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Anne-Sophie Mutter spielt mit rauchigem Ton

17.06.2009 | 23:44 Uhr
Anne-Sophie Mutter spielt mit rauchigem Ton

Essen. Zunächst seltsam beklommen, dann von schwerer Süße: Anne-Sophie Mutter, Andre Previn und der Cellist Lynn Harrell glänzen beim Klavierfestival Ruhr in der Essener Philharmonie.

Beim Klavier-Festival Ruhr folgt ein Event dem anderen: Zwei Tage nach Daniel Barenboim war Anne Sophie Mutter in der ausverkauften Essener Philharmonie zu Gast. Gemeinsam mit dem Weltklasse-Cellisten Lynn Harrell bestritt sie die deutsche Erstaufführung des Klaviertrios ihres früheren Ehemanns, des Komponisten und Dirigenten André Previn, der selbst am Klavier saß. Das Trio widmete sich außerdem Mutters Favoriten Mozart und würdigte den Jubilar Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seinem Klaviertrio d-moll.

Die Erwartungen sind hochgeschraubt, wenn solche Ikonen des Musik-Business leibhaftig zu erleben sind. Mozarts B-Dur-Trio löste sie musikalisch nicht ein. Anne Sophie Mutter braucht Zeit, um sich aus seltsamer Beklemmung zu befreien. Sie setzt den Bogen so gewichtlos an, dass ein leicht rauchiger, dünner, nicht stetiger Ton entsteht, auf den ein intensiv schwingendes Vibrato aufgesetzt wird. Das Larghetto erscheint als zähes Adagio, in dem André Previn den Tönen so verliebt nachhört, dass sich die Phrasierung in der Weite aufzulösen droht. Der Satz, so intim er intoniert wird – wundervoll diskret und wohlklingend das Cello Harrells –, gewinnt keine klare Leichtigkeit, sondern verharrt in süßer Schwere.

Musik ohne Widerstand

Previns neue Komposition hatte das Trio erst im April 2009 in der Carnegie Hall in New York uraufgeführt. Previn schreibt im üblichen dreisätzigen Schema mit langsamem Mittelsatz widerstandsfrei zu hörende Musik, gekonnt gesetzt, intellektuell nicht überfrachtet. Anne Sophie Mutter darf mit einem ausführlichen Solo einleiten; das Cello eröffnet dafür den langsamen Satz. Harrell breitet erlesenen Samt aus, auf dem die Geige mit süß-schwärmerischem Mutter-Ton einherschreitet.

Bei Mendelssohn bewundert man die agilen Finger und die musikalische Gestaltungskraft des achtzigjährigen Previn; die beiden Streicher glänzen mit jener selbstverständlichen Leichtigkeit, die mit zum Schwersten gehört, was ein Musiker erreichen kann.

Rudolf Häußner



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