Phantom der Oper mit Deborah Sasson
29.12.2009 | 18:01 Uhr 2009-12-29T18:01:00+0100
Siegen. Mal war sie ein prächtiger Ballsaal, mal nebelige Katakomben: Im dauernden Wechsel bot die Siegerlandhalle dem „Phantom der Oper” die unterschiedlichsten Schauplätze, um Christine für sich zu gewinnen.
Grabsteine, eine vier Meter hohe Orgel und ein glanzvoller, projizierter Kronleuchter, der virtuell zu Boden fällt: Die Musical-Inszenierung nach dem Roman von Gaston Leroux ist nicht nur auf den ersten Blick sehr bildgewaltig. „Wir versuchen zwei Stunden lang, die Opernhaus-Atmosphäre aufrecht zu erhalten”, so die Hauptdarstellerin Deborah Sasson im Gespräch hinter der Bühne. Seit 2006 tourt die Bostoner Opernsängerin bereits mit verschiedenen Versionen des Stückes.
Als Chormädchen Christine Daee ersetzt sie eines Abends in der Pariser Oper die Primadonna Carlotta (Sonja Heiermann) und begeistert ihr Publikum mit Puccinis Arie „O mio babbino caro”. Doch die junge Frau hat ein dunkles Geheimnis: „Der Engel der Musik” hat ihr zu ihrer wundervollen Stimme verholfen. Das Phantom (Axel Olzinger) will sie zum Star der Oper machen und fordert dafür ihre Liebe.
Als Christine mit ihrem Raoul (Joachim Sauttner) während eines Maskenballs fliehen will, entführt das Phantom seine Angebetete. Raoul und die Mitarbeiter des Opernhauses nehmen die Verfolgung in den Katakomben auf und Christine muss sich für einen der Kontrahenten entscheiden.
Den Vergleich zur weltbekannten Fassung von Andrew Lloyd Webber scheut Sasson nicht. „Seine Inszenierung wird sich nie ändern”, sagt sie. Das habe rechtliche Gründe. Es würde einem Stoff aber auf Dauer nicht guttun. Vor allem das fast vollständige Fehlen von klassischer Musik hat Sasson nach eigener Aussage gestört: „Wir sind in einem Opernhaus und hören keine Opern.” Deswegen wollte sie berühmte Stücke einbinden. Der Besucher hört nun „Libiamo” aus Verdis La Traviata und sieht Christines Verwandlung in „Carmen” bei „Habanera”.
Gesanglich legt Sasson die Messlatte für ihre Kollegen sehr hoch. So hat der Assistent (Marcin Drzazdinski) beim finalen „Libiamo” teils Probleme, mit dem Stimmvolumen seiner Duettpartnerin mitzuhalten. Und auch die Stimme des düsteren Phantoms wirkt manchmal zu dünn.
Frischen Wind in den bekannten Stoff bringen die vielen amüsanten Spitzen, etwa wenn Operndiva Carlotta anstatt eines hohen Tones in einer ihrer Arien nur ein lautstarkes Rülpsen zustandebringt.
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