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Gauck lockt Forscher aus dem Elfenbeinturm

04.07.2012 | 19:31 Uhr
Gauck lockt Forscher aus dem Elfenbeinturm
Bundespräsident Joachim Gauck besucht die TU-Dortmund auf Einladung der Deutschen Forschungsgesellschaft.

Dortmund.   Bundespräsident Joachim Gauck hat Wissenschaftler aufgefordert, sich stärker in politische Debatten einzubringen. Demokratie brauche im politischen Alltag eine verständliche Wissenschaft, erklärte Gauck auf einer Festveranstaltung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Dortmund.

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Wissenschaft am Mittwoch bei einem Besuch an der Dortmunder Universität aufgefordert, sich mehr in öffentliche politische Debatten einzumischen und ihre Forschungsergebnisse der breiten Gesellschaft verständlich zu machen. Gauck war auf Einladung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach Dortmund gekommen, die derzeit an der Technischen Universität ihre Jahresversammlung veranstaltet und ihr neues Präsidium wählt.

„Warum sind in der öffentlichen Debatte über unsere Zukunft die Wissenschaftler nicht prominenter zu hören?“, fragte Gauck die versammelten Forscher und fügte hinzu: „Ich würde mich sehr über mehr Einmischung freuen.“

Forschung ist ein "elementarer Teil der Demokratie"

Die Wissenschaft könne und sollte der Gesellschaft aufzeigen „woher wir kommen, wer wir sind und welche Szenarien sich uns in der Zukunft bieten“, so das 72-jährige Staatsoberhaupt. Dabei solle sie „Ängste nehmen, Kraft zum Wandel geben und Visionen mit einer nötigen Portion Skepsis begleiten“.

Viel zu oft verschieße sich die Forschung im einsamen Elfenbeinturm, dabei sei sie „ein elementarer Teil unserer lebendigen Demokratie“, so Gauck bei seiner Rede im Audimax. Wissenschaftler sollten die Gesellschaft an ihrer Forschung teilhaben lassen. „Es gibt keine noch so schwierige Formel, die man nicht in eine verständliche Form gießen kann“, so der Bundespräsident. Vorbild dafür sei der angelsächsische Raum, wo die Wissenschaft einen viel größeren Platz in der Öffentlichkeit einnehme. Nur aus der Beschäftigung mit der Wissenschaft könne auch eine Begeisterung für sie entstehen.

Forscher sollen Ergebnisse übersetzen

„Wir brauchen Forscher, die sich verantwortlich fühlen, ihre Ergebnisse zu übersetzen und unsere Gesellschaft so teilhaben zu lassen an ihrem Erkenntnisgewinn“, so Gauck. „Wir müssen uns um ein Gespräch bemühen, denn Gesellschaft reicht so weit, wie die Verständigung reicht“, unterstrich Gauck.

Während die Politik davon lebe, alles darstellen zu müssen, um handlungsfähig zu sein, seien „Zweifel eine Tugend der Wissenschaft“, die durchaus hilfreich seien könne. „Begleiten sie die letzten Wahrheiten der Politik mit Skepsis“, ermunterte der Ehrengast seine Zuhörer.

„Wagen sie mehr Nähe“, rief Gauck den versammelten Forschern zu. Sie sollten ihr Für und Wider, beispielsweise zur Energiewende, öffentlich und verständlich austragen. Es ginge dabei nicht um „endgültige Wahrheiten“, so Gauck, ihm sei klar, dass die Wissenschaft von ihrer Vorläufigkeit lebe, trotzdem könne sich „die Gesellschaft von den Ergebnissen leiten lassen“.

Der Bundespräsident räumte ein: „Aufeinanderzukommen kann anstrengend sein“, letztlich profitiere die Wissenschaft aber auch von den Fragen der Gesellschaft.

Marc Podgornik

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