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Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?

22.01.2013 | 17:37 Uhr
Wo gibt es Hilfe, wenn das iPhone kaputt ist? Beim Mobilfunkanbieter jedenfalls oft nicht.Foto: Getty Images

Berlin.   Nach nur 20 Monaten geht das iPhone innerhalb der Vertragslaufzeit kaputt: Ein klarer Fall für kostenlosen Ersatz durch Apple oder den Mobilfunkanbieter? Weit gefehlt. Sind sechs Monate um, muss der Kunde beweisen, dass Schäden von Anfang an existierten - sonst muss der Verkäufer die zweijährige Gewährleistung nicht erfüllen.

Moderne, teure Geräte erweisen sich mitunter als sensible Wesen. Der Akku des 20 Monate alten iPhones von Apple war fast leer. Ladekabel, Steckdose: Da vibrierte das Hochtechnologie-Telefon noch einmal intensiv, dann erlosch es für immer. Kein Pieps war ihm mehr zu entlocken. Konsterniert, aber guten Mutes wandte sich der Besitzer an die Firma O2. Das ist die Geschichte einer kleinen Odyssee.

Sie ist dem Autor dieses Artikels selbst passiert. Beim Besuch des O2-Geschäfts auf der Straße Unter den Linden in Berlin hegte er die folgende Hoffnung: Geräte mit Mängeln können Verbraucher in Deutschland zwei Jahre lang reklamieren. O2 sollte das defekte Handy demnach kostenlos reparieren oder zumindest ein Ersatzgerät zur Verfügung stellen. Schließlich lief der Zweijahresvertrag noch, bei dem das iPhone 3GS mit jeweils 20 Euro monatlich abbezahlt wurde. Naivität, Unkenntnis oder der Glaube ans Gute?

Die Mitarbeiter des O2-Shops ließen sich auf keine Diskussion ein. Ihre Auskunft lautete: Tut uns leid, Sie müssen Ihr iPhone bis zum Ende des Vertrages abstottern, obwohl es kaputt ist. Außerdem bekommen Sie kein Ersatzgerät. Ebenso wenig reparieren wir Ihr Gerät auf Kosten von O2 oder Apple. Natürlich können Sie sich aber gerne ein neues iPhone bei uns kaufen.

Die Unternehmen sind im Recht

Erschreckende Neuigkeiten. Setzen sich die Unternehmen damit über Gesetze und Anstand hinweg? Die für den Kunden ernüchternde Antwort lautet: Apple und O2 handeln im Falle des defekten iPhones weder illegal, noch bewegen sie sich in einer Grauzone. Sie haben schlicht und einfach Recht.

Verkaufsstart iPhone 5

Denn die juristische Lage sieht so aus: Laut Bürgerlichem Gesetzbuch müssen Unternehmen in Deutschland zwei Jahre Gewährleistung für ihre Produkte übernehmen. Geht während der ersten sechs Monate nach dem Kauf etwas kaputt, muss in der Regel der Verkäufer die Ware kostenlos reparieren oder gegen ein neues Gerät austauschen. Die zugrunde liegende Annahme lautet, dass frühe Schäden schon beim Verkauf vorhanden waren. Ausnahme: Der Nutzer ist eindeutig selbst verantwortlich, weil er sein Smartphone beispielsweise in die Badewanne fallen ließ.

Nach den ersten sechs Monaten allerdings, erklärt Michael Sittig von der Stiftung Warentest, dreht sich die Beweislast herum. Dann müssen die Nutzer nachweisen, dass aufgetretene Schäden von Anfang an existierten. Gelingt dies nicht, braucht der Verkäufer die zweijährige Gewährleistung nicht zu erfüllen. Auch für Defekte, die durch Verschleiß entstehen, müssen O2, Apple oder andere Unternehmen nicht geradestehen.

Einjährige Garantiefrist

Und was hat es mit der sogenannten Garantie auf sich? Diese ist eine grundsätzlich freiwillige Leistung der Firmen. So bietet Apple eine einjährige Garantiefrist, innerhalb der Werksschäden an den Geräten repariert werden. Ein weiteres Garantiejahr für das iPhone kann man sich bei O2 beispielsweise für 69 Euro hinzukaufen – was der Autor nicht getan hatte.

Demzufolge sagt im vorliegenden Fall eine Sprecherin des Konzerns Telefonica, zu dem die Marke O2 gehört, dass man leider auch weiter die Raten für das defekte Handy einziehen wolle. Schließlich habe man nicht garantiert, dass das iPhone während der gesamten zweijährigen Vertragslaufzeit funktioniere. Zu Kulanz ist der Weltkonzern ebenfalls nicht bereit. Das wäre zu teuer, heißt es lapidar.

Bleibt die Frage: Was soll man tun? Die komplizierte Variante Eins: Wer hartnäckig ist, kann einen teuren Gutachter beauftragen, der dem jeweiligen Konzern nachzuweisen versucht, dass der spätere Schaden schon beim Verkauf vorhanden war – das Ergebnis allerdings ist ungewiss. Den zweiten Weg beschreibt Warentest-Mitarbeiter Michael Sittig: Von manchen Händlern, beispielsweise dem Internetversand Amazon, ist bekannt, dass sie bei ihnen erstandene, kaputte Geräte zumeist bis zum Ende der Zweijahresfrist kostenlos ersetzen, um sich Ärger mit den Kunden zu ersparen. Und schließlich ist es durchaus eine Überlegung wert, beim Neukauf eine verlängerte Garantie zu erwerben.

Tipp:

Geht das teure Mobiltelefon kaputt, gibt es andere Möglichkeiten, als gleich das Nachfolgegerät beim Telekommunikationsanbieter für 700 Euro zu kaufen. Zahlreiche im Internet auffindbare Reparaturgeschäfte bieten beispielsweise Austauschgeräte an.

Dies sind Telefone früherer Typen mit kurzer Garantie. Ein iPhone 3GS kann man so für 160 Euro bekommen.

Hannes Koch



Kommentare
27.01.2014
08:37
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von McFlurry82 | #8

Hallo, ich hatte leider das selbe Problem. Garantie weg und dann hat der Powerbutton sein Geist aufgegeben. Ich bin aus München und hab eine günstige freie Werkstatt gesucht. Da es an einem Feiertag war, hatte ich mich sehr gewundert doch fündig zu werden. Ich habe bei www.iphone-werkstatt.org angerufen und am gleichen tag ein Termin bekommen. nach ca. 1stdd. konnte ich mein repariertes iPhone wieder abholen. Danke!

25.01.2013
08:20
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von FriedlicherBuerger | #7

Wer sich noch ein Gerät z.B. mit fest installiertem Akku und nicht erweiterbaren Speicher kauft, ist selbst Schuld.
Nachdem was ich von Kollegen so mitbekommen habe, was diese für Ärger und Reparaturen an deren "Eier-Phones" hatten, kaufe ich mir bestimmt keins von dieser Marke.
Beispiel: Gerade Akkus geben bei diesen Geräten mal gerne den Geist vorzeitig auf... wechseln nkann man diesen nicht, man muss das Gerät einschicken, die Rechnung dafür überschreitet dann meist den Restwert des Telefons.
Ich möchte jetzt hier NICHT behaupten dass, diese Geräte mit einem Chip versehen sind welche einen Defekt nach einer bestimmten Frist schaffen, allerdings gibt es viele Produkte auf dem Markt, wo dies so ist.
Fazit für Smartphones: Einfach Produkte erwerben, bei welchen Akku, Speicherkarte usw. selbst gewechslt werden können. Ich bin mit meinem Motorola Defy+ seit langem sehr zufrieden, klar kann dieses Gerät nicht mit einem I-Phone mithalten, soll es aber auch gar nicht. Es soll nur halten..

23.01.2013
13:57
Es ist wirklich nocht nachvollziehbar ...
von Okling | #6

Es ist ja nun wirklich nicht schwer, diese Sache mit der Gewährleistung und der Herstellergarantie.

Warum die Deutschen sich dermaßen beratungsresistent zeigen, ist allerdings ein Rätsel. Die Begriffe werden munter durcheinander geworfen, es herrschen diverse Urban Legends darüber, was Verkäufer oder Hersteller im Schadensfall zu leisten haben oder auch nicht.

Wie schaffen es die Leute bloß überhaupt, ihr iPhone zu nutzen, die Bedienungsanleitung zu verstehen, wenn sie massenweise seit Jahren nicht in der Lage sind, zwei popelige Begriffe zu verstehen?

Die Bedeutung der Begriffe und die Sache mit der Beweislastumkehr nach den ersten 6 Monaten, wird permanent in den Medien rauf und runter gebetet. Aber nix da, die Leute kapieren es einfach nicht.

Anscheinend verstehen die Leute nur das, was sie auch verstehen wollen. Wie man kostenlos an Musik und Filme kommt weiß natürlich jeder.

23.01.2013
13:56
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von patanoster | #5

Komisch, im Aplle Store bekomme ich für 150€ ein Austauschgerät, wenn innerhalb 2 Jahren etwas kaputt ist. Wenn man Apple Care abschließt kostet das nur die 69 Euro.. meine Freundin bekommt also immer ein nagelneues Modell, wenn ich nach 2 Jahren wechsel. Denn selbst ein 4S gibt es für diesen Kurs nicht.

23.01.2013
08:45
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von 2013witten | #4

Wenn schon die WAZ nicht zwischen Garantie (Überschrift) und Gewährleistung (Inhalt des Artikels) unterscheiden kann, sollten wenigstens wir Leser nichts durcheinanderwerfen. Nochmal in Kurzfassung:

Gewährleistung (die berühmten 24 Monate) steht jedem Kunden durch gesetzliche Regelung zu. Dass sich Hersteller und besonders natürlich Verkäufer sehr kreativ anstellen, um sich davor zu drücken, ist eine ganz andere Geeschichte.

"Garantie" ist immer eine freiwillige Sache. Ob es die überhaupt gibt und was die genau beinhaltet, kann jeder Hersteller selbst definieren. Der Kunde hat darauf keinen Einfluss. Er kann sich höchstens beim nächsten Kauf für einen anderen Anbieter entscheiden, der bessere Garantieleistungen zusichert.

23.01.2013
08:22
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von ausOB | #3

Insbesondere bei Autobauern ist es unausgesprochene Praxis das Neufahrzeuge auf den Markt kommen die natürlich nicht so ausgereift sind das keine Defekte mehr entstehen. Nur ein geringer Teil wird davon als Garantieleistung repariert. Vieles wird dem Kunden auferlegt und so getan als wären Defekte unbekannt oder selten.
Gleiche Vorgehensweise gilt sicherlich auch z. B. für Handys oder viele andere Geräte.

23.01.2013
07:39
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von Flachzangen | #2

Das Ganze ist ja immer eine Gratwanderung. Man mag den Unternehmen unterstellen, dass viele Fehler erst nach Ablauf der Gewährleistungsfrist auftreten, aber mal Hand aufs Herz. Wie viele Verbraucher versuchen denn selbst-verschuldete Defekte als Gewährleistungsanspruch durchzubekommen?

Zum Artikel: Man muss nicht immer einen teuren Gutachter engagieren, um im Falle eines Rechtsstreits sein Recht zu bekommen. Darüber hinaus hilft einem eine erweiterte Garantie auch nur immer weiter, denn diese ist in der Regel Hersteller-Sache und wird freiwillig eingeräumt. Zudem er seine Garantiebedingungen relativ großzügig auslegen kann.

23.01.2013
07:11
Manche Gesetze im Interesse der Industrie......
von DerRheinberger | #1

.....erweisen sich eher als Schrottreif als die mangelhaften Geräte derselben.

Hier handelt es sich doch ganz eindeutig um eine gewollte Gesetzeslücke (wenn es mich nicht täuscht, von ROT/Grün), die auch einige Autohersteller wie VW und Mercedes zu ungunsten der Käufer auslegen wollten.Nur hat hier der "Markt" verhindert, dass Autokäufer schon nach 6 Monaten teure Schlampereien der Hersteller auf eigene Kosten instandsetzen mussten.

Doch solche Gesetze im Interesse der Industrie können die Verbraucher nur umgehen, indem man Produkte wie "Apple" im Laden liegen lässt. Wie im Arbeitsleben muss die Devise lauten:

Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will !
(Alle Waren bleiben liegen, wenn du sie nicht kaufst !)

1 Antwort
Enttäuschte Hoffnung auf Garantie - Was tun, wenn das iPhone kaputt ist?
von 2013witten | #1-1

Gnadenlos überteuerte Geräte mit dem Apfel-Logo einfach nicht zu kaufen, ist sicher keine schlechte Idee. Hilft in diesem Fall aber nicht wirklich weiter, denn die Gesetze zum Thema Gewährleistung sind nun mal nicht auf einen einzelnen Hersteller zugeschnitten, sondern gelten für jeden Vertrag mit jedem Anbieter. Dafür hat unser "Verbraucherschutz"-Ministerium schon gesorgt. Schliesslich muss die arme Industrie irgendwie vor den gierigen Verbrauchern geschützt werden, oder?

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