Candy Dulfer: "Ich bin verliebt in mein Saxophon"
23.05.2009 | 15:25 Uhr 2009-05-23T15:25:00+0200Dortmund. Mit ihrem Saxophon hat sie die Welt erobert, spielte mit Größen wie David Stewart, van Morrison oder auch Prince zusammen. Am 22. Juli spielt sie in Dortmund, im Strobels. Andreas Winkelsträter sprach mit Candy Dulfer.
Sie haben gerade ein neues Album veröffentlicht. Erzählen Sie unseren Lesern doch ein wenig über „Fun-ked Up And Chilled Out”.
Candy Dulfer: Es ist ein Doppelalbum. Auf der einen CD sind funkige Sachen, die gut abgehen, Musik für eine Party. Auf der anderen CD sind ganz ruhige Sachen zum Chillen. Das ist das erste Mal, dass ich ein solches Album gemacht habe. Die Reaktionen darauf sind supergut. Ihr freue mich, dass wir es gemacht haben. Und da es derzeit ja eine Wirtschaftskrise gibt, haben wir noch eine CD „Funk Up”, eine Sammlung von beiden, veröffentlicht. Wenn die Leute nicht so viel Geld haben.
Und von der Musik her ist es wieder ein Stilmix?
Dulfer: Ja, sicher. Wir haben Reggae, gesprochene Worte, Rap, HipHop, wir haben einen der besten HipHopper Hollands dabei. Es gibt Soul, Funk, von jedem ein bisschen.
Ihr Name ist heute in aller Welt bekannt. Wie kam es dazu, dass sie als Frau Saxophon spielen?
Dulfer: Ich bin ganz früh angefangen, als ich fünf Jahre alt war. Das war eigentlich mein Vater, der auch Saxophon spielt. Ich hab damals gesehen, wie glücklich er damit war. Und da habe ich ihn einfach gefragt: ,Darf ich auch mal Saxophon spielen?'” Er hat mir ein Saxophon in die Hände gegeben, ein Sopran. Und von dem Moment an war ich verliebt darin und habe nicht mehr aufgehört. Mein Vater hat mich immer angespornt und mir geholfen, aber nie unterrichtet. Er hat aber niemals die Initiative ergriffen. Das musste ich immer selbst tun. Es ist immer von mir aus gegangen.
Aber Ihr Vater hat Sie immer begleitet, was das Spielen angeht, ihre Karriere?
Dulfer: Begleitet kann man nicht sagen. Wenn ich Fragen hatte, war er immer da. Seine Meinung ist mir immer noch sehr wichtig. Ich hab nur zugeschaut, wie er es immer gemacht hat. Aber er war nie mein Manager oder so. Er hat nie aktiv Dinge gemacht. Obwohl ich heute 39 Jahre alt bin, stellt er mir immer noch eine Frage: „Bist Du immer noch glücklich, willst Du immer noch Saxophon spielen, hast Du Spaß daran?” Das ist, was ihn interessiert. Er ist wie auch ich erstaunt, wie erfolgreich ich geworden bin. Er auch, natürlich. Wir sind jedoch beide überrascht, dass das Saxophon mein Instrument geworden ist. Und ich habe dem Instrument so viele schöne Stunden zu verdanken.
Ab wann stand für Sie denn fest, dass Berufsmusikerin werden wollten?
Dulfer: Ich wollte eigentlich immer so viel spielen wie ein Berufsmusiker. Mein Vorbild war immer mein Vater. Er hat immer Musik gemacht ohne Kompromisse. Er hat immer nebenher gearbeitet. Er war Autoverkäufer bei General Motors, er verkaufte Opel. Er schlief nur drei Stunden pro Nacht. Er hatte aber Spaß an allem, am Verkaufen, aber auch am Spielen. Er war superglücklich, ein superlieber Vater. Ich habe immer gedacht, dass ich das nach der Schule genauso mache. Das habe ich dann auch zwei Jahre lang getan. Habe in einer Buchhandlung meines Onkels gearbeitet, wollte die eigentlich auch übernehmen später. Aber dann habe ich in einem Jahr mit van Morrison und Dave Stewart, Prince gespielt, in '89. Die Single „Lily Was Here” kam raus. Und die Leute kamen nur noch in die Buchhandlung wegen Autogrammen, nicht mehr für Bücher. Sie wollten mich auf einen Drink einladen. Das fand ich damals sehr schlimm. Heute bin ich froh und stolz, dass ich mein Geld mit etwas verdiene, was ich sehr liebe. Noch immer denke ich, ich möchte immer nur meine Musik spielen, die Musik, die ich liebe. Auch, wenn da kein Markt mehr für da ist. Und wenn ich nur noch in kleinen Jazzklubs spiele, für 100 Euro die Woche. Dann muss ich das machen und suche mir auch einen anderen Job.
Sie nannten selbst die Namen Dave Stewart und Prince. Wie wichtig waren diese beiden für Sie?
Dulfer: Für meine Karriere super. Mit Dave Stewart habe ich einen Nummer 1-Hit in der ganzen Welt gehabt, „Lily Was Here”. Der hat natürlich viele Türen geöffnet. Und noch mehr das Spielen mit Prince. Das gibt Kredit auf der ganzen Welt, wenn man sagen kann: „Ich habe mit ihm gespielt”. So oft und noch immer. Ich habe noch mit van Morrison gespielt, Pink Floyd, Aretha Franklin und vielen anderen. Das ist eine kleine Welt in der Musik, wenn man so gute Leute kennt. Dann fragen auch die anderen. Und ich bin stolz, dass mich diese Leute immer gefragt, mich eingeladen haben Ich habe sie nie auf einen Job angesprochen.
Haben Sie immer an Ihren Erfolg geglaubt?
Dulfer: Ich wollte eigentlich nie so viel Erfolg. Das war nie ein Traum von mir. Ich hab immer meinen Vater und seine Kollegen angeschaut. Und das war für mich das größte. Ich hab nie gedacht, dass ich einmal in Amerika spielen würde. Eigentlich überall in der Welt. Und das gelingt mir noch immer. Und das beste ist, das mache ich alles mit Musik, die ich so gerne mag, die ich auch machen will.
Gibt es für Sie musikalische Vorbilder?
Dulfer: Ja, sehr viele. Meinen Vater, Miles Davis, Chaka Khan, es gibt so viele gute Sachen. Sony Rollins, Dexter Gordon, Macio und Charlie Parker. Ich höre mir alles an. Es gibt so viele Leute, die ich gerne höre, auch Newcomer.
Sie sagten, dass Sie den Erfolg eigentlich nicht haben wollen. Gibt es denn ein Erfolgsrezept für Sie?
Dulfer: Na ja. Was gewirkt hat? Ich habe immer an mich geglaubt. Und mein Vater hat mir immer gesagt: Die Auftritte sind das wichtigste, die Live-Gigs. Sie immer wieder neu angehen, spektakulär machen, einzigartig. Das versuche ich. Sich selbst treu bleiben, Prinzipien haben, auf dem Boden bleiben, auch wenn man sehr viel Geld verdient. Ich habe eine große CD mit Lily gehabt. Das ist 20 Jahre her. Aber die Leute kommen immer noch. Sie denken: „Wenn Candy kommt, dann ist es immer spektakulär, sie hat tolle Musiker in ihrer Band, es kann getanzt werden, eine Party”.
Sie spielen am 22. Juli im Strobels in Dortmund. Zur gleichen Zeit spielt Carlos Santana nur wenige Meter entfernt in der Westfalenhalle? Haben sie schon mal mit ihm gespielt?
Dulfer: Noch nie. Aber das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Prince ist ein Riesenfan von Carlos Santana. Ich kenne aller Santana-Hits, die hat Prince immer auf den Aftershow-Partys aufgelegt. Ich finde Carlos Santana fantastisch, habe ihn oft live gesehen.
Was werden Sie in Dortmund spielen?
Dulfer: Wir haben eine sehr schöne Band, zwei Amerikaner, die sind u.a. die Begleiter von Prince, Kurt Johnson und David Howard. Die haben auch mit Chaka Khan gespielt. Ein tollen Trompeter. Eine wirklich spektakuläre Band auf einem sehr hohen musikalischen Niveau. Die beste Band, die ich bisher gehabt habe. Wir haben auch spezielle Gäste, Leona, eine Sängerin aus der Karibik, die in Holland lebt und dort schons erh bekannt ist. Die ist ganz hip. Wir spielen alte und neue Songs von mir, ein paar von Leona und auch den anderen Musikern. Am Ende ist es eine Party, bei der die Leute tanzen. Das ist immer mein Rezept für Live-Gigs. Und das wollen die Leute auch.
Sie spielen in Dortmund, kennen Sie die Stadt?
Dulfer: Ja, die Hälfte meiner Familie kommt eigentlich aus der Umgebung von Dortmund. Meine Wurzeln liegen dort. Von meiner Mutters Seite aus. Meine Großmutter war Deutsche. Die Familie ist aber von dort weggezogen. Ich mag auch den deutschen Lifestyle. Bin immer wieder sehr gerne da und freue mich auf Dortmund.
Vielen Dank!
Candy Dulfer spielt am 22. Juli im Strobels. Beginn: 21 Uhr
Tickets gibt's an den bekannten Vorverkaufsstellen. VVK 28 Euro, AK 34 Euro.
Infos: www.strobels-dortmund.de oder unter www.artwerk-events.de
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