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Interview

Max Herre - Mit ANNA in die große Popwelt

01.09.2009 | 07:04 Uhr

Dortmund. Direkt, echt und leidenschaftlich singt Max Herre ungeschmückte Songs aus dem Leben. Am 15. November 2009 kommt der Sänger ins neue Dortmunder FZW. WR-Redakteur Andreas Winkelsträter sprach mit dem Musiker.

Ihnen ist die Musik in die Wiege gelegt worden, hört man. Ihr Vater soll Platten gesammelt haben, ihre Mutter gesungen haben?

Max Herre: Das ist leider ne Mär, die sich in Wikipedia festgesetzt hat. Meine Mutter singt auch, ist aber keine Sängerin. Mit der Legende muss ich heute brechen. Aber Musik war immer ein Thema in unserer großen Familie, die musikalisch ist.

Was war denn der Auslöser dafür, dass Sie Musik machen wollten?

Max Herre: Ich hab tatsächlich schon immer gerne gesungen. Hab dann mit elf, zwölf Gitarre gespielt, mich auszuprobieren. Ein Freund, der schon viel weiter war, war Udo Lindenberg-Fan. Das wurde damals rauf und runter gespielt. Und dann nach und nach andere Sachen. Und ich hatte immer Freundinnen und Freunde im Freundeskreis, deren Eltern Musik gemacht haben, die große Plattensammlungen hatten. Da haben wir angefangen unsere Kassetten zu machen. Stevie Wonder, Bob Marley, Bill Withers, Curtis Mayfield, vor allem Soulsachen. Es gab eine Freundin, mit 13, 14,. So was ganz unschuldiges. Ihr Stiefvater war Bassist, der im Wohnzimmer geprobt hat. Und da hatte ich Lust, das auch zu machen. Soul und Reggae-Sachen haben wir nachgemacht, da war ich 15. Mehr recht als schlecht, aber ambitioniert. So kam ich da rein. Anfang der 90er wurde Hip Hop dann ein immer größeres Thema. Ich hab einen kleineren Bruder, der da richtig viel nach Hause brachte. Da fing ich dann an, die ersten Rap-Sachen zu machen. Das fiel mir auch leichter als Gitarre zu spielen.

Wie hat sich Freundeskreis entwickelt?

Max Herre: Das hat sich auch entwickelt. Mit 20 hab ich die ersten Rap-Sachen geschrieben, bin damit in die Clubs in Stuttgart gegangen. Da waren andere Leute vor Ort. Da hat sich dann eine Szene entwickelt. Ich hab DJ Friction kennengelernt und so kam einer zum anderen. Ab 1993 haben wir dann ne Liveband da reingeholt und ab '96 hießen wir dann Maximilian und der Freundeskreis.

Wie wichtig war Freundeskreis für Ihre Karriere?

Max Herre: Das war als Berufsmusiker meine erste Station. Wir waren sehr glücklich, weil das gleich los ging, nach Abitur und Zivildienst. Direkt einen Plattenvertrag bekommen. Das Album kam 1997 sehr schnell. Und das wurde gleich ein relativer Erfolg. So wurde dieser Weg vorgezeichnet. Wir waren da zur richtigen Zeit am richtigen Fleck.

Der erste große Hit war ANNA. War wäre ohne diesen Hit für Sie passiert?

Max Herre: Musik war mein Ding. Wir hatten das Glück, dass wir gleich als ne Albumband wahrgenommen wurden. Das Album wurde gechartet bevor die Single gechartet wurde. Wir hatten die Single schon mal in einer anderen Version 1996 rausgebracht. Nur hatte sie niemanden interessiert. Natürlich war ANNA das trojanische Pferd. Der große Sprung in die Popwelt. Es wäre ohne den Song eventuell langsamer gegangen. Aber das Album war stark genug, dass wir uns damit etabliert hätten über kurz oder lang.

Sie haben dann aber gesagt: Ich schlag lieber die Solokarriere ein.

Max Herre: Eigentlich nicht. Wir haben Freundeskreis von 1996 bis 200 sehr intensiv gemacht. Dann lernte ich 1999 Joy Denalane kennen. Dann kam das zweite Album Esperanto. Da war ein ziemlicher Rummel um uns herum. Mir war das auch ein bisschen viel. Ich hatte Lust, musikalisch auch etwas anderes zu probieren und habe dann angefangen, mit Joy diese Platte zu produzieren. Da habe ich dann für mich dieses Produzieren entdeckt. Und da konnte ich mich ganz auf die Musik konzentrieren. Da spielte das ganze Außen keine Rolle, wo ich in die zweite Reihe gehen konnte. Diese Jahre waren eher die Produzentenjahre. Wir haben Joys Platte 2002 gebracht. Dann der Umzug nach Berlin. Und hab dies oder jenes ausprobiert. Ich bin nicht direkt und gezielt in die Solokarriere gegangen.

Aber es hat Ihnen doch in den Fingern gejuckt, wieder selbst Musik zu machen?

Max Herre: Ja, sicher. wenn man dann abends nur vor der Bühne steht als Produzent. Als Musiker und Performer hat es dann gekribbelt. Dann kam der Punkt, an dem ich dacht. ,Es wäre schön, wieder was zu machen'. Ich habe auch in dieser Zeit gesucht, was mir gefällt. Wieder Frontmann zu sein. Der Wunsch nach einem homogenen Album war da.

Gibt es Musiker, die sie beeinflussen, Vorbilder?

