Katja Woywood: "Cobra 11 ist ein Sechser im Lotto"
04.03.2009 | 07:56 Uhr 2009-03-04T07:56:00+0100
Wachwechsel bei dem RTL-Dauerbrenner "Alarm für Cobra 11" (Donnerstag, RTL, 20.15 Uhr): Katja Woywood heizt ihren Jungs, Erdogan Atalay und Tom Beck, als neue Polizeichefin ein - als Nachfolgerin von Charlotte Schwab. Jürgen Overkott sprach mit der einstigen Serien-Tochter des deutschen Fernsehens.
Sie sind mit „Cobra 11“ in den Polizeidienst gewechselt. Wäre das damals, in der Schule, eine berufliche Option gewesen?
Katja Woywood: (lacht) Komischerweise ja. Mir wurde aber die Entscheidung schnell abgenommen. Ich hatte mit 14 schon meine erste Rolle, und dann musste ich noch schnell Abi machen, und ging es munter in die Schauspielerei.
Was fanden Sie an der Polizei-Arbeit interessant?
Katja Woywood: Ich fand’s spannend. Die negativen Seite sieht man als Schülerin nicht so. Aber jetzt darf’s ich ja in der Serie ausprobieren, in die Welt der Polizei abzutauchen.
Ihre Vorgängerin war Charlotte Schwab. Sie hat den Job als Chefin der Dienststelle lange gemacht. Wie wollen Sie die Rolle verändern?
Katja Woywood: Die Grundvoraussetzungen haben sich gerändert: Ich bin ein bisschen jünger, ein bisschen kleiner. Meine Chefin ist – na, zickig ist das falsche Wort – ein bisschen übereifrig. Sie will alles richtig machen, hält sich genau an die Vorschriften. Eher kopf- als herzlastig. Es sei denn, es kommt hart auf hart: Dann hat sie das Herz am rechten Fleck und steht vor ihrer Truppe. Aber: Ich bring schon ein bisschen Schwung in die Bude!
Haben Sie sich dieses Profil gewünscht, um Zweifel an Ihrer Autorität zu zerstreuen?
Katja Woywood: Ich habe an der Resonanz in meinem Bekanntenkreis gemerkt, dass die Leute erstmalig Schwierigkeiten hatten, mich als die Chefin zu sehen, weil ich diese Rolle bisher noch nicht gespielt hatte. Ich will auf keinen Fall als karrieregeil dastehen, und in der Serie merken die Kollegen auch, dass sie nicht über Leichen geht. Natürlich ist mein Rollen-Profil spannend, weil ich nicht immer die Liebe, Nette spielen will. Reibereien sind schon spannend.
Wie sieht es mit dem Privatleben der neuen Chefin aus?
KW: Es gibt noch keins. Ich habe aber mit Autoren gesprochen, ob man ein Privatleben entwickeln kann. Zwar steht das Hauptgerüst der Geschichten, mit dem ich auch sehr zufrieden bin, aber an Details kann man arbeiten. Die Rolle wird sich mit der Zeit entwickeln.
Sind Sie privat auch die Chefin?
Katja Woywood: (lacht) Ich weiß es nicht. Fragen Sie meinen Mann! Nein, ernsthaft, ich glaube, wir kriegen die Dinge gemeinsam gut geregelt.
Na ja, ich arbeite mit dem Team zusammen, dass auch mit meinem Mann die „Soko Leipzig“ (ZDF-Krimi, Red.) macht. Und die Leute ziehen mich immer auf: Na, Chefin, wie geht’s denn so? Die machen vor allem deshalb ihre Witzchen, weil ich meinen Mann auf der Karriereleiter überholt habe.
Leidet er darunter?
Katja Woywood: (lacht) Keinesfalls.
Für Sie jedenfalls ist „Cobra 11“ ein schönes Projekt, weil es langfristig angelegt ist.
Katja Woywood: Für mich ist die Serie ein Sechser im Lotto. Der Ritterschlag. Ich bin echt stolz dabei zu sein. Das ist ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene.
Das Verrückte ist: Sie sind keine 40, haben schon eine mehr als 20-jährige Kamera-Karriere hinter sich. Würden Sie sich heute genauso entscheiden?
Katja Woywood: Ich hatte einfach das Glück, dass es lief. Ich musste mir gar keine Gedanken darüber machen, ob es richtige Entscheidung war. Ich habe in meinem Leben, dank des Berufs, so viel gesehen, so viel erlebt, so viele interessante Menschen kennengelernt, so dass ich die Schauspielerei auf keinen Fall missen möchte. Du hast nie Alltag, du hast immer Abwechslung. Wenn mich aber junge Leute fragen, ob sie diesen Beruf ergreifen sollten, würde ich aber immer sagen: nein!
Warum?
Katja Woywood: Es hat sich so viel verändert in diesem Beruf. Es gibt so viel, was schnell eingestampft wird, was nicht funktioniert. Es ist so ein risikobehafteter Beruf. Als ich angefangen habe, gab es nur drei öffentlich-rechtliche Sender. Ich war immer die Tochter von… Ich musste mir um Rollen überhaupt keine Gedanken machen. Und jetzt kommen die Mutter-Rollen…
Ist das okay?
Katja Woywood: Ich wurde bisher immer zehn Jahre unter meinem Alter besetzt. Irgendwann möchte man auch im Film mal eine eigenständige Rolle haben. Und jetzt, wo ich selbst ein Kind habe, sagen die Produzenten, wie wär’s denn mal mit einer Mutter-Rolle Und ich sage: Hört mal, Freunde, wenn ich eine Fixerin spiele, muss ich ja auch nicht die Nadel in den Arm jagen.
Sie sind ja auch im wirklichen Leben Mutter. Wie fühlt sich die Rolle an?
Katja Woywood: Super! In den ersten Monaten hätte ich anders geantwortet. Denn akuter Schlafmangel fördert nicht meine gute Laune. Aber jetzt kriegen wir das alles gut auf die Reihe. Wir haben Traumnachbarn, und meine Mutter wohnt auch noch mit im Haus. Die Kinderbetreuung ist ein fröhliches Gewurstel.
Manchmal ist aber auch schwierig. Neulich tauchten Läuse im Kindergarten auf. Da musste ich hin- und herspringen zwischen der Mutter, die was regelt, und der toughen Polizeichefin.
Darf der Kleine schon fernsehen?
Katja Woywood: Manchmal. Neulich hat er gesagt, Mama, Du kannst ja zaubern – Du kannst Dich so klein machen, dass Du in den Fernseher passt.
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