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Bahnunfall

Schweres Zugunglück in Bayern – Was wir bisher wissen

11.02.2016 | 17:22 Uhr
Die Polizei durchsucht am Mittwoch Räume des Stellwerks in Bad Aibling. Die Ermittler schließen bisher weder technisches noch menschliches Versagen aus.Foto: dpa

Bad Aibling.  Bei einem schweren Zugunglück sind in Bad Aibling zehn Menschen ums Leben gekommen und viele verletzt worden. Was wir bisher wissen.

Die Ursache des Zugunglücks im bayerischen Bad Aibling ist noch unklar. Laut unbestätigten Medienberichten soll es sich um „menschliches Versagen“ gehandelt haben. Hier ein Überblick über die bislang bekannten, sicheren Fakten:

Was ist passiert?

Am frühen Dienstagmorgen gegen 6.50 Uhr prallten auf der eingleisigen Bahntrasse in der Nähe von Bad Aibling (Kreis Rosenheim) zwei Nahverkehrszüge frontal zusammen. Dabei entgleiste einer der Züge, mehrere Waggons stürzten um.

Was war die Ursache?

Die Ursache für das Unglück ist noch unklar. Mehrere Medien hatten darüber berichtet, dass menschliches Versagen der Grund für den Unfall gewesen sei. In einem Stellwerk seien Signale übersteuert und damit beide Züge auf die eingleisige Strecke geschickt worden, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Polizei durchsuchte am Mittwoch die Räume des Stellwerks in Bad Aibling. Von dort überwachen und steuern Fahrdienstleiter der Bahn den Verkehr in der Umgebung. Sowohl Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) als auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verwiesen am Mittwoch darauf, dass noch nicht klar sei, ob menschliches oder technisches Versagen ursächlich für die Katastrophe sei. Gegenüber unserer Redaktion hatte ein Sprecher der verantwortlichen Polizei in Rosenheim bereits am Dienstagabend gesagt: „Das sind reine Spekulationen. Wir wissen nicht woher die Informationen stammen – aber definitiv nicht von uns.“ Nach Angaben der Polizei sei es noch zu früh, um über die Ursache des Unglücks zu mutmaßen.

Wie viele Menschen befanden sich in den beiden Zügen?

Insgesamt waren etwa 150 Passagiere in den Zügen, viele von ihnen Berufspendler.

Wie viele Opfer gibt es?

Zehn Menschen starben, unter ihnen wohl auch die beiden Lokführer. Bei neun Todesopfer handelt es sich um Männer im Alter zwischen 24 und 59 Jahren. Alle stammen aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein, wie die Polizei mitteilte. Bei einer getöteten Person stehe die Identität noch nicht sicher fest. 17 Menschen wurden bei dem Unglück schwer verletzt, 63 Personen erlitten nach Angaben der Behörden leichte Verletzte. Nach gegenläufigen Berichten vom Dienstag, teilte die Polizei am Mittwoch mit, dass keine Person mehr vermisst werde. Auch sei trotz zahlreicher Schwerletzter kein weiteres Todesopfer zu erwarten.

Das schwere Zugunglück von Bad Aibling

Warum stießen die Züge zusammen?

Die Ursache für den Zusammenstoß ist bislang unklar. Einen technischen Fehler schlossen die Behörden bisher ebenso wenig aus wie menschliches Versagen. Die Strecke zwischen den Orten Kolbermoor und Holzkirchen ist für eine Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h ausgelegt und mit einer „Punktförmigen Zugbeeinflussung“ (PZB 90) ausgerüstet. Das heißt: Überfährt ein Zug ein Halte-Signal, sorgt die PZB dafür, dass der Zug automatisch gebremst wird.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geht davon aus, dass die Züge mit hohem Tempo kollidierten. „Die Züge müssen mit sehr hoher Geschwindigkeit ineinander geprallt sein“, hatte er auf einer Pressekonferenz am Dienstag gesagt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte auf der Pressekonferenz gesagt, dass sich die Zugführer erst einen Augenblick vor dem Zusammenstoß gesehen haben dürften. Der Unglücksort liegt in einer Kurve. Die Zugführer hätten demnach auch keine Chance gehabt, die Geschwindigkeit zu drosseln.

„Was hier schief gelaufen ist in der Abstimmung zwischen den einzelnen Startbahnhöfen, von denen die einzelnen Züge gekommen sind – das muss jetzt näher ermittelt werden“, hatte Herrmann am Dienstag erklärt. Die Züge sollten um 7.23 Uhr im Ort Kolbermoor aufeinandertreffen, stattdessen erfolgte jedoch der Zusammenstoß gegen 6.50 Uhr bei Bad Aibling.

Wohin sollten die Züge fahren?

Die Züge der Marke Meridian, die zur privaten Bayerischen Oberlandbahn (BOB) gehören, waren in entgegengesetzter Richtung auf der eingleisigen Strecke Rosenheim-Holzkirchen unterwegs. Erst Ende 2013 hatte die BOB mit drei Hauptstrecken den Betrieb aufgenommen und fährt seitdem Fahrgäste von München nach Salzburg und Kufstein sowie über Holzkirchen nach Rosenheim.

Wie verläuft die Bergung?

Bereits drei Minuten nach Eingang des Alarms waren Mitarbeiter der Feuerwehr am Unglücksort, wie der leitende Notarzt am Dienstag erklärt hatte. Die Bergung der Verletzten gestaltete sich äußerst schwierig. Das Unglück ereignete sich in einem für die Einsatzkräfte schwer zugänglichen Waldstück am Ufer des Flüsschens Mangfall. Dennoch waren die Rettungsarbeiten bereits am Mittag beendet.

Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) hat am Mittwoch die Bergung der beiden verunglückten Züge begonnen. „Die Bergung der Regionalzüge in Bad Aibling kommt schrittweise voran“, teilte die Bahn mit. Die ineinander verkeilten Züge sollen getrennt und dann in Teilen geborgen werden. Zwei Spezialkräne aus Fulda und Leipzig waren dafür nach Oberbayern gefahren. Die geborgenen Teile sollen nach Kolbermoor und Bad Aibling transportiert werden. Die Bahn geht davon aus, dass die Bergung der beiden Unfallzüge mindestens zwei Tage dauert. Anschließend soll die Fahrbahn repariert und die Oberleitung wieder montiert werden. (W.B./ac/dpa)

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Schweres Zugunglück in Bayern – Was wir bisher wissen
Schweres Zugunglück in Bayern – Was wir bisher wissen
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2016-02-11 17:22
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