Max Herre: Immer. Natürlich. Ich glaube, dass jeder Musiker am Anfang erst einmal Fan ist. Da gibt es Leute, die begleiten mich wirklich seit meiner Jugend. Ganz früh Udo Lindenberg. Dann gibt es da Leute wie Bill Whithers, Curtis Mayfield. Und dann die letzten fünf, sechs Jahre verstärkt Folksänger. Da die Bekannten Neil Young, James Taylor, Van Morrison, Bob Dylan. Das sind auf jeden fall Sachen, die ich mir anhören, die ich auch sehr schätze und mag. Wo ich natürlich auch Sachen für mich rausziehen.

Das aktuelle Album heißt „Ein geschenkter Tag”. Wie ist das Album aus Ihrer Sicht?

Max Herre: Es ist ein Gesangsalbum, akustisch gehalten. Die Sachen sind alle live eingespielt. In einer intensiven Studiowoche haben wir es eingespielt. Und dann bin ich ins Studio und hab die Songs gesungen. Eine sehr persönliche Platte. Denn ich habe mich in den letzten zwei Jahren neu justieren und aufstellen müssen. Das Album ist auch ein Produkt dieser Zeit, eine Reflexion dieser Zeit. Ja, es ist ein Album, auf dem die Basis die Akustikgitarre ist. Viele habe ich erst einmal allein angefangen. Einige mit Frank Kuruc, für den ich schon für Joy-Sachen gearbeitet hatte. Ich war in Erfurt bei Clueso. Insgesamt der Prozess waren zwei Jahre. Wobei ich auch Zeit brauchte, um mir einzugestehen, dass ich für eine Richtung entscheiden musste. Zumindest, wenn ich was homogenes machen will. Vorher bin ich immer noch zweigleisig gefahren, hab gesungen, hab auch noch Rap-Strophen gemacht. Doch hab ich mich entschieden, dass das, was ich erzählen möchte, sich am besten über diese Gesangsachen erzählen lassen. Da fühl ich mich einfach wohl.

Das Album heißt „Ein geschenkter Tag”. Warum?

Max Herre: Ich hatte so ein kleines Fragment angefangen, ein kleines Gedicht über einen Tag im Kalender, an dem alle möglichen Dinge passieren, die sonst nicht passieren. Eine Platte, die noch vorn blickt, relativ hoffnungsvoll. Ein verschenkter Tag ist ja auch ein Tag, den man sich so einrichten kann, wie man will. Der Song selbst ist ein Song über einen Typen, dem eher Dinge schief gehen. Der aber festgestellt hat, dass er manche Dinge nicht ändern kann, aber seine Sicht auf diese Dinge. Und sich damit auch ein Stück Dinge ändern. Das ist das, was ich mit dem Titel verbinde.

Was passiert in den nächsten Wochen? Das Album kommt am 18. September.

Max Herre: Also jetzt bewerbe ich das Album. Wie heute. Dann ziehe ich mich mit der Band zurück. Das ist eine vierköpfige Band plus ich. Wir spielen die ersten kleineren Gigs, Radiogigs. Und dann geht im November die Tournee los mit dieser band. Das ist wie ne Gastspielgeschichte. Da spielen wir dann auch mal zwei, drei Abende hintereinander in der gleichen Location. Ich hab probiert, es mal näher ranzuholen. Das sind Sachen, die eher wirken wie im Theater, bestuhlt teilweise.

Ist für Sie die Nähe zum Publikum wichtig?

Info
Ein Stuttgarter

Max (Maximilian) Herre wurde am 22. April 1973 in Stuttgart geboren

Schon mit 15 Jahren gründet er seine erste Band „Seed-less Jam”, ehe er 1997 mit Freundeskreis den Hit ANNA landet.

„Die Quadratur des Kreises” und „Esperanto” heißen die beiden ersten Alben von Freundeskreis.

Auf der Suche nach einer Sängerin lernt er Joy Denalane kennen. Die beiden heiraten 2001. Zwei Söhne stammen aus der Ehe. 2007 trennt sich das Paar.

Er produzierte Joy Denalanes Album „Mamani”, das 2002 erscheint.

Am 15. November tritt Max Herre im FZW auf.

Die Tickets kosten € 30,10. Sie gibt es über www.eventim.de

www.fzw.de

Max Herre: Ja, ich find's sehr schön. Denn es passt hervorragend zu den Geschichten, die ich jetzt er-zähle. Ich freu mich wirklich drauf. Denn es heißt auch für mich, dass ich mich mehr auf das Musizieren konzentrieren kann auf der Bühne. Und es weniger um den Entertainmentcharakter geht, so ne Menge anzuheizen, wie das im HipHop der Fall ist.

Was werden Sie dem Publikum in Dortmund denn musikalisch bieten?

Max Herre: Der Schwerpunkt ist das neue Album. Und dann werde ich sicher auch ein paar alte Sachen spielen, versuche aber, die auch einzubinden. Dann aber eher die Sachen, von denen ich das Gefühl habe, sie passen. Es wird sicher ANNA geben. Doch werde ich auch versuchen, die Sachen umzuarbeiten, um sie eben auch musikalisch zu färben für die Stilistik, die ich gerade auch mag.

Kennen Sie Dortmund?

Max Herre: Ich kenn Dortmund. Ich kenne mich nicht sehr gut aus. Ich hab Verwandtschaft dort. Zum Spielen fand ich's immer toll. Ich hab das Gefühl, es ist sehr erdig. Auch der Saal, in dem wir gespielt haben (Anmerkung: altes FZW), war ne gewachsene Rocklocation. Da hab ich mich sehr wohl gefühlt und bin immer sehr gut aufgenommen worden.

Andreas Winkelsträter

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Max Herre - Mit ANNA in die große Popwelt
Max Herre - Mit ANNA in die große Popwelt
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2009-09-01 07:04
Musik