Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Geburtstag

Ur-Vampir Christopher Lee wird 90

25.05.2012 | 16:45 Uhr
Ur-Vampir Christopher Lee wird 90
Christopher Lee in seinem Element – als Dracula. Foto: Getty

Essen.   Christopher Lee, die Ikone des Horrorfilms, wird am Sonntag 90 Jahre alt. Für eine ganze Generation prägte er 1958 das Bild von Dracula als Aristokrat der Nacht. Sein Biss war im Vergleich zu Darstellungen in heutigen Vampir-Filmen dezent – sein Cape hingegen wehte eindrucksvoll.

„Ich finde es widerlich, was da geschieht“, erbost sich ein älterer Herr namens Christopher Lee derzeit auf seiner Homepage über den Horrorfilm der Gegenwart. „Das Blut begräbt die Leinwand unter sich wie eine Lawine. All diese Verstümmelungen, schreckliche Dinge, ich mag es einfach nicht.“ Das schreibt immerhin einer, der einst selbst ein nicht unwichtiger Teil des Horrorgenres war. Der für eine ganze Generation das Bild des Vampirs Dracula als Aristokrat der Nacht prägte.

Aber das war 1958, als der Schrecken auf der Leinwand noch dezent daherkam. Als Vampire noch keine Hälse aufrissen, sondern der Biss eher wirkte wie ein dezenter Kuss, eine Art Entjungferung, unterstrichen durch ein dünnes Rinnsal Blut.

Der finstere Asiate

Christopher Lee, Spross einer britischen Offiziersfamilie, ausgebildeter Opernsänger, der Sonntag seinen 90. Geburtstag feiern kann, hatte schon einige Nebenrollen gespielt, als ihn dieses Angebot des Hammer Filmstudios erreichte. Dort versprach man sich etwas davon, all jene Schreckensfiguren wiederzubeleben, die in den 30er-Jahren zur Blüte des US-Kinos beigetragen hatten.

Bram Stokers Vampir Dracula besaß damals das alte Pfannkuchengesicht eines Bela Lugosi, was es für Lee leicht machte, in dieser Rolle Geschichte zu schreiben. Unvergesslich seine Augen, die bei steigender Blutlust von roten Adern durchsetzt sind. Oder der Griff an sein Cape, wenn er ein weibliches Opfer umhüllt, um es fast intim zu einer Gefährtin der Nacht zu machen. Bis 1973 verkörperte er für Hammer den Dracula in sieben Filmen und näherte sich in „Dracula jagt Minimädchen“ (1972) dabei sogar der Gegenwart des Swinging London.

Wie einst Boris Karloff in den USA, so wurde Christopher Lee in Europa zu einem Synonym für den Horrorfilm. Lee spielte so gut wie alles, was man ihm anbot. Seine markante Gestalt tauchte in „Vampire gegen Herakles“ ebenso auf wie in deutschen Edgar-Wallace-Filmen. In fünf Filmen war er der finstere Asiate Dr. Fu Man Chu, der unermüdlich nach der Weltherrschaft strebt. Es ist kein Wunder, dass der Schauspieler heute Auftritte in 275 Filmen nachweisen kann. Das Guinness Buch der Rekorde führt ihn als „Schauspieler mit den meisten Filmrollen“.

Alter Mann in der Hafenkneipe

Der Sektenführer Lord Summerisle in dem Kultfilm „The Wicker Man“ sollte ein Schritt aus dem Bereich immer obskurer werdender B-Filme sein. Selbst seine Berufung zum Bond-Gegenspieler Scaramanga (Der Mann mit dem goldenen Colt“) hielt Lee nicht davon ab, weiter bei Sachen wie „Invasion der Raumschiffe“ mitzumachen.

Verständlich, dass sich unter seinen sängerischen Hervorbringungen auch die Duett-Single „Little Witch“ von Ralph Siegel befindet. Man muss nicht betonen, dass es ein Flop wurde. Dass ihm schließlich die Rollen des Zauberers Saruman in „Der Herr der Ringe“ und des düsteren Count Dooku in „Star Wars“ angetragen wurden, ist der Tatsache geschuldet, dass Lee über Jahrzehnte zur Ikone einer ganzen Filmgattung gereift ist. Im Privatleben ging es dabei ruhiger zu als vor der Kamera. Seit 1961 ist Lee mit dem dänischen Ex-Model Birgit Kroencke verheiratet, seit langer Zeit engagiert er sich für Unicef.

Und Filme? Wer sich dieser Tage „Dark Shadows“ von Tim Burton ansieht, sollte auf einen alten Mann in der Hafenkneipe achten. Christopher Lee ist auch noch gewaltig, wenn er nur noch als Zitat auftritt.

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Betrunken vor Baum gefahren - 17.100 Euro Strafe für Asamoah
Unfall
Weil er sich betrunken ans Steuer gesetzt und einen Unfall gebaut hat, muss Fußballprofi Gerald Asamoah 17.100 Euro Geldstrafe zahlen. Das hat am Donnerstag das Amtsgericht Ratingen entschieden. Der Ex-Nationalspieler muss außerdem weitere sieben Monate auf seinen Führerschein verzichten.
Brittany Maynard erfüllt sich noch einen Wunsch
Sterbehilfedrama
Brittany Maynard facht die Sterbehilfe-Debatte in den USA neu an. Für Anfang November plant die junge und todkranke Frau ihren Suizid mit Medikamenten. Zuvor erfüllt sie sich noch einen großen Wunsch - mit dem, was sie am meisten liebe: "Familie und Natur".
Mehr als zehn Jahre Haft für den Autobahnschützen
Prozess
Bis zu 171 Schüsse auf andere Fahrzeuge, dabei vier Fälle des versuchten Mordes: Am Donnerstag ist das Urteil gegen den so genannten Autobahnschützen aus der Eifel gesprochen worden. Die Verteidiger des 58-Jährigen wollen wegen der massenhaften Erfassung von Kennzeichen in Revision gehen.
Vermisstenzahl nach Erdrutsch in Sri Lanka steigt auf 192
Katastrophe
Mit Baggern wühlen sich die Helfer in Sri Lanka durch die Erdmassen. Noch 192 Menschen könnten nach dem Erdrutsch darunter verschüttet sein. Die Überlebenden kommen in zwei Schulen unter - viele haben alles verloren.
Der letzte Hobbit-Film feiert am 1. Dezember Premiere
Mittelerde
Die zweite Trilogie geht zu Ende: Am 1. Dezember startet der dritte Hobbit-Film des Regisseurs Peter Jackson in den Kinos. Eine kleine Vorschau haben die Schauspieler nun auf Facebook gegeben. Die ersten drei "Herr der Ringe"-Filme gelten als kommerziell erfolgreichste Filmtrilogie aller Zeiten.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?