Rentiere
Rentiere haben im Winter Hochsaison. Wir trafen sie bei der ersten deutschen Zucht für die Zugpferde des Weihnachtsmanns. Elche gibt’s dort auch.
Test bei Wetterkamp – Gänse in Castrop-Rauxel
Mahlzeit
Das so genannte Gutbürgerliche hat man ein bisschen vorschnell totgesagt. Letzten Samstag bin ich bei drei entsprechenden Adressen gescheitert.
Fotos und Videos
Lebensmittel-Schummel
Bildgalerie
Lebensmittel
Ein Fotograf macht Promis zornig
Bildgalerie
Fotografie