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Brüderle-Debatte

Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen

25.01.2013 | 18:38 Uhr
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
Sexismus sei kein Generationen-Thema, sagt die Frauenforscherin Katja Sabisch. Es gebe junge und alte Männer, die für Chancengleichheit kämpfen.

Bochum.   Prof. Katja Sabisch, Frauenforscherin an der Ruhr-Universität Bochum, hält die Äußerungen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle gegenüber einer Journalistin nicht für einen Ausrutscher. Die Wissenschaftlerin vermutet dahinter eine grundsätzliche Einstellung gegenüber Frauen.

Die plumpe Anmache Brüderles an der Hotelbar – das war mehr als dummes Gerede oder ein missglückter Flirt, es war purer Sexismus, sagt Prof. Katja Sabisch, Frauenforscherin an der Ruhr-Universität Bochum. „Er besteht darin, dass der Politiker die junge Frau nicht als Journalistin angesprochen hat, sondern als Frau in eindeutig sexualisierter Art und Weise. Das ist abwertend. Bedenken Sie, er hat ihren Busen kommentiert.“

Wenn Politiker sich gegenüber Frauen so abwertend äußern wie FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle es getan hat, sei dies ein Rückschlag für die Bemühungen um Gleichberechtigung und Frauenquoten. Dahinter vermutet die Wissenschaftlerin eine grundsätzliche Einstellung gegenüber Frauen. „Man muss sich fragen: Wie steht er zum weiblichen Nachwuchs in seiner Partei? Was denkt er über Chancengleichheit und Aufstiegschancen von Frauen? Kann man mit solchen Positionen Wahlkampf machen? Für eine liberale Partei?“

Mächtige Männer fühlen sich oft unantastbar

Prof. Katja SabischFoto: RUB

Prof. Sabisch spricht von „sexualisierter Diskriminierung“ , wenn sich die Gesprächspartner nicht auf Augenhöhe begegnen, sondern eine körperliche sexualisierte Ebene angesprochen wird. Darin bestehe im Brüderle-Vorfall auch der Skandal. Dieser Chauvinismus habe auch etwas mit Macht zu tun, mit dem Gefälle zwischen einer jungen Journalistin und einem einflussreichen und prominenten Politiker. Mächtige Männer lassen sich ihre Geltung gerne durch ihren Erfolg bei Frauen bestätigen. Sabisch: „Sie sind überzeugt, sie hätten dazu das Recht und fühlen sich unantastbar.“ Sie erinnert an Dominique Strauss-Kahn. „Er nahm sich das Zimmermädchen, weil er dachte, er kann es.“

Sexismus sei aber kein Problem älterer Männer, es sei kein aussterbendes Phänomen, da die Machtverteilung in der Gesellschaft ungleich sei. „Es ist kein Generationen-Thema. Es gibt junge und alte Männer, die für Chancengleichheit kämpfen.“ Oder eben nicht.

Christopher Onkelbach



Kommentare
04.09.2013
15:21
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von stinkestiefel | #22

Sexismus und Sex sind aber nicht dasselbe. Zur Fortpflanzung ist Sex normalerweise Notwendigkeit, Sexismus aber kaum. Also bitte nicht die Begriffe verwechseln.

01.02.2013
18:19
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von Gegen-Verbote | #21

Ich denke, dass zu diesem Phänomen immer zwei Personen gehören.

Beide Geschlechter wollen es doch, ist dies nicht auch eine Sachlage die uns die Natur aufgetragen hat?

Ohne Sexismus keine Paare und keine Kinder.

30.01.2013
11:10
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #20

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.01.2013
17:24
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von bloss-keine-Katsche | #19

dazu brauch ich kiene Forscher,
ich mach die Augen auf,
ob HartzIV-TV oder Brisant oder die Aufmacher in den Zeitungen, reiner Seximus!
Gestern meinte eine Kollegin,
"was sagt ein Mann, der bis zum Bauchabel im Wasser steht?" "Datt geht mir getz über mein Verstand."
Ich glaub, wenn wir Männer irgendwann mit unserer Birne zu denken beginnen, dann hat sich datt, und viele andere Probleme, erst erledigt!
(siehe auch unten)

