Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Klassik

Was Sie übers Wiener Neujahrskonzert wissen müssen

30.12.2012 | 18:44 Uhr
Was Sie übers Wiener Neujahrskonzert wissen müssen
Bis zu 41 Jahre kann es dauern, eine Karte für das Neujahrskonzert der Wiener Symphoniker zu bekommen. Und dann entscheidet das Los.Foto: dpa

Essen.  Es ist das berühmteste Klassik-Konzert der Welt: Das Wiener Neujahrskonzert wird in über 70 Länder übertragen und gehört zu den begehrtesten Musikergeignissen überhaupt. Wer vor Ort dabei sein will, braucht Glück und Geduld.

Was kosten die Karten?

Die teuersten 940 Euro. „Es gibt auch reine Hörplätze am Orgelbalkon, da sehen Sie ein bisschen ins Gemüse der Blumendekoration, und auf die Decke des Saales. Dafür hören Sie dort exzellent und der Preis ist mit 90 Euro etwa doch nicht überzogen?“, fragt Reinhard Öhlberger, Kartenverwalter der Wiener Philharmoniker. Stehplätze gibt es für 30 Euro. Aber man wartet lang (siehe Interview).

Wer hat’s erfunden?

Natürlich die Österreicher. Das erste zum Jahreswechsel gab es 1939, das erste am Neujahrstag 1941. Clemens Krauss dirigierte. Dass das „1939er“ ein reines Propagandakonzert zum Anschluss Österreichs an Hitlers Großdeutschland gewesen sei, sieht der Wiener Philharmoniker und Historiker Dr. Clemens Hellsberg als zu einseitige Deutung – dieses wienerische Programm wurde auch als subtiler Hinweis auf Österreich verstanden, das es auf den damaligen Landkarten nicht gab.

Interview
"Eine Karte gibt es alle 41 Jahre"

„Eine gewisse Gerechtigkeit“: Reinhard Öhlberger, Fagott, ist bei Wiens Philharmonikern für die Kartenvergabe zuständig. Er rät Säuglingen, sich schonmal zu bewerben, damit sie pünktlich zur Midlife-Crisis ins Neujahrskonzert können.

Ist das nicht hart: Zu arbeiten, wenn der Rest der Welt seinen Silvesterkater pflegt?

Was vom Taxifahrer bis zum Chefarzt fast jeder als Luxus empfindet, gilt für die Wiener Philharmoniker nicht. Im Gegenteil: Das Neujahrskonzert zählt für die Musiker zu den schönsten Auftritten des Jahres. „Das Konzert ist bei unseren Musikern sehr begehrt“, sagt Clemens Hellsberg als Vorstand der „Wiener“. Für eine andere Haltung hätte er auch wenig Verständnis: „Wem das nichts gibt, wem das ein Beschwernis ist, der hätte wohl den Beruf verfehlt.“

Ist Strauß für die noblen Wiener Philharmoniker zweite Garnitur?

Nein. Die Philharmoniker bestehen aus lauter Bewunderern: Sie lieben ihre „Sträuße“ samt Zeitgenossen wie Lanner oder Waldteufel, sehen sie auf Augenhöhe mit den Großen. „Man glaubt nur, das sei leichte Unterhaltungsmusik“ sagt Clemens Hellsberg und zitiert Brahms. Der erfüllte einst einen Autogrammwunsch mit Takten des Donauwalzers und schrieb: „Leider nicht von mir.“

  1. Seite 1: Was Sie übers Wiener Neujahrskonzert wissen müssen
    Seite 2: Was muss einer können, der das Neujahrskonzert dirigiert?

1 | 2


Kommentare
Aus dem Ressort
Salzburgs „Don Giovanni“ jagt im Hotel den Röcken nach
Salzburger Festspiele
Ein Macho-Mannsbild wie aus dem Bilderbuch. Salzburgs neuer „Don Giovanni“ hat einen Titelhelden, der sich sehen lassen kann. ldebrando d’Arcangelo ist ein Womanizer wie aus dem Bilderbuch. Doch nach temporeichem Start ist die Neuinszenierung szenisch und musikalisch nicht bis zum Ende überzeugend.
Tomorrowland 2015 - das ist mit dem Festival geplant
Tomorrowland
Das zehnjährige Tomorrowland-Jubiläum war für den Veranstalter ID&T ein großer Erfolg. Die Ausweitung des Festivals auf zwei Wochenenden hat sich mit dem Verkauf von 360.000 Tickets binnen einer Stunde bewährt. Und so geht es mit Tomorrowland 2015 weiter:
Die Beatles kommen zurück nach Hamburg
Musical
Der Karrierestart der Beatles in Hamburg wurde schon oft erzählt. Das Musical "Backbeat", das jetzt in Hamburg Premiere feierte, wählt eine andere Perspektive und stellt die Beziehung zwischen dem "fünften Beatle" Stuart Sutcliffe und der Fotografin Astrid Kirchherr in den Fokus.
74-jähriger Hagener arbeitet sich in die Streetart-Szene ein
Fotografie
Man traut es ihm auf den ersten Blick einfach nicht zu: Mit 74 Lebensjahren hat sich Peter Beuker der Streetart-Kunst verschrieben. Mit seinem Fotoapparat dokumentiert er allerorten gesprühte Motive, die ihn faszinieren. Demnächst beteiligt er sich sogar an einer Ausstellung in der Kooperative K.
"Den Krieg im Osten der Ukraine gäbe es nicht ohne Russland"
Schriftstellerin
Traumatische Kriegserlebnisse von Kindern hält Swetlana Alexijewitsch in ihrem Buch "Die letzten Zeugen" fest. im Interview spricht die weißrussische Schriftstellerin über Krieg und Frieden - und die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt.
Umfrage
Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

 
Fotos und Videos