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Leukämie

Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten

13.07.2012 | 12:46 Uhr
Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
Blutproben für Stammzellenspenden in einem Labor: Ein Fingerhut voll Blut reicht für die Typisierung völlig aus.Foto: dapd

Essen.   Vor vier Jahren ließ sich Heike Stutz typisieren, weil sie einem Journalisten-Kollegen helfen wollte, der an Leukämie erkrankt war. Damals konnte die Mitarbeiterin der WAZ Mediengruppe nicht helfen, ihre Gewebemerkmale stimmten nicht. Jetzt wurde sie als Stammzellen-Spenderin ausgewählt.

Eigentlich war das Ganze ja schon in Vergessenheit geraten. Doch dann klingelte das Telefon, die Stefan-Morsch-Stiftung war dran. Stefan-wer? Da war doch was. Vor vier Jahren hatte sich Heike Stutz typisieren lassen. Bei genau dieser Stiftung, die sich für Leukämie-Patienten einsetzt. Ein Journalisten-Kollege war damals an Blutkrebs erkrankt, ein bekannter Fernsehjournalist und Moderator. Allein bei der WAZ waren 150 Mitarbeiter der Aufforderung gefolgt, testen zu lassen, ob sie als Stammzellenspender für den Krebskranken infrage kommen. Heike Stutz war eine von ihnen, eine von fast 400.000 potenziellen Spendern in der Datei der Stiftung. Dafür reichte eine Blutprobe, ein Fingerhut voll Blut.

Damals konnte die 50-jährige zweifache Mutter nicht helfen. Jetzt vielleicht schon: Die Stefan-Morsch-Stiftung hatte sie als geeignete Spenderin ausgemacht. Eine Chance, ein Lichtblick. Trefferquote 1 zu 10.000 bis 1 zu 1.000.000, je nachdem, welche Gewebemerkmale der Empfänger hat. Heike Stutz zögerte nicht lang und sagte Ja. Sie wollte helfen. Später erfuhr sie, dass der Empfänger ein junger Schwede ist, Anfang 20, an Leukämie erkrankt. Da wusste die Essenerin, dass sie sich richtig entschieden hatte. Sie hat ja selber einen Sohn, 21 ist der. „Ich habe mich gefragt: Was wäre, wenn das deinen eigenen Kindern passiert“, sagt Stutz. „Wenn man helfen kann, dann sollte man auch helfen!“

„Ich war aufgeregt, Angst hatte ich keine“

Überrascht war die Kauffrau, die bereits seit 15 Jahren bei der WAZ Mediengruppe arbeitet, von dem Anruf trotzdem. „Als ich mich typisieren ließ, hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal gebraucht werden würde!“ Der Anruf der Stefan-Morsch-Stiftung kam Mitte April, Ende Juni hatte Heike Stutz bereits einen Termin zur Stammzellenspende . „Ich war aufgeregt, Angst hatte ich allerdings keine“, sagt Stutz. Auch, weil sie Familie, Freunde und Kollegen in ihrer Entscheidung bestärkt, sie nach Kräften unterstützt haben. Und weil sie von der Stefan-Morsch-Stiftung sehr gut vorbereitet wurde auf das, was da folgen sollte.

Spendete Stammzellen für einen jungen Schweden, der an Leukämie erkrankt ist: Kauffrau Heike Stutz

Als Heike Stutz zur Stammzellenspende antrat, hatte sie das Schlimmste bereits hinter sich. Stutz wurde gründlich untersucht: Ultraschall, Bluttests, „Damit körperliche Vorbelastungen ausgeschlossen werden können und damit der Spender weiß, dass er kerngesund ist“, sagt Andrea Djifroudi, Sprecherin der Stefan-Morsch-Stiftung.

Stutz musste sich vorher fünf Tage lang ein einen körpereigenen Botenstoff spritzen, der die Produktion der Stammzellen ankurbelt und diese ins Blut spült. Der Stoff hat Nebenwirkungen. Sie hatte Kopf- und Gliederschmerzen, fühlte sich schlapp. „Ich kam mir vor, als hätte ich eine starke Erkältung“, sagt die Spenderin.

Zur Behandlung nach Rheinland-Pfalz

Danach ging alles sehr schnell. Heike Stutz musste zur Behandlung nach Birkenfeld bei Trier in Rheinland-Pfalz, dem Sitz der Stiftung. Die gerade produzierten Stammzellen wurden per Dialyse, eine Blutwäsche, aus ihrem Körper gewonnen – per Zentrifuge. Morgens um 5 Uhr ging die Reise zu Hause los, um 16.30 Uhr war sie bereits wieder zurück. Die eigentliche Behandlung dauerte fünf Stunden, in denen sie nicht essen oder trinken, sich kaum bewegen durfte. Fünf Stunden, in denen sie rund um die Uhr betreut wurde. „Das war schon ein komisches Gefühl. Mein eigenes Blut hat meinen Körper dreimal hintereinander verlassen.“ Heike Stutz hat ihre Entscheidung trotzdem nicht bereut. „Das war ein spannendes Erlebnis.“ Die Stammzellen werden mit Stoffen vermischt, die den Transport ermöglichen.

Heike Stutz’ Spende ging sofort auf die Reise. Der Kurier wartete bereits. Innerhalb von 72 Stunden, sagt Stutz, müsse die Spende den Empfänger erreichen. Und in spätestens zwei Monaten wird Stutz wissen, ob ihr Engagement erfolgreich war, ob sie Leben retten konnte. Das kann sie dann bei der Stiftung erfragen. Vielleicht wird der junge Schwede auch irgendwann Kontakt zu ihr aufnehmen wollen. Frühestens in zwei Jahren wäre ein solches Kennenlernen möglich. „Er kann darüber selber entscheiden“, sagt Heike Stutz. Sie würde sich aber sehr sehr darüber freuen.

Sven Frohwein


Kommentare
13.07.2012
17:39
Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
von Kohlensteiger | #5

#Pucky2

hier lässt sich niemand feiern, sondern ich denke eher, es soll anderen bei der Entscheidung helfen auch diesen Schritt zu tun!

Ich hasse solche Manschen die dann alles durch den Kakao ziehen weil Sie sehr wahrscheinlich nur neidisch auf den Bericht sind!

Glückauf!

13.07.2012
16:54
Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
von Pucky2 | #4

Ich bin auch typisiert, ich mache aber nicht so einen Bohai darum und lasse mich als Held feiern.
Wenn man sich typisieren lässt ist es doch klar, dass man dies für eine Spende tut - wofür sonst?

Wie heißt es so schön, tue Gutes im Stillen, der Herr sieht es schon.

1 Antwort
Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
von meuer4 | #4-1

Auch ich finde es wichtig, dass es im Gespräch bleibt, wie wichtig eine Stammzellenspende ist.

Nur so kann man aufklären und evtl. Ängsten entgegenwirken.

Ich beglückwünsche Sie ausdrücklich dazu, dass Sie zu den Menschen gehören, die verstanden haben wie wichtig das Thema ist und das Sie typisiert sind!!!!

13.07.2012
15:48
Guter Bericht
von rudizehner | #3


Bisher war immer von Stammzellentnahme per operativem Eingriff berichtet worden. Wo wurde noch gleich Knochen entfernt? Hüfte? Das schreckt ab, auch mich!

Wenn das Ganze inzwischen per Blutentnahme funktioniert und die Risiken (hoffentlich) geringer wurden, sollte darüber berichtet werden. Dann könnten die Leute, die Angst vor einer OP haben (wie ich) das Ganze mal neu bewerten.

2 Antworten
Kümmern
von Erbeck1 | #3-1

Warum kümmern Sie sich als Internetnutzer (einfach) nicht selbst und agierend darum . Ihr "Satz" ist eine "dumme" Ausrede , sofern Sie wirklich helfen wollen !
Tut mir leid - aber so sehe ich das und vielleicht denken Sie ja mal aus meiner Sicht darüber nach ??

Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
von truckerchen | #3-2

Ist nicht ganz richtig. In der Regel können die benötigten Stammzellen aus dem Blut gewonnen werden - dazu muss man sich einige Tage vorher täglich Spritzen um die Produktion anzuregen.

Manchmal allerdings werden Stammzellen direkt aus dem Knochenmark (NICHT Rückenmark) benötigt, da diese besondere Eigenschaften aufweisen. Dann ist eine operative Entnahme am Beckenkamm von Nöten. Aber natürlich nur, wenn der Spender zustimmt und dessen Gesundheit das auch mitmacht!.

Ich selber habe Stammzellen gespendet und würde es jederzeit wieder machen!!!

13.07.2012
13:40
Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
von meuer4 | #2

Danke für diesen Bericht!!!!

Danke an Frau Stutz!!!

Leider denkt diese Gesellschaft anders. Fehlt es an solchen Berichten oder an der richtigen Aufklärung?

Kein Erkrankter sollte vergeblich warten müssen!!!!

13.07.2012
13:35
12 Jahre
von Erbeck1 | #1

....... seit diesem Zeitraum bin ich erfasst und habe noch nie wieder was gehört - ich würde natürlich auch sofort helfen !

2 Antworten
Stammzellen-Spende soll einen Leukämie-Patienten retten
von truckerchen | #1-1

Nicht traurig sein! Es ist doch ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass sein "genetischer Zwilling" die Hilfe nicht benötigt, oder?!

Zwilling
von Erbeck1 | #1-2

Das ist richtig - ich meinte natürlich , dass meine Daten hoffentlich noch vorliegen !

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