Rückspiegel - Mercedes stellt scheintote Marke Maybach ein
25.11.2011 | 20:31 Uhr 2011-11-25T20:31:00+0100
Essen. Wenn Du ein totes Pferd reitest , so die alte Indianerweisheit, dann steig’ ab. Daimler-Chef Dieter Zetsche steigt beim Maybach aus und stellt die scheintote Marke ein.
2002 wollte Mercedes-Mann Jürgen Hubbert Rolls-Royce mit einer veredelten S-Klasse angreifen. Die Idee allein fällt schon unter die Rubrik Totgeburt, weil niemand auf der Welt Maybach (eigentlich der „König der Konstrukteure“, dessen Ideen Daimler in den Anfangstagen groß machte) noch kannte, aber alle R-R. „Mayback“ sagten die US-Amerikaner folgerichtig falsch und interessierten sich nicht weiter dafür.
Das Gefährt selbst geriet zu einem ins Grotesken verlängerten Bleistift, in der Langversion Maybach 62 die namensgebenden 6,20 Meter. Je nach Ausführung konnten sich aber nur zwei Menschen in den Luxussesseln unter der sich automatisch verdunkelnden Glasscheibe im Dach lümmeln - blöd, wenn ein Herr Protz mal die Kinder mitnehmen möchte. Der Fahrersitz vor der Trennscheibe war eine enge Zumutung. Besonders greulich gerieten Versuche eines Cabrios und eines Coupes.
Nur im ersten Jahr konnten man die beste Stretch-Limousine der Welt in nennenswerten Stückzahlen für den aufgerufenen Mörderpreis zwischen 300.000 und einer halben Million losschlagen. Rolls-Royce befand sich damals mitten im Neuaufbau unter BMW und konnte nicht kontern. Trotzdem sah man eigentlich nie wirklich Prominente oder Reiche im zeitweise teuersten Serienauto der Welt, dem jeder Stil abging.
Maybach erfüllte Erwartungen nicht
Der Maybach erfüllte nie die überzogenen Erwartungen, weder der Käufer noch der Verkäufer. Gänzlich am Ende war der Albtraumwagen, als die neue S-Klasse herauskam mit vielen technischen Neuerungen, die der Maybach nicht erhielt, weil er nie grundlegend modernisiert und auf den Stand der Technik gebracht wurde. Trotzdem hielt man in Stuttgart in Treue fest an dem Versager, der öfters ein trauriges Dasein als Shuttlefahrzeug von Las-Vegas-Hotels fristen musste. Blitzartig von Fehlkonstruktionen trennen sich zu Lebzeiten des Maybach andere: Franzosen (Renault Avantime), Italiener (Lancia Kappa), Franzosen (Peugeot 1007) und Italiener (Lancia Thesis).
Vergangenes Jahr wurden nicht einmal alle zwei Tage noch ein Maybach gebaut. Jetzt sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, man sei „zur klaren Überzeugung gelangt, dass die Absatzchancen für die Marke Mercedes besser sind als die von Maybach“. Die Erkenntnis hätte er auch 2003 gewinnen können, aber bitte. Er steigt von einem toten Pferd ab, das schon stinkt, aber er steigt wenigstens ab
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