2 Antworten
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von stinkestiefel | #19-1

Wohl wahr, wenn Männer lernen, statt ihr Unterleibshirn auch mal das Ding im Kopf zu benutzen, dann bleiben uns auch einige der Kommentare hier erspart ;-)

Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von stinkestiefel | #19-2

Wohl wahr, wenn Männer lernen, statt ihr Unterleibshirn auch mal das Ding im Kopf zu benutzen, dann bleiben uns auch einige der Kommentare hier erspart ;-)

28.01.2013
18:44
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von Pucky2 | #18

Irgendwie muss der Stern Herrn Steinbrück aus den Schlagzeilen holen... warum nicht so?

27.01.2013
15:18
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von akaz | #17

Ein kleiner, leicht besoffener Möchtegern-Politiker hatte sich und seine Zunge nicht mehr im Zaum. Wahrscheinlich wollte er auch nur spaßig sein und sich als großer Machtmensch darstellen.
#15 hat eine mögliche Reaktion aufgezeigt, und seine Einstellung zu Brüderle teile ich vollauf.
Aber hier waren Medienleute beteiligt. Es ist immer gut, auch dumme Sachen und vor allen Dingen dumme Sprüche zu sammeln, man weiß ja nie, wann man sie gebrauchen kann.
Der passende Termin war eben jetzt. So eine Vorlage, wie das "neue Gesicht der FDP", schreit doch geradezu nach einem Bericht.
Interessant sind die vielen Reaktionen, von Anmache bis hin zu Witzen wird alles in einen Topf geworfen.
Mal abgesehen davon, es kommt immer darauf an, wer da eine Anmache oder einen Witz macht. Es gibt Menschen, die haben die Gabe auch schlimmere Witze gut erzählen zu können, und alle lachen. Bei anderen angeblichen Spaßvögeln muss man sich schon bei Aussagen, wie "Guten Morgen", fremdschämen.

27.01.2013
11:28
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von RennYuppieRenn | #16

Die Sexismus-Debatte schadet den Frauen eher. Der Krieg, der jetzt von ein paar Alpha-Weibchen angezettelt kann von den Frauen nur verloren werden. Die Normalo-Frau schüttelt derweil über solche Dinge angesichts ihrer Alltagsprobleme nur den Kopf.

27.01.2013
11:00
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von EU4ever | #15

Also so wenig ich Herrn Brüderle schätze und so sehr ich für Gleichberechtigung etc bin, langsam wird das ganze lächerlich.

Der Dirndl-Spruch war natürlich plump, viellciht hat sich die Journalistin dadurch tatsächlich bedrängt bzw. beleidigt gefühlt.
Warum hat sie aber darauf nicht einfach etwas entgegnet wie:" Herr Brüderle, bitte unterlassen Sie das - Sie könnten ja mein Großvater sein!"

Und warum kommt sie damit erst nach einem Jahr heraus?



27.01.2013
10:39
Frauenforscherin?
von Wurzelputz | #14

Kann man damit Geld verdienen?
Muss schon so sein, wenn ich bei einem Zeitungshändler die Massen an Frauenzeitungen sehe und den widerlichen Klatsch der dort allgegenwärtig ist. Wenn das die Welt der Frauen ist, verstehe ich auch den 12 Monate alten Angriff der Reporterin.
Und wenn ich an Frauen-Kegelclubs auf Mallorca denke, dann denke ich nur an Flucht!
Und dann fragen Sie mal eine Frau, ob sie lieber in einem Team mit einer weiteren Frau oder mit 10 Männern arbeiten möchte.
Mir tut Herr Brüderle leid und die Reporterin hat den Frauen einen Bärendienst erwiesen, auch wenn zig-Tausende aufschreien, da bleibt ein Geschmäckle.

27.01.2013
08:43
Forscherin hält Sexismus nicht für aussterbendes Phänomen
von Karlot | #13

Die Dame ist nur sauer, weil ein hässlicher, dicker Brüderle und kein gutaussehender Mann ihr sexistisch daherkam.
Mit dem letzteren wäre sie wahrscheinlich ruckizucki im Bett gelandet.
Ach, unsere Frauen!

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