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Kasper König hatte einen Traum

01.06.2012 | 18:31 Uhr
Foto: /dapd/Hermann J. Knippertz

Vom Chill-Out-Room über eine Mini-Skyline bis zu Spielzeugautos auf einer verbogenen Fahrbahn: Rund 2.000 Kunstwerke und Gruppen hat Direktor Kasper König in seiner Amtszeit am Kölner Museum Ludwig angeschafft. Davon können andere Museumschefs nur träumen. Jetzt - wenige Monate vor seinem Ruhestand - nimmt der deutschlandweit gefeierte Ausstellungsmacher mit einer persönlichen Auswahl Abschied.

Köln (dapd-nrw). Vom Chill-Out-Room über eine Mini-Skyline bis zu Spielzeugautos auf einer verbogenen Fahrbahn: Rund 2.000 Kunstwerke und Gruppen hat Direktor Kasper König in seiner Amtszeit am Kölner Museum Ludwig angeschafft. Davon können andere Museumschefs nur träumen. Jetzt - wenige Monate vor seinem Ruhestand - nimmt der deutschlandweit gefeierte Ausstellungsmacher mit einer persönlichen Auswahl Abschied. Etwa 80 Gemälde, Skulpturen und Installationen zeigt der 68-Jährige ab Samstag (2. Juni) in dem Museum für moderne Kunst.

Für König schließt sich der Kreis. Kurz nach seinem Antritt vor zwölf Jahren erklärte er unter dem Ausstellungstitel "Museum unserer Wünsche", was er gerne für das Museum Ludwig kaufen möchte. Zwei Drittel der Träume wurden schließlich Wirklichkeit. "Es ist ein Privileg, hier zu arbeiten", sagte der Museumschef der Nachrichtenagentur dapd. Seine Bilanzschau "Ein Wunsch bleibt immer übrig" (bis 4. November) sei auch selbstkritisch gemeint. "Wenn alle Wünsche in Erfüllung gingen, wäre das ein Albtraum."

Kuriose Arbeiten beherrschen die Abschiedsausstellung: Ein grausamer Blickfang ist Isa Genzkens Installation "Kinder filmen". Die Bildhauerin stellt mit Puppen, Sonnenschirmen und jeder Menge Plastik die Verwahrlosung der Menschheit dar. Rosemarie Trockel formt mit einem gewebten Riesenteppich das Meer. Und der US-Amerikaner Stephen Prina hat gleich eine ganze Chill-Out-Zone mit rosafarbenen Polstern und einer Musikanlage aufgestellt.

Eine Reihe der präsentierten Exponate waren nach Sonderausstellungen einfach in Köln geblieben. So auch ein mit Schrauben zusammengeflickter Baum, der zuvor in "Vor dem Gesetz" zu sehen war. Dabei sind auch Arbeiten von Hans-Peter Feldmann, Thomas Bayrle und Franz West.

König hatte in seiner Zeit gleich mehrere Vorteile, die viele andere seiner Kollegen nicht haben. Den Ankaufsetat ließ er sich vor zwölf Jahren fest in seinen Anstellungsvertrag schreiben, zusätzliches Geld schießen gleich mehrere Initiativen dazu. Und der unbezahlbare Vorteil: Die Kunstmäzene Ludwig spendeten ganze Sammlungen, darunter allein 774 Picassos auf einen Streich.

So stieg das Museum am Dom unter König an die Spitze der deutschen Häuser für moderne Kunst auf. Die Pop-Art-Sammlung ist die größte außerhalb Amerikas. Dazu kommen rund 600 Arbeiten der russischen Avantgarde. Ende Oktober ist König nicht mehr Chef der Sammlung, sondern allenfalls ein Besucher: Er geht in den Ruhestand. Für den umtriebigen König, der bereits mit 25 Jahren Andy Warhol präsentierte, bedeutet das ein Lehrauftrag in den USA und die Fortsetzung seiner Kuratorentätigkeit an anderen Orten.

( http://www.museum-ludwig.de )

dapd

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