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Kuppelshow "Auf Brautschau im Ausland" empört Frauenrechtler

29.06.2012 | 16:38 Uhr
Kuppelshow "Auf Brautschau im Ausland" empört Frauenrechtler
Auf seiner Tour durch die philippinische Stadt Cebu trifft Sascha gleich vier potenzielle Zukünftige. Foto: Sat.1

Essen.   Die Frauenorganisation "Terre des Femmes" ist entsetzt über die neue Sat.1-Kuppelshow „Auf Brautschau im Ausland“. Sie hält die Serie für sexistisch, auch weil sie den menschenverachtenden Sextourismus in Südostasien und Osteuropa verharmlost.

Sascha, das 120-Kilo-Riesenbaby, tapert durch die philippinische Stadt Cebu. Immer auf der Suche nach einer guten Partie. Weiblich, schlank, jung. Drei Mädels hat er schon zur Auswahl. Auf die Frage nach dem Weg trifft er auf Christina, eine weitere Kandidatin. Christina ist in Saschas Verständnis klar im Vorteil: weiblich, schlank, jung, spricht sogar ein paar Brocken Deutsch.

Sascha hat sich nicht alleine ans andere Ende der Welt begeben, er gehört zur Riege „liebeshungriger Junggesellen“, die Sat.1 auf „Brautschau ins Ausland“, Sonntag, 19 Uhr, schickt. Eine Reality-Show , die den menschenverachtenden Sextourismus in Südostasien und Osteuropa in die heimischen Wohnzimmer bringt. Scheinheilig mag man es nennen, wenn die Suche nach dem Glück des einen, nicht selten das Unglück der Frauen in der Ferne bedeutet.

Sat.1 will mit Sextourismus nichts zu tun haben

„Unsere Sendung 'Auf Brautschau im Ausland' hat mit Sextourismus nichts zu tun: Unsere Kandidaten suchen eine Frau im Ausland“, erläutert Sat.1-Sprecherin Diana Schardt. Mit ihrer Meinung steht Schadt ziemlich einsam da. Die Frauenorganisation „Terre des Femmes“ hat die „umgehende Absetzung“ gefordert, weil die Sendung „sexistisch“ und „erbärmlich“ ist. „Terre des Femmes “-Chefin Christina Stolle machen Aussagen wie „Frauen im Ausland sind einfach hübsch und motzen nicht so viel wie deutsche Frauen“ wütend.

Genau wie in der Kuppel-Show „Villa Germania“, in der RTL II Rentner mit ihrer Zweit- und Drittfrau in Thailand bis letzten Mittwoch über Wochen vorführten, gehe es nicht um gleichberechtigte Partnerschaften. Um ein rassistisches Abhängigkeitsverhältnis „in dem der starke Mann über ein Machtmonopol innerhalb der Beziehung verfügt“.

„Terre des Femmes“ fordert sofortige Absetzung

Da kann Sat.1 lange behaupten, dass „die ausländischen Frauen, die 'Auf Brautschau im Ausland' zeigt, selbstbewusst sind und genau wissen, was sie wollen“. Die Realität in den Ländern sieht anders aus. Auf den Philippinen , wo unzählige arme Frauen den Lebensunterhalt ihrer gesamten Familie mit ihren Liebesdiensten verdienen, zählt der potenzielle hochzeitswillige Europäer, Australier oder Amerikaner – egal wie alt oder schlecht aussehend – wie ein Sechser im Lotto.

„Der Sextourismus ist übel, er macht mich wütend und ich schäme mich, wenn ich die Touristen sehe“, sagt Pascale Meyer, eine Schweizerin, die seit sieben Jahren in Cebu-City lebt. „Leider ist es so“, fügt Chris Heim hinzu, Schweizer Resident, der seit 20 Jahren auf den Philippinen lebt. „Aber was macht man nicht alles für Essen, Schlafen, einfach fürs Überleben? Da stecken ja noch ein paar andere Familienmitglieder dran.“

Landesmedienanstalt prüft

Die für Sat.1 zuständige Landesmedienanstalt in Rheinland-Pfalz beobachtet die Reihe. Ein abschließendes Urteil wollten die Medienwächter noch nicht abgeben, erklärte Pressesprecher Joachim Kind.

Vorläufig darf Sat.1. die Frauen weiter vorführen. Darf den Kuppler spielen. Da wünscht man sich doch manchmal, dass der alte Kuppelparagraph, das bis 1973 geltende Kuppelei-Verbot für Erwachsene, wieder eingeführt wird. Zumindest für TV-Sender.

Angelika Wölke

Kommentare
02.07.2012
14:22
Kuppelshow
von Auntie | #10

Also wenn Frauen - die man hier Sufragetten nennt - die übrigens mit passiven Widerstand für ein Frauenwahlrecht eintratten nach dem Motto alle...
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2012-06-29 16:38
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