Todesstrafe für chinesische Milchpanscher
22.01.2009 | 22:05 Uhr 2009-01-22T22:05:45+0100Shijiazhuang. (AP) Ein chinesisches Gericht hat gestern die ersten Urteile im Babymilch-Skandal verkündet. Zwei Mal verhängten die Richter die Todesstrafe.
Außerdem müssen eine ehemalige Molkerei-Chefin und weitere Angeklagte lebenslang in Haft. Das mit Melamin verseuchte Milchpulver wird für den Tod von mindestens sechs Babys verantwortlich gemacht, 300 000 Kinder erkrankten. 21 Angeklagte standen in der Stadt Shijiazhuang vor Gericht.
Die beiden zum Tode Verurteilten sollen das giftige Melamin hergestellt beziehungsweise verseuchte Milchprodukte verkauft haben. Dem 40-jährigen Zhan Yujun warf das Gericht vor, er habe das größte Labor zur Melamin-Produktion betrieben. Ein dritter Mann wurde zu einer ausgesetzten Todesstrafe verurteilt, die üblicherweise in lebenslange Haft umgewandelt wird.
Der Skandal wurde im September aufgedeckt. Den Ermittlungen zufolge sollen Zwischenhändler die Milch zunächst mit Wasser verdünnt und ihr dann Melamin zugesetzt haben, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Der Verzehr der Chemikalie kann zu Nierenversagen führen.
Die Ex-Geschäftsführerin der Molkerei Sanlu, Tian Wenhua, bekannte sich schuldig, minderwertige Ware hergestellt und verkauft zu haben. Die 66-Jährige räumte ein, ihr Wissen über eine Verunreinigung monatelang für sich behalten zu haben. Ihr steht lebenslange Haft bevor.
Anwalt: "Angeklagte sind Sündenböcke"
Außerdem muss sie umgerechnet 2,25 Millionen Euro Strafe zahlen. Zwei weitere Angeklagte müssen ebenfalls lebenslang in Haft, andere erhielten Gefängnisstrafen von fünf bis 15 Jahren. Vor dem Gericht versammelten sich gestern Angehörige von erkrankten oder verstorbenen Babys. Eine Frau kritisierte das Urteil gegen Tian. "Meine Enkelin ist gestorben. Sie (Tian) sollte auch sterben", erklärte Zheng Shuzhen.
Ein Anwalt der Opferfamilien sagte, die Urteile seien hart, aber die Angeklagten seien Sündenböcke. "Kein Regierungsbeamter wurde angeklagt", sagte Anwalt Li Fangping. Sanlu sowie weitere 21 Molkereien haben eine Entschädigung von 124 Mio. Euro angeboten. Mehr als 200 Familien haben Klage eingereicht, um eine höhere finanzielle Entschädigung zu erreichen.

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