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Steinbrück weist Sarrazin in die Schranken

21.05.2012 | 05:26 Uhr

Der frühere Finanzminister Peer Steinbrück hat den Ex-Bundesbankvorstand und Buchautor Thilo Sarrazin (beide SPD) öffentlich in die Schranken gewiesen. In der ARD-Talkshow "Günther Jauch" trat Steinbrück am Sonntagabend entschieden Sarrazins Verknüpfung von Holocaust und Euro-Krise entgegen.

Berlin (dapd). Der frühere Finanzminister Peer Steinbrück hat den Ex-Bundesbankvorstand und Buchautor Thilo Sarrazin (beide SPD) öffentlich in die Schranken gewiesen. In der ARD-Talkshow "Günther Jauch" trat Steinbrück am Sonntagabend entschieden Sarrazins Verknüpfung von Holocaust und Euro-Krise entgegen.

Steinbrück warf Sarrazin mit Blick auf dessen neues Buch "Europa braucht den Euro nicht" Geschichtsvergessenheit und Geschichtsblindheit" vor. Vor dem Hintergrund der Katastrophen des 20. Jahrhunderts habe Deutschland eine europapolitische Verantwortung, die EU zu stabilisieren.

Die antieuropäischen Ressentiments seien nicht wegen des Euros, sondern wegen des falschen Krisenmanagements der vergangenen Jahre ausgebrochen. "Es geht gar nicht mehr allein um Griechenland, sondern es geht um dieses Europa", sagte der SPD-Politiker. Die EU bestehe nicht nur aus einem Binnenmarkt, sondernd sei eine Zivilisation. "Verantwortliche Politik wird beachten müssen, diese europäische Zivilisation voranzutreiben", betonte Steinbrück.

Sarrazins biete in seinem Buch dagegen lediglich "eine sehr platte ökonomistische Analyse" und liefere keinerlei "Handlungsempfehlungen". Er mache den Euro für Fehlentwicklungen verantwortlich, an denen die gemeinsame Währung nur den "geringsten Anteil habe".

Zu Beginn der Talkshow wies Steinbrück eine Äußerung von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) als "Unverschämtheit" zurück, er trete in der TV-Talkshow nur auf, um im Gerangel um die SPD-Kanzlerkandidatur zu punkten. Er müsse vielmehr Sarrazin "in einer ganzen Reihe von Fehleinschätzungen fundamental widersprechen".

Sarrazin bekräftigte bei Günther Jauch die Thesen seines Buches, das in der kommenden Woche erscheint. "Der große Erfolg der europäischen Integration fand bis zum Beginn der gemeinsamen Währung statt", argumentierte er. "Die reinen Daten und Fakten sagen, dass Deutschland durch den Euro keine messbaren Vorteile hatte". Für die Südländer habe die Gemeinschaftswährung "wachsende Risiken" gebracht. Deutschland könne zudem "nicht die Schulden anderer Länder übernehmen wegen der Schuld der Vergangenheit".

In seinem Buch bringt Sarrazin laut "Focus"-Vorabdruck den Holocaust und die europäische Währung in Zusammenhang. Er werfe den Befürwortern von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen vor, sie seien "getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben".

Sarrazin hatte bereits mit seinem 2010 erschienenen Bestseller "Deutschland schafft sich ab" für heftige Kontroversen gesorgt. Darin hatte er umstrittene Thesen zur Migration aufgestellt und behauptet, alle Juden teilten ein Gen.

dapd

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