Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Volkskrankheit

Migräneliga-Präsident fordert Medikamente für Kleinkinder

27.06.2012 | 08:23 Uhr
Migräneliga-Präsident fordert Medikamente für Kleinkinder
Auch Kinder können an Migräne erkranken.Foto: dapd

Mainz.  Kleinkinder mit Migräne gibt es nicht? Laut Otto Uhl, dem Präsidenten der Migräneliga Deutschland, ist dies medizinisch widerlegt. Er fordert eine bessere medikamentöse Versorgung für Kinder. Denn bislang existiere kein Mittel, das unter Migräne leidenden Kindern im Vorschulalter helfe.

Der Präsident der Migräneliga Deutschland, Otto Uhl, hat anlässlich des Migränesymposiums in Mainz am 28. Juni eine bessere medizinische Versorgung betroffener Kleinkinder gefordert. Bisher existiere kein Mittel, das unter Migräne leidenden Kindern im Vorschulalter helfe, sagte Uhl der dapd am Dienstag in Ginsheim-Gustavsburg. "Hier besteht Nachholbedarf."

Lange Zeit sei gesagt worden, kleinere Kinder könnten keine Migräne bekommen, erklärte Uhl. Dem sei aber nicht so. Es gebe inzwischen Verfahren, mit denen auch bei Kindern im Vorschulalter eine Migräne-Diagnose gestellt werden könne.

Intensiv über die Krankheit informieren

Uhl erklärte, dass noch immer viele erwachsene Betroffenen nicht wüssten, was sie gegen ihre Krankheit tun könnten. Es sei aber "sehr wichtig", sich intensiv über Krankheit und die Möglichkeiten, sie zu lindern, zu informieren. Uhl riet Migräne-Patienten, Stress , größere Anstrengungen und Leistungssport möglichst zu vermeiden. All dies könne einen Ausbruch begünstigen. Leichtes Training dagegen könne Anfällen vorbeugen .

Nach Einschätzung des Migräneliga-Präsidenten hat sich Image der chronischen Krankheit in den vergangenen Jahren spürbar verändert. "

Keine "Frauenkrankheit"

Lange wurde Migräne als 'Frauenkrankheit' abgetan. Es wurde gesagt, Frauen tun so, weil sie abends nicht das wollen, was die Männer wollen", sagte Uhl. Hier habe ein Umdenken stattgefunden. Auch würden weniger Menschen die Migräne als Ausdruck von Wehleidigkeit oder als schiere Ausrede betrachten.

Nach Angaben des Migräneliga-Präsidenten sind in Deutschland rund acht Millionen Menschen von der Krankheit betroffen, 75 Prozent davon sind Frauen. Die Krankheit kann unter anderem mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit sowie Sehstörungen einhergehen.

Lähmungen und Sprechstörungen

Manche Betroffene leiden an Lähmungen und Sprechstörungen. Die Migräne verläuft in der Regel chronisch. Ihre ambulante Behandlung kostet laut Uhl im Jahr etwa 82 Millionen Euro. Mit 44 Millionen Euro schlagen die Klinikaufenthalte zu Buche. Dazu kommen jährlich mehrere zehn Millionen Euro für verschriebene Migränemedikamente.

Das 57. Migränesymposium findet am Donnerstag (28. Juni) in Mainz statt. Bei der Veranstaltung informieren nach Angaben der Migräneliga Deutschland Wissenschaftler über die Volkskrankheit . Die Migräneliga Deutschland arbeitet nach eigenen Angaben ehrenamtlich und betreut 108 Selbsthilfegruppen in Deutschland, Österreich und Luxemburg. (dapd)

Facebook
Kommentare
Umfrage
Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Stimmungsschwankungen könnten auf bipolare Störung hindeuten
Psyche
Bei Verdacht auf eine bipolare Störung sollte sofort der Facharzt aufgesucht werden. Dieser kann bereits bei extrem Stimmungsschwankungen bestehen. Eine biopolare Störung setzt sich aus manischen und depressiven Phasen zusammen. Die Erkrankung wird meist spät erkannt.
Sprechstörung - Gegen Stottern gibt es keine Wunderpille
Logopädie
Peinlichkeiten, Niederlagen, Kränkungen: Stotternde Menschen haben nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit den Reaktionen von Mitmenschen zu kämpfen. Umso stärker hoffen sie auf Therapien - zumindest bei Erwachsenen geht es dabei um Besserung, nicht um Heilung.
Raucher nutzen die E-Zigarette kaum regelmäßig
Rauchverhalten
Die E-Zigarette kommt weiterhin bei Rauchern gut an. Immerhin bereits 19 Prozent haben sie 2014 einmal getestet. Das ist ein drastischer Anstieg im Vergleich zu 2013. Doch kaum jemand raucht sie regelmäßig: Nur 0,4 Prozent der Befragten gaben an, den elektronischen Glimmstängel regelmäßig zu nutzen.
MDS-kranke Sina aus Kamp-Lintfort macht weiter Fortschritte
Medizin
Es geht aufwärts bei der zehnjährigen Sina aus Kamp-Lintfort. Die Stammzellentransplantation bei dem am Myelodysplastischen Syndrom (MDS) erkrankten Mädchen hat angeschlagen. Am vergangenen Wochenende konnte sie die Isolierstation verlassen. Ein erster Schritt auf dem noch langen Weg zur Genesung.
Gelähmter kann nach Rückenmarks-Operation wieder gehen
Medizin
Britischen Forschern ist womöglich eine medizinische Sensation gelungen: Nach einer Operation hat ein von der Hüfte abwärts gelähmter Mann wieder Gefühl in den Beinen - und kann sogar wieder gehen. Ärzte hatten ihm Nasenzellen in die Wirbelsäule verpflanzt. So konnten Nervenzellen wieder wachsen.