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Betreuungsgeld

CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss

04.06.2012 | 07:29 Uhr
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
Günther Jauch diskutierte am Sonntag mit seinen Gästen über das geplante Betreuungsgeld. Foto: Michael Gottschalk/dapd

Berlin.   Noch gibt es das Betreuungsgeld nicht, aber es erfreut sich bereits einer stattlichen Anzahl spöttischer Beinamen. So wird es wahlweise als Herdprämie, Fernhalte- oder gar Verdummungsprämie geschmäht. Beim Talk bei Günther Jauch offenbarten sich zudem die inhaltlichen Schwächen des Konzepts.

Alexander Dobrindt hatte es wahrlich nicht leicht. Am Sonntagabend saß der CSU-Generalsekretär vor einem Millionenpublikum beim Jauch´schen Polit-Talk im Ersten Deutschen Fernsehen und versuchte allein auf weiter Flur das Betreuungsgeld als familienpolitisches Erfolgskonzept zu verkaufen. Und ja: Fast war man geneigt, mit dem CSU-Mann mit der neumodischen Nerdbrille ein wenig mitzuleiden.

So als wäre nicht bereits hinlänglich bekannt, dass das Konzept über alle Parteigrenzen hinweg einen höchst umstrittenen Ruf genießt, versuchte Dobrindt das Betreuungsgeld als großen Wurf zu preisen. Mit dem Elterngeld, dem Betreuungsgeld und dem ebenfalls 2013 in Kraft tretenden individuellen Rechtsanspruch auf Kita-Plätze seien für sämtliche Familienmodelle die entsprechenden familienpolitischen Konzepte entwickelt worden, sagte Dobrindt.

„Sozialpolitische Schweinerei“

Die Familien müssten jetzt nur noch aus diesem „fulminanten“ Angebot die für sie passende Wahl treffen, wollte der CSU-Mann den Zuschauern weismachen – verschwieg dabei aber, dass „gut gemeint“ nicht auch automatisch „gut gemacht“ bedeutet. Diese Aufgabe fiel vielmehr seinen Mitdiskutanten unter Führung der mecklenburg-vorpommerischen Arbeits – und Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) sowie dem Sozialwissenschaftler Stefan Sell zu.

Und die Kritik war durchaus scharf. So nannte Sell den Umstand, dass das Betreuungsgeld auf Hartz IV angerechnet werden soll, eine „sozialpolitische Schweinerei“ und sprach von einer drohenden „Kindeswohlgefährdung“, wenn aufgrund überhasteter Eile eine große Anzahl von Krippenplätzen möglichst billig aus dem Boden gestampft werden solle. In erster Linie sollten in Sachen Kinderbetreuung Qualitätsstandards Vorrang vor Aktionismus haben, sagte der Wissenschaftler.

Billig aus teurem Ausbau herauskaufen

Die Journalistin Gabi Bauer sprach von „Mitnahmeeffekten“ bei Familien aus der Mittelschicht und verwies damit indirekt auf die Tatssache, dass in gewissen Kreisen eine Prämie in Höhe von 150 Euro keinen sonderlichen Zusatzanreiz für Eltern böten, ihre Kinder „daheim“ zu erziehen. Dobrindt hingegen sagte, „die wertvolle Erziehungsarbeit von Eltern muss dem Staat auch viel wert sein.“

Den Vorwurf der SPD-Frau Schwesig, die Regierung versuche sich so „billig“ aus dem teureren Ausbau des flächendeckenden Kita-Angebots herauszukaufen, konnte Dobrindt allerdings nur mit parteipolitischer Polemik parieren, indem er die rot-grüne NRW-Landesregierung kritsierte, die beim Kita-Ausbau das Schlusslicht in Deutschland bildet.

E-Mail-Flut zum Thema

Wirklich überzeugen konnte Dobrindt mit seinen Verteidigungsversuchen nicht. Zu übermächtig, weil schlicht einleuchtend, erschienen die Argumente gegen das Betreuungsgeld. Die Debatte um diese Prämie entlarvt im Kern eine ganz andere Problematik, nämlich die von der Politik in der Vergangenheit sträflich vernachlässigte „Work-Life-Balance“. Wo, wie und von wem die Kinderbetreuung und -erziehung verwirklicht wird, ist eigentlich nur im Kontext der Situation des Arbeitsmarktes zu diskutieren.

So wie sich in der Vergangenheit das tradierte Familenmodell mit dem Vater als Familienoberhaupt und Ernährer sowie der Mutter als Hausfrau und Erzieherin aufgelöst oder zumindest ausdifferenziert hat, hat sich auch der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Aspekte Zeit und Lohn sind mit der Familiendebatte eng verbunden.

Dies jedoch wurde in der Jauch-Runde nicht thematisiert. Stattdessen beharkten sich Dobrindt und Schwesig in parteipolitischen Scharmützeln, die zumindest offenbarten, dass zwischen CDU und SPD durchaus noch programmatische Unterschiede auszumachen sind. Insofern ein gutes Zeichen, das vom Jauch-Talk ausging. Ebenfalls ein gutes Zeichen war die Anzahl der E-Mails, die während der Sendung eingingen. Rund 800 Zuschauer brachten sich ein, laut Jauch Rekordniveau. Zumindest lässt sich daran gut ablesen, wie bedeutsam diese gesellschaftliche Debatte um die Frage der Kinderbetreuung ist.

Timo Baudzus



Kommentare
05.06.2012
11:23
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von wimmel | #21

Kinder unter 3 Jahren gehören nicht in die Kita, wie bislang auch :-)))
Wenn Eltern die bislang ihre Kinder sowieso, in den ersten 3 Jahren zu Hause erziehen, 150 Euro Unterstützung bekommen sollen ist das gut so und erst danach müssen Kitaplätze in genügender Menge zur Verfügung gestellt werden, dass wollen alle, wird aber bewust durcheinander gebracht .
Da aber die Wirtschaftsverbände, bei schrunpfender Bevölkerungszahl nun auch noch die Mütter, in den ersten 3 Lebensjahren ihrer Kinder, auf dem Arbeitsmarkt sehen wollen sollen diese ihre Kinder möglichst schon mit 1. Lebensjahr in eine Kita geben.
Darum geht es und um nix anderes, viele Arbeitslose geringe Löhne, wenig Arbeitslose hohe Löhne, traurig aber wahr :-))

04.06.2012
20:10
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Name von Moderation entfernt | #20

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04.06.2012
17:13
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Name von Moderation entfernt | #19

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04.06.2012
16:12
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von Rally8 | #18

Sie haben es richtig vermutet! Die Kitakosten liegen bei 1000 bis 1600€/M., inclusive Einrichtungs- und Unterhaltungskosten und damit mehr als sechs mal höher als das Betreuungsgeld von bis zu 150€.
Es ist als freie Alternative gewollt und läßt den Müttern die primäre Entscheidung. Außerdem muß die jeweilige Einrichtung und die Entfernung berücksichtigt werden. Da bleibt jedem die Freiheit seiner Entscheidung, würde Gauck betonen.
Zudem kosten Kinder auch mehr als viele Kinderlose vermuten und davon gibt es genug!

1 Antwort
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von kadiya26 | #18-1

Kinder kosten richtig viel Geld, das stimmt.

Und doch ist es überwiegend der freie Wille eines Paares ein oder mehrere Kinder zu haben. Es will mir nicht unbedingt einleuchten, dass für die Erfüllung dieses privaten Wunsches "der Staat", also die Allgemeinheit zu bezahlen hat. Der Staat soll seine Aufgaben erfüllen, und Schulen, Kindergärten, Tagesstätten, Horte, etc. pp. einrichten und betreiben - und zwar m.E. grundsätzlich kostenlos. Für die rein private, monetäre Unterstützung der Familien gibt es längst das Kindergeld.

Der Gedanke, ein Kind gerade in den ersten Lebensjahren in der Familie zu betreuen, ist auch für mich grundrichtig! Aber warum muss der Steuerzahler das bezahlen?

04.06.2012
12:49
...
von sebas | #17

Was ich überhaupt nicht verstehe:

Warum werden Eltern, die ihre Kinder im Alter von
0 bis 3 Jahren nicht in eine fremde Betreuung geben wollen,
eigentlich diskriminiert?

Können Sie sich denn vorstellen, dass Eltern nicht deshalb
Eltern geworden sind?
Können Sie sich vorstellen, dass Eltern das dringende Bedürfnis
haben, die frühkindliche Entwicklung ihrer Kinder in Vollzeit
zu begleiten?

Meine Frau und ich hatten dieses Bedürfnis.
Als wir Eltern wurden, haben wir BEIDE unsere Arbeitszeit auf 50%
heruntergesetzt. Sie können sich vorstellen, dass wir nicht mehr
im Geld schwammen. Ein zusätzliches Betreuuungsgeld hätten wir
sehr gut gebrauchen können.

Die Kinder sind auch nicht zu kurz gekommen, wir haben für häufige
Begegnungen mit Gleichaltrigen gesorgt.
Im Alter von 3 Jahren kamen unsere Kinder dann in den Kindergarten.

Unsere Entscheidung haben wir nicht bereut - im Gegenteil!

04.06.2012
12:48
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von woelly | #16

In NRW kostet der Krippenplatz für ein Kind angeblich 1300 €/Mo. Wenn eine Mutter zwei Kinder in die Kita schickt, sind das Kosten von 2600 €/Mo. für den Staat. Wenn es aber gesamtwirtschaflich ein Sinn machen sollte, müsste die Mutter diese Summe durch ihre Berufstätigkeit erwirtschaften. Ist das nicht der Fall, so ist ihre Tätigkeit zu Hause bei den Kindern gesamtwirtschaflich sinnvoller eingesetzt. Den "Faktor" Kinderliebe hier mal nicht mitgerechnet. Man sollte einfach mal die Kinder fragen!

04.06.2012
12:23
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Name von Moderation entfernt | #15

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4 Antworten
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von Pase_Lacki | #15-1

Hat da heute einer seine Tabletten vergessen?

Wieso kostenlos?
von Zecke | #15-2

KITA-Plätze sind nicht kostenlos, weder für Lehrerehepaare noch für andere gut verdienende Elternpaare.
Wie kommen Sie eigentlich beim Thema "Betreuungsgeld" dazu, Lehrerhetze zu betreiben?

CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von wilbec | #15-3

Weil es angebracht ist.

Witzbold wilbec hat...
von S04CKS | #15-4

die Gesamtproblematik wohl noch nicht so ganz verstanden und durchschaut.

Nach seiner Logik im Beitrag #4 haben "reiche Familien" ein starkes Interesse daran, dass ihre Kinder zu "strammen Parteisoldaten " der "SPD/Grünen herangezogen werden.

Selten so einen widersprüchlichen, gequirlten Unsinn gelesen.

Bei solchen Schlussfolgerungen kann man fast sogar die Lehrerhetze verstehen. :-))

04.06.2012
11:46
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von meinemeinungdazu | #14

Warum wird alles wieder vom Geld abhängig gemacht? Familien bekommen den Vorteil des Ehegattensplittings, für Kinder Kindergeld. Selbst die überzogene Förderung der Kita-Plätze hätte man reduzieren können. Wie ging es denn bis heute?: Kinder wurden geboren, Mann oder Frau nahmen sich eine Auszeit, manche Frau blieb wegen der Kinder langfristiger zu Hause. Oma und Opa halfen gerne aus. Der Staat ist nicht berechtigt, die wichtigsten ersten Kinderjahre bereits für seine Interessen zu missbrauchen. Wo soll sonst die innige Beziehung zwischen Eltern und Kindern herkommen? Diese Beziehung prägt doch das ganze Leben. Und da will ich keinen Staat und keine Partei. Und die Arbeitgeber sollten Familien mit Kindern als wichtige Grundlage betrachten, die man besser stützen muss. Die Erziehungsentscheidungen müssen bei den Eltern bleiben und der Staat hat sich rauszuhalten. Das dumme Gelabere mancher Spitzenpolitiker bringt doch nur Verdruss.

1 Antwort
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von Duisburgwest | #14-1

Als alleinerziehende Mutter von inzwischen 3 erwachsenen Kindern (27 und Zwillinge25) kann ich diesem Kommentar nur zu stimmen. Die Entscheidung lag bei mir wer sich während meiner Berufstätigkeit um die Kinder kümmerte. In meinem Fall haben wir das auch familiär geregelt. Ohne Unterhaltszahlung des Vaters der Kinder habe ich mit Arbeit und Erziehung der Kinder das Ganze gemeistert. OK heute mit 58 bin ich krank und kann nicht mehr arbeiten...........aber meine Kinder unterstützen mich so gut sie können und mit 65 + 9 Monate bekomme ich ja dann auch hoffentlich meine wohlverdiente Rente :-))))

04.06.2012
11:10
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von jmeller | #13

tom009 | #12, in der DDR gab es nicht nur Kindergärten in staatlichen Betrieben, nein es wurden auch Kinder von alleinstehenden Frauen in Kinderheime gebracht, damit die Frauen arbeiten konnten. Wenn die Kinder Glück hatten kamen sie am Wochenende nach Hause. Und wenn sie Pech hatten nur einmal im Jahr wenn die Mütter Urlaub hatten.

1 Antwort
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von SimonvonUtrecht | #13-1

Gibt es für Ihre Propaganda Belege !
Belege gibt es dafür, das in der BRD "unliebsamen Zeitgenossen" die Kinder weggenommen wurden, weil die Eltern im Zuchthaus saßen, wegen ihrer politischen Gesinnung !!!!

04.06.2012
10:44
CSU und ihr Betreuungsgeld bei Jauch unter Beschuss
von tom009 | #12

jaja unsere politiker

komisch

in der ex ddr gabe es in fast jedem betrieb kindergärten.

warum führt man dies hier nicht ein?????

weil ja schon hundt und co so am schreien sind weil diese dann mal für ihre mitarbeiter tun müßten.
und welche riesen kosten würden denn dann auf die arbeitgeber zukommen????

nein bloß nicht mal von ihren hohen rössern runterkommen.

und wenn die berufstätige mutter erstmal 3-4 jahre aus dem berufsleben raus istnun glaubt denn jemand das diese dann wieder ihre anstellung erhält die diese vor der geburt hatte.
also ist diese doch der versuch frauen von gutdotierten posten fern zu halten.

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