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Interview

Spencer Davis Group - mit 70 Jahren noch auf Tour

01.10.2009 | 07:48 Uhr
Spencer Davis Group - mit 70 Jahren noch auf Tour

Dortmund. In den 60er Jahren wurde die "Spencer Davis Group" in einem Atemzug mit den Beatles oder den Rolling Stones genannt. Aber ihr Chef, Spencer Davis, hat sich mit seinen 70 Jahren noch immer nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Im Interview verrät er, warum nicht.

Sie machen seit 50 Jahren Musik - und haben nicht vor, aufzuhören. Am 29. Oktober macht die "Spencer Davis Group" Station im "Piano" an der Lütgendortmunder Straße 43. Andreas Winkelsträter sprach mit Spencer Davis, der seit vielen Jahren in Kalifornien lebt.

Ein Hit von Ihnen ist "Keep On Running". Ist das auch Ihr Lebensmotto?

Info
Seit 50 Jahren auf der Bühne

Spencer Davis spielt im Rahmen seiner „50th Stage Jubilee Tour” am Donnerstag, 29. Oktober, im Piano, Lütgendortmunder Straße 43.

Der Vorverkauf hat begonnen. Die Karten kosten im Vorverkauf 18 Euro, an der Abendkasse 25 Euro.

Folgende Band wird spielen: Colin Hodgkinson (voc), Miller Anderson (guit. / voc) Eddie Hardin (keys / voc.) sowie Steff Porcell (drums).

www.musiktheater-piano.de

Spencer Davis: Ja, das ist wahr. Keep on Running, das tue ich die ganze Zeit, mein ganzes Leben schon.

Es gab also nie Momente in Ihrer Karriere, an denen Sie ans Aufhören dachten?

Davis: Nein, das habe ich nie getan. Musik ist meine Leidenschaft. Wann war das? Ja, Mitte der 70er Jahre musste ich zwar nicht im Büro arbeiten, habe aber mit der Schallplattenfirma Islands Records zusammengearbeitet. So eine Art Scout und Betreuer für Musiker. Damals arbeitete ich mit Robert Palmer, Eddi & The Hot Rods, Bob Marley, oder Third World. Das war ganz interessant. Ich hatte das Bild von der anderen Seite gesehen und ein bisschen besser verstanden.

Sie haben Ihre Karriere vor 50 Jahren begonnen. Wenn Sie die Zeit damals mit der heutigen vergleichen, was sind die gravierenden Unterschiede?

Davis: Heute ist Musik mehr eine Modeerscheinung, mehr als eine musikalische Ausdrucksweise. Für mich ist die Musik die Hauptsache, nicht Musik, die in irgendwelche Modeerscheinungen passt.

In Deutschland studiert

Sie sind während Ihres Studiums auch nach Deutschland gekommen, nach Berlin. Wie kam's dazu?

Davis: Ich habe Germanistik und vergleichende Philologie auf der Universität in Birmingham studiert. Es wurde verlangt, ein paar Semester auf eine deutsche Universität zu gehen. So besuchte ich die Freie Universität in Dahlem, in Berlin. Ich fühlte mich da ganz zu Hause. Ich wohnte übrigens in Schöneberg.

Und Sie haben noch schöne Erinnerungen an jene Zeit?

Davis: Wunderbare Erinnerungen. Ich hatte auch eine wundervolle Freundin, Karin. Aber ist total aus meinem Leben verschwunden. Ich träume immer noch manchmal von ihr (lacht).     

Und Sie haben damals auch ein Lied auf Deutsch aufgenommen?

Davis: Ja, unser Produzent heißt Siegfried Loch und arbeitete mit Warner Brothers. Und wir haben damals ,Det war in Schöneberg' aufgenommen, in Berliner Dialekt. Ganz, ganz komisch. Heute ist das sogar auf einer Sammleredition.

"Wir waren jung, wir wollten nur Musik machen"

Haben Sie beim Beginn Ihrer Karriere überhaupt darüber nachgedacht, dass Sie so viel Erfolg haben werden und mit 70 Jahren immer noch auf Tour gehen werden?

Davis: Überhaupt nicht. Ganz und gar nicht. Wir waren jung, wollten nur Musik machen.     

Wie kam es denn dazu, dass Sie mit der Musik angefangen haben?

Davis: Also mit vier Jahren besuchte mich mein Onkel Hermann Johansen. Er ist Däne, spielte Mandoline und Klavier. Er besuchte mich in Swansea. Wissen Sie, ich bin Waliser, geboren in derselben Stadt wie Cathrine Zeta-Jones. Er hat mich besucht und spielte Mandoline. Es war Liebe auf den ersten Blick. Mit acht habe ich angefangen, Mundharmonika zu spielen. Ich wollte eine Gitarre haben. Meine Eltern kannten nicht mal den Unterschied zwischen einem Akkordeon und einer Gitarre. So musste ich auf dem Akkordeon üben, üben, üben.    

Sie werden ja von vielen auch als Wegbereiter des Rock gesehen, viele Bands nennen Sie als Vorbild. Sehen Sie das auch so?

Das wäre ein bisschen arrogant, das zu sagen. Ich habe viel gelernt von anderen Leuten. Es ist wie eine endlose Kette. Ein Beispiel: Ich höre gerne die Musik von Haddi Ledbetter oder John Lee Hooker. Wir haben eine Single von John Lee Hooker aufgenommen, "Dimple". Und wenn ich als Gast bei den Animals spiele, dann spielen wir "Boom Boom". Und so werden vielleicht andere von mir und meiner Musik gelernt haben.

Gibt es denn zurückblickend ein Lied, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Davis: Oh, es gibt viele. Es sind nicht unbedingt die Hits. Zum Beispiel "Look Away", "Every Little Bit Hurts", "When I Come Home", "Georgia On My Mind". Den Steve Winwood damals bei mir gesungen hat. Wir waren keine richtige Popgruppe. Obwohl "Keep On Running"... nein, das ist auch Rhythm'n'Blues. Wie waren in derselben Familie wie die Rolling Stones, die Animals oder Manfred Mann. Ein bisschen Jazz, ein bisschen Blues. Ich habe niemals gedacht, dass wir mit "Somebody Help Me" oder "Gimme Some Loving" die Nummer 1 werden würden. Ganz hoch auch in den US-Charts.

Wie ist denn überhaupt "Keep On Running" entstanden?

Davis: Chris Blackwell war einfach alles damals, unser Manager und Plattenproduzent. Und deshalb verdiente er auch mehr Geld als wir alle zusammen (lacht). Das ist eine typische Geschichte. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Er hat mich angerufen und ein Demo vorgespielt von Jackie Edwards. Er spielte Piano bei mir und sang "Keep On Running". Ich wusste sofort, dass das Lied für uns war. Und ich hatte Recht. "Somebody Help Me" - die selbe Geschichte.

Geschäftliche Probleme mit Steve Winwood

Sie nannten den Namen Steve Winwood. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Davis: Also, mehr mit seinem Bruder Muff. Es gibt verschiedene Geschäftsprobleme zwischen mir und Steve. Steves Bruder, Muff, und ich, wir haben zusammen daran gearbeitet und sie gelöst. Und es geht immer noch - mit Muff.

Ohne Musik geht's nicht in Ihrem Leben? Es kribbelt immer noch? Sie haben im Herbst 2008 eine Single veröffentlicht "I Can't Stand Still". Und das ist ein zweites Lebensmotto?

Davis: (lacht) Was ganz interessant ist an dem neuen Album "So Far": Die meisten Songs habe ich komponiert oder zumindest daran mitgearbeitet. Aber "I Can't Stand Still" habe ich nicht komponiert. Das ist von unserem Klavierspieler und dem Produzenten Eward Tree, ein Lied über mich. Ganz komisch (lacht).

Sie kommen jetzt mit sehr guten Musikern nach Dortmund. Können Sie was zu der Band erzählen?

Davis: Pete York ist einer der besten Schlagzeuger nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Welt. Er schwärmt für Buddy Rich. Er ist aber ein bisschen zu jazzig für mich. Aber wir haben mit Miller Anderson von der Keef Hartley Band und natürlich Colin Hodgkinson, zwei exzellente Musiker. Hodgkinson hat bei Alexis Corner Jahre gespielt. Alexis war auch ein guter Freund von mir, ein Ratgeber. Ein Mentor. Und nicht zu vergessen, Eddie Hardin. Er hatte den schwierigsten Job bei uns. Er musste Winwood ersetzen. Damit hatte er jedoch keinerlei Probleme. Und er ist immer noch dabei.

Und mit den Musikern werden Sie auch wieder auf Tour gehen?

Davis: Ende Oktober, Anfang November sind wir unterwegs durch Deutschland. Mit diesen Musikern, die gehören einfach zu mir.

Deutschland als zweite Heimat

Sie hatten ja weltweit Erfolge, aber besonders auch in Deutschland. Ist für Sie Deutschland etwas Besonderes?

Davis: Meine zweite Heimat. Ich war gerade erst in Duisburg. Als Gast habe ich mit den Animals gespielt, mit John Steel, dem Original-Schlagzeuger der Animals.

Sie leben ja in Kalifornien, sind aber immer noch weltweit in Sachen Musik unterwegs?

Davis: Es ist einfacher zu sagen, dass wir letztes Jahr nicht in Südamerika waren. Ansonsten überall auf dieser Welt. Das ist schon wahnsinnig interessant. Und es macht mir immer noch Spaß.

Wenn Sie Ende Oktober nach Deutschland fliegen. Welche Musik werden Sie im Gepäck haben? Denn wenn Sie alles spielen wollten, müssten Sie ja Tage auf der Bühne stehen?

Davis: Also, natürlich auch die alten Stücke. Und natürlich auch die neuen Songs von "So Far". Es muss eine Mischung sein. Wenn man in der Vergangenheit bleibt, dann gibt es viel Staub auf den Songs. Man muss weitergehen. Man muss sich selbst und die Musik weiter entwickeln. Das ist wichtig. Und wir wollen auch einige der alten Stücke entstauben.

Gibt es denn ein Geheimrezept, wie man mit 70 Jahren noch so fit ist?

Davis: Ich sitze auf dem Balkon, gucke auf den Pazifik, trinke eine Tasse Tee. Ich bin glücklich. Ich hatte zwar Anfang des Jahres ein paar gesundheitliche Probleme, musste mir einen Teil des Darms entfernen lassen. Aber jetzt ich bin fit. Ich schwimme gerne. Vorgestern etwa waren wir in einem Kajak unterwegs. Fünf Kilometer mit dem Kajak und zurück, dann schwimmen. Ich tue es, wenn ich es kann. Wenn ich auf Tournee bin, dann ist es schwerer. Aber hier zu Hause halte ich mich fit.

Andreas Winkelsträter

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