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"Grenzenloser Hass"

24.09.2008 | 19:16 Uhr
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Amokläufer soll seine Tat in der finnischen Kleinstadt Kauhajoki seit sechs Jahren geplant haben.Am Tag nach dem Massaker wurden mehrere Schulen in Finnland nach Drohungen evakuiert

Stockholm. In Finnland standen die Fahnen am Mittwoch auf Halbmast. Ein sichtlich niedergedrückter Ministerpräsident Matti Vanhanen hatte den Trauertag angeordnet. Ganz Finnland wirkte wie gelähmt am Tag nach dem zweiten Schulmassaker innerhalb eines Jahres.

Zusammen mit dem Regierungschef begab sich gestern auch Sozialministerin Paula Risikko, verstärkt durch ein Psychologenteam, an den Ort des Geschehens in der westfinnischen Kleinstadt Kauhajoki. Sie rief Schüler und Angehörige auf, aktiv Betreuungseinrichtungen in der Kommune aufzusuchen. "Bleibt heute nicht zuhause sondern sucht Hilfe", ermahnte sie.

Mit einer Handfeuerwaffe, Sprengstoff und Chemikalien hatte der 22-jährige Amokläufer Matti Juhani Saari in seiner Berufsschule zehn Menschen getötet, darunter mindestens eine Lehrerin. Weitere Todesfälle sind laut den Ärzten unwahrscheinlich. Der Zustand einer in Lebensgefahr schwebenden Schülerin habe sich stabilisiert.

Eine Hausdurchsuchung im Zimmer des Amokläufers im Studentenwohnheim ergab, dass Saari seine Tat schon seit sechs Jahren geplant hatte. Man habe Material gefunden, mit dem der Schüler seinen "grenzenlosen Hass auf alle Mitmenschen" zum Ausdruck gebracht habe, sagte ein Beamter im finnischen Fernsehen. Zudem erhärtete sich am Mittwoch der Verdacht, dass Saari im Amokschützen von November, der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen, sein Vorbild sah. Dieser hatte acht Menschen umgebracht. Ein über das Internet aufgetauchtes Schwarzweiß-Foto lässt zudem darauf schließen, dass Saari die verwirrte Leitphilosophie des Abiturienten übernommen hatte. Das Foto zeigt Saaris Waffenkoffer, in dem eine Pistole, ein Magazin und anderen Schussvorrichtungen liegen. Überschrieben ist das Bild mit dem Satz "Mitleid mit der Mehrheit?". Dieser deutet auf die Schriften des finnischen Ökofaschisten Pentti Linkola hin, das große Vorbild Auvinens.

Unterdessen ging der Schrecken weiter. In der 6300 Einwohner zählenden mittelfinnischen Kleinstadt Pyhäjärvi, dem Heimatort des Amokläufers Matti Juhani Saari, wurden nach einer Drohung im Internet sämtliche Schulen geschlossen. Im ostfinnischen Ort Jorois musste ein Schulzentrum mit 500 Schülern wegen einer Bombendrohung evakuiert werden. Unklar blieb, ob es sich dabei um makabere Schülerstreiche oder ernste Bedrohungen handelte.

Im Nachbarland Schweden kam es an einer Schule im südlichen Ronneby zu einer Explosion. Der Anschlag soll gegen einen Angehörigen des Personals gerichtet gewesen sein. Niemand wurde verletzt.

Von André Anwar

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