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Zukunftsangst überschattet Präsidentenwahl in Ägypten

17.06.2012 | 09:07 Uhr
Foto: /AP/Pete Muller

Alte Garde oder aufstrebender Islamist? Diese Frage stellt sich für die Ägypter an diesem Wochenende bei einer von Zukunftsangst überschatteten Präsidentenwahl. Bei der zweitägigen Stichwahl, die am Samstag begann, treten der ehemalige Ministerpräsident Ahmed Schafik und der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, gegeneinander an.

Kairo (dapd). Alte Garde oder aufstrebender Islamist? Diese Frage stellt sich für die Ägypter an diesem Wochenende bei einer von Zukunftsangst überschatteten Präsidentenwahl. Bei der zweitägigen Stichwahl, die am Samstag begann, treten der ehemalige Ministerpräsident Ahmed Schafik und der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, gegeneinander an.

Der Sieger der Wahl wird der fünfte Präsident Ägyptens seit dem Ende der Monarchie vor fast 60 Jahren. Schafik gilt als Vertreter der alten Eliten rund um den gestürzten Präsidenten Husni Mubarak. Außerdem soll er dem regierenden Militärrat nahe stehen. Der ehemalige Luftwaffenoffizier hat versprochen, in Ägypten für Recht und Ordnung zu sorgen.

Mursi repräsentiert die gemäßigten Islamisten und versteht sich als Kämpfer gegen eine Rückkehr des alten Regimes. Zuletzt hatte er im Wahlkampf den Schwerpunkt auf die Wirtschaft gelegt und weniger radikale Ansichten zu gesellschaftspolitischen Themen geäußert.

Sie stimmten nicht für einen Kandidaten, sondern gegen den anderen, erklärten einige Wähler. Sie wollten entweder Schafik als Repräsentant des alten Systems verhindern oder befürchten zu starke islamistische Töne unter Muslimbruder Mursi.

"Wir werden zu dieser Wahl gezwungen. Wir hassen sie beide", sagte Sajed Seinhom vor einem Wahllokal im dicht besiedelten Kairoer Stadtteil Bulak el-Dakrur. Sein Weggefährte Mahmud el-Fiki pflichtete ihm bei: "Ägypten ist verwirrt."

Unterdessen wartete der Händler Nabil Abdel Fatah vor einem Wahllokal im Arbeiterviertel Imbaba. "Die Revolution ist uns gestohlen worden", sagte er. Er werde für Schafik stimmen. "Ihn werden wir leicht wieder los, wenn wir wollen. Aber die Bruderschaft wird sich an die Macht klammern", sagte er.

Die Wahl am Wochenende ist den Vorgaben zufolge der letzte Schritt im Prozess der Machtübergabe vom Militärrat an die zivilen Institutionen im Land. Unklar ist allerdings noch immer, inwieweit die Generäle ihr Versprechen halten und am 1. Juli die Verantwortung tatsächlich auf den neu gewählten Präsidenten übertragen. Nach der jüngsten Entscheidung des Verfassungsgerichts, das Parlament aufzulösen, liegen die legislativen Befugnisse bei den Generälen.

Das Urteil hat die Unsicherheit über die politische Zukunft Ägyptens weiter geschürt. US-Verteidigungsminister Leon Panetta äußerte seine Sorge in einem Telefonat mit Feldmarschall Hussein Tantawi, in dem er die Notwendigkeit eines "vollständigen und friedlichen Übergangs zur Demokratie" unterstrich.

Erste Teilresultate der Präsidentenstichwahl dürften am Montag bekannt werden, mit dem amtliche Endergebnis wird am kommenden Donnerstag gerechnet.

dapd

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