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Nachbar-Wache

29.06.2012 | 18:00 Uhr
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Gleich an der Einfahrt unseres Wohnviertels steht ein Warnschild: „Hier haben Nachbarn die Augen und Ohren offen.“ Und daneben ist auf die Straße eine große 30 gemalt worden. Wenn sich also Spitzbuben an das vorgegebene Tempolimit halten, haben sie beim Vorbeifahren genügend Zeit, den Hinweis zu studieren.

Gleich an der Einfahrt unseres Wohnviertels steht ein Warnschild: „Hier haben Nachbarn die Augen und Ohren offen.“ Und daneben ist auf die Straße eine große 30 gemalt worden. Wenn sich also Spitzbuben an das vorgegebene Tempolimit halten, haben sie beim Vorbeifahren genügend Zeit, den Hinweis zu studieren.

Und die kleine Warnung ist kein leeres Versprechen, denn tatsächlich verfügen wir im Großen und Ganzen über eine erfreulich intakte Nachbarschaft. Wobei Ausnahmen auch bei uns die Regel bestätigen. Doch das ist wieder ein anderes Thema.

Nun sind wir zwar auf unsere Tafel durchaus ein wenig stolz, doch gibt es neben der Sorge vor ungebetenen Gästen immer wieder auch ein paar Zeitgenossen, die es sich zur Aufgabe machen, das Schild mit Graffiti-Kringeln zu besprühen. Mit der Folge, dass irgendwann irgendein Gutmeinender wieder anrücken muss, um den Schmutz zu entfernen. Und eine Weile später ist der Blechwarner dann abermals besprüht. Es muss für gewisse Kleingeister offenbar ein großes Vergnügen sein, Unsinn im wahrsten Sinne des Wortes zu produzieren.

Festzuhalten aber bleibt - toi, toi, toi -, dass unser Viertel von unliebsamen Besuchern bislang weitestgehend verschont geblieben ist. Allerdings berichten die Altvorderen von einem bizarren Geschehen, das sich einmal vor vielen Jahren ereignet hat. Damals war ein volltrunkener Ortsfremder auf der Suche nach einem Bett kurzerhand in ein ebenerdiges Zimmer eingestiegen und hatte es sich gleich neben der dort schlummernden Oma auf der Matratze bequem gemacht. Die Seniorin überlebte den Nervenschock erstaunlich gut, und die alarmierte Polizei weckte den Fremdschläfer, der sich nun seinerseits ob der eigenen Dreistigkeit schockiert und reumütig zeigte.

Das kuriose Fehlverhalten ließ sich auch schnell aufklären: Der übermüdete Gast hatte den Abend in einem nahe gelegenen Etablissement verbracht, wo ihn eine komplette Übernachtung dann aber doch wohl finanziell oder auch anders überfordert hätte. In der Dunkelheit der Nacht und eben auch in der Umnebelung des überzechten Geistes verlor er die Orientierung, geriet in die Rabatten, stieg über Zäune und taumelte schließlich in Omas unmittelbare Schlafsituation. Die Terrassentür hat die alte Dame seitdem jedenfalls nicht mehr aufgelassen.

Andreas Thiemann

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