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Historischer Roman – Dem sixtinischen Himmel so nah

25.05.2012 | 19:18 Uhr
Historischer Roman – Dem sixtinischen Himmel so nah
Leon Morell fasziniert die vielen Widersprüche, die der Mensch und Künstler Michelangelo in sich vereinte. Foto: Andreas Labes

Papst Julius beauftragte den Bildhauer Michelangelo für das Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle. 500 Jahre alt ist diese Geschichte, die nun in einem historischen Roman unterhaltsam beleuchtet wird: „Der sixtinische Himmel“ von Leon Morell. Ein Gespräch.

Michelangelo Buonarroti war eigentlich Bildhauer. Umso erstaunlicher ist, zu welchen Höhen der bedeutende Künstler der Renaissance bei seinem Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle hinaufgestiegen ist. Der Roman „Der sixtinische Himmel“ erzählt ergreifend aus der Sicht des erdachten Gehilfen Aurelio von Michelangelos menschlichen Licht- und Schattenseiten, von dessen geistreichen Ideen und akribischer Arbeit. Ein Gespräch mit dem Autor – von Leon Morell.

Michelangelo war nicht nur ein begnadeter Künstler, er wirkt in Ihrem Buch auch wie ein Provokateur.

Ein Provokateur war er schon, aber nicht aus Lust an der Provokation. Er wollte sich nicht verbiegen lassen, weder was seine künstlerischen Absichten anging, noch was seine religiösen Überzeugungen betraf. Schauen wir uns den Sündenfall an: Bis dahin wurde immer nur Eva dafür verantwortlich gemacht. Doch bei Michelangelo greift Adam selbst zur Frucht. Michelangelo hat die Schöpfungsgeschichte neu ausgelegt. Er hat sogar Gott mit nacktem Hintern dargestellt. In der Kirche, in der der Papst gewählt wird!

Nackte Körper, wo man hinsieht. Wie konnte
Michelangelo damit durchkommen?

Während der Arbeit war das Fresko durch das Gerüst verdeckt. Ich zweifle daran, dass Papst Julius bis ins Detail darüber informiert war, was Michelangelo dort oben trieb. Als die Fresken dann enthüllt wurden, war Julius sicherlich mit vielem nicht einverstanden, aber er hatte vor Michelangelos künstlerischem Talent große Hochachtung. Was hätte er auch machen sollen, nachdem das Fresko einmal an der Decke war? Außerdem war er gesundheitlich sehr angeschlagen. Er fühlte sein Ende nahen. Michelangelo hatte ihn über vier Jahre auf das Fresko warten lassen. Es ihn neu machen zu lassen hätte für Julius geheißen, die Fertigstellung nicht mehr zu erleben.

Was hat Sie an der Figur Michelangelo so fasziniert?

Michelangelo war ein sehr extremer und zwiegespaltener Charakter. Er vereint so viele Widersprüche in sich: die Hassliebe zur Familie, die Vorgaben des Papstes. Er fühlte sich berufen, sah sich als Werkzeug Gottes. Zugleich aber hatte er panische Angst, er könnte seinen eigenen Ansprüchen nicht genügen. Er liebte Männer, doch seine Sexualität hat er unterdrückt. So viele Konflikte – das ist als Romanfigur nicht zu toppen.

  • Leon Morell: Der sixtinische Himmel, Scherz, 565 Seiten, 19,99 Euro

Maren Schürmann